Waiblingen

Tapas-Bar Teneria: Bangen um Küchenhelfer aus Pakistan

Teneria
Das Teneria-Team hält zusammen: Koch André Neumann, Küchenhelfer Mukhtar Ahmed, Wirtin Stefanie Gleich und Barkeeper Joanis Tzikas. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Voll des Lobes ist Stefanie Gleich, Wirtin der Waiblinger Tapasbar Teneria, für ihren Küchenhelfer Mukhtar Ahmed. In kürzester Zeit ist er zu einem unverzichtbaren Teil des Teams geworden. Doch jetzt droht dem 31-Jährigen aus Pakistan die Abschiebung – für das beliebte Lokal wäre das ein ernstes Problem in der heißen Sommersaison.

Die Teneria – ein kleines Stück Spanien in Waiblingen. Mit den schicken Designermöbeln und den unverputzten historischen Mauern mutet die „Gerberei“ an wie eine Szenebar in der Altstadt von Barcelona. Neben Rioja und anderen spanischen Weinen werden Tapas serviert: Fleischbällchen, Sardellenfilets, Garnelen und gegrillter Ziegenkäse. Hinter den Kulissen wirbelt Mukhtar Ahmed an der Seite von Koch André Neumann. Dabei ist er unter anderem Tellerwäscher, aber nicht nur: Er grillt Auberginen, putzt und schnippelt Gemüse, richtet Gambas und kalte Platten augenverwöhnend und trägt auch mal mit einem Kichererbsensalat orientalischer Art zur wechselnden Speisekarte bei. „Der Einfluss der Mauren ist in der spanischen Küche heute noch spürbar“, meint Stefanie Gleich, „das passt also.“

In kürzester Zeit „wahnsinnig viel gelernt“

„Superschnell“ habe sich der Pakistani ins Team eingefügt, Sympathisch, fleißig, zuverlässig, belastbar, hygienebewusst - was will eine Chefin mehr? In der kurzen Zeit seit seinem Start im April habe er „wahnsinnig viel“ gelernt. Kommuniziert wird mit einfachen Worten, mit Hand und Fuß. Barkeeper Joanis Tzikas kann etwas dolmetschen, denn Mukhtar Ahmed hielt sich zunächst einige Jahre in Griechenland auf, bevor er nach Deutschland kam. Jetzt wohnt er in der Flüchtlingsunterkunft Waiblingen-Neustadt.

Unbefristeter Vertrag bei Teneria

Auf seinen eigenen Wunsch durfte er in der Teneria zur Probe arbeiten. Inzwischen hat er dort einen unbefristeten Vertrag. „Warum nicht“, so die Chefin, „ich habe kein Interesse, ihm zu kündigen.“ Aus seiner Heimat floh Mukhtar Ahmed angesichts gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten. Er und seine Familie wurden drangsaliert - sein Vater ist Prediger.

Abschiebebescheid: Anwalt eingeschaltet 

Das funktionierende Arbeitsverhältnis, mit dem beide Seiten zufrieden sind, könnte bald ein jähes Ende finden, denn vor wenigen Wochen bekam Mukhtar Ahmed den Bescheid zur Abschiebung. Über einen pakistanischen Verein in Stuttgart wurde ein Anwalt eingeschaltet, die Erfolgsaussichten sind derzeit ungewiss.

Nicht die erste Abschiebung

Schon einmal musste Stefanie Gleich erleben, wie ihr eine tadellose Mitarbeiterin durch Abschiebung verloren ging. Halide aus Albanien schaffte ein Dreivierteljahr in ähnlicher Funktion in der Tapas-Bar, bis sie in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ aus der Neustädter Unterkunft abgeholt wurde. Morgens um fünf Uhr wurde sie geweckt – das Ende ihres Deutschland-Aufenthalts. Eine ähnliche Wiederholung dieser Praxis mit Mukhtar Ahmed wäre gerade zu Beginn der stressigen und einträglichen Sommersaison ein nahezu unlösbares Problem für die Teneria, die außer den vier Vollzeitkräften nur über einige stundenweise beschäftigte Aushilfen verfügt.

Keine deutschen Kräfte für Küchen-Job

Deutsche Vollzeitkräfte für den Küchen-Job sind nicht zu finden, die Wirtin hat es immer wieder versucht. Von der Arbeitsagentur kam nach ihren Erfahrungen bisher nur ungeeignetes Personal ohne das nötige Maß an Motivation und Auftreten. Um die hohe Belastung macht Stefanie Gleich keinen Hehl. Im Sommer bei gefühlten 50 Grad in der Küche, an guten Tagen Vollgas von 14 bis 24 Uhr, von Mittwoch bis Sonntag – „das muss man richtig wollen“.

Keine Besserung in Sicht

Ein Einzelfall ist Mukhtar Ahmed mitnichten. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband wirbt um bedarfsgerechte Zuwanderung. Stefanie Gleich kennt mehrere Kollegen, denen es mit ihrem Personal ganz ähnlich geht. Illusionen macht sie sich keine: „Vielleicht können wir Mukhtar nicht retten, aber von den Asylgesetzen abgesehen müssen wir Zuwanderung zulassen.“ Besserung sei auf dem deutschen Arbeitsmarkt angesichts des demografischen Wandels nicht in Sicht. Nicht jede(r) hat wie die Teneria-Wirtin vier Kinder. „Wo soll der Nachwuchs denn herkommen?“


Personalzuwachs

Für die gastgewerblichen Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, Personal zu finden, bestätigt Pressesprecher Daniel Ohl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Das gelte für Fachkräfte ebenso wie für Hilfskräfte.

Die Probleme bestünden nicht, betont Ohl, weil die Arbeitsbedingungen schlecht seien. Sondern weil es immer mehr Beschäftigte gibt. Von 127 000 in Baden-Württemberg sind 77 000 Ausländer, 2500 Flüchtlinge. Ohl: „Wir haben kein Problem mit Ausländern, sondern ohne sie.“