Waiblingen

Tattoostudios "LoccoMotive" und "Highlander Tattoo" aus Waiblingen wollen jetzt öffnen - die Nothilfen seien "ein Witz"

Tattoostudio Trier
Lange konnte Philipp Trier nicht mit der Tätowiernadel arbeiten. © Benjamin Büttner

Körpernahe Dienstleistungsbetriebe sollen ab 8. März wieder öffnen dürfen. Der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer geht nach dieser Absprache bei der Bund-Länder-Konferenz davon aus, dass auch das Tätowieren ab Montag wieder erlaubt ist. Auch Philipp Trier, Inhaber des Tattoostudios "LoccoMotive" in Waiblingen, rechnet damit, dass er nächste Woche wieder arbeiten darf.

Vorbereitet darauf ist er schon lange. „Schon vor der Corona-Pandemie haben wir bei unserer Arbeit extrem hohe Hygienestandards umgesetzt.“ Das reiche vom Wissen darüber, wie Kreuzkontaminationen mit Krankheitserregern aller Art verhindert werden können, über akribische Desinfektion von Arbeitsplätzen und Geräten bis zu der Regel, dass nur gesunde Kunden im Studio am Waiblinger Marktplatz tätowiert werden. „Mit unserem Hygienekonzept ist sicheres Tätowieren möglich.“

Langer Lockdown belastet die Psyche

Trier ist froh, sein Studio wieder öffnen zu dürfen, denn die Situation setzte ihm zu, vor allem psychisch. „Tätowierer zu sein ist ein sehr feinmechanischer Beruf. Das ist nicht wie Radfahren oder Schwimmen. Ohne die Routine im Arbeitsalltag verlernt man seine Fähigkeiten, und im Kopf entsteht die Angst, nicht mehr die gewohnte Leistung abrufen zu können.“ Im Lockdown hat er seine Fertigkeit mit Malen und Zeichnen trainiert, doch Stift und Pinsel können keine Tätowiermaschine ersetzen.

Auch fehlen ihm der Kontakt und die Interaktion mit seinen Kunden, die aus ganz Deutschland nach Waiblingen kommen und denen Philipp Trier sich moralisch verpflichtet fühlt: „Ich habe ohnehin Wartezeiten von eineinhalb bis zwei Jahren“, erklärt er. Um diese durch die während des zweiten Lockdowns abgesagten rund 150 Termine nicht noch weiter zu verlängern, habe er sich im Geiste bereits damit abgefunden, in den kommenden drei Jahren keinen Urlaub zu machen und notfalls auch sonntags zu arbeiten.

"Kein aufwendiger Lebensstil"

Finanziell müsste er diese Konsequenz nicht unbedingt ziehen: „Ich habe in den vergangenen zehn Jahren gut gewirtschaftet und führe keinen aufwendigen Lebensstil“, sagt Trier. Er sei deshalb finanziell noch abgesichert, auch wenn er etwa für Januar und Februar zugesagte staatliche Hilfen bislang nicht einmal beantragen könne, obgleich er etwa Steuervorauszahlungen weiterhin leisten müsse. So gut wie Trier geht es aber nicht allen Tätowierern. Einige Kolleginnen, die bei ihm dauerhaft einen Arbeitsplatz in seinem Studio mieten, habe er bereits mit Finanzspritzen aus seinem Privatvermögen geholfen, um über die Runden zu kommen. Denn auch wenn er seinem Team während der Schließungen nie Miete für ihren Arbeitsplatz berechnete, habe natürlich jeder Fixkosten für seinen Lebensunterhalt, die manch einer ohne seinen Verdienst einfach nicht decken könne.

Finanziell am Limit

Auch Max Florido ist am Limit. Sein Studio, Highlander Tattoo, führt er seit mehr als 30 Jahren als Ein-Mann-Betrieb in Waiblingen. Es ist nicht nur sein Beruf, sondern auch sein Lebenswerk. Könnte er jetzt nicht öffnen, müsste er für immer schließen, sagt der Familienvater. „Die staatlichen Hilfen, die ich bisher bekommen habe, decken nicht einmal meine Fixkosten. Die Ersparnisse sind aufgebraucht.“

Er sei inzwischen an dem Punkt angekommen, an dem er seinen drei Kindern Dinge nicht kaufen könne, die sie für die Schule benötigten. „Die Nothilfen sind ein Witz“, sagt Florido. Er sucht deshalb nach Gleichgesinnten und strebt eine Sammelklage an. „Bei den Schließungen wurde übers Ziel hinausgeschossen.“

Ab 10. März möchte er sein Studio wieder öffnen und freut sich darauf, auch wenn er weiß, dass er die Einnahmen der vergangenen Monate nicht wieder aufholen kann.

Körpernahe Dienstleistungsbetriebe sollen ab 8. März wieder öffnen dürfen. Der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer geht nach dieser Absprache bei der Bund-Länder-Konferenz davon aus, dass auch das Tätowieren ab Montag wieder erlaubt ist. Auch Philipp Trier, Inhaber des Tattoostudios "LoccoMotive" in Waiblingen, rechnet damit, dass er nächste Woche wieder arbeiten darf.

Vorbereitet darauf ist er schon lange. „Schon vor der Corona-Pandemie haben wir bei unserer Arbeit extrem hohe

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