Waiblingen

Taubenplage an der Schillerschule in Bittenfeld: Was hilft gegen die Vögel und ihren krank machenden Kot?

Schillerschule Bittenfeld
Tauben auf dem Dach der Bittenfelder Schillerschule. Unser Foto ist am Montag, 30. November 2020, entstanden. © Benjamin Büttner

Er schädigt die Gesundheit von Menschen und verursacht bei Gebäuden zusätzliche Reinigungskosten: Taubenkot sorgt klar für Probleme. Die Bittenfelder sehen es jedenfalls mit Sorge, dass die Zahl der Tauben an der Bittenfelder Schillerschule seit Jahren zunimmt. Mehr als 100 sollen es mittlerweile sein, die auch gern in anliegende Gärten kommen, um dort Futter zu suchen.

In der jüngsten Sitzung des Bittenfelder Ortschaftsrats ging es deshalb um die Frage, wie die Taubenplage bekämpft werden kann. Als Experten hatte Ortsvorsteherin Veronika Franco Olias deshalb Bruno Lorinser eingeladen, den langjährigen Vorsitzenden des Waiblinger Naturschutzbundes (Nabu). Er soll eine Antwort darauf geben, wie die Zahl der Tauben reduziert wird – und zwar halbwegs tierschutzgerecht.

Taubenkot gilt als Sondermüll

Es gibt zwar nicht viele Fälle, in denen Menschen in Deutschland durch Taubenkot krank werden und medizinisch behandelt werden müssen. Möglich ist eine Ansteckung aber: Auf getrocknetem Taubenkot wachsen bisweilen Hefepilze – darunter auch einer, der bei Menschen eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung auslösen kann. Taubenkot wird nicht umsonst als Sondermüll eingestuft: Wer ihn entsorgt, sollte am besten einen Atemschutz tragen, da der eingeatmete Staub von getrocknetem Kot krank machen kann.

Ist ein Taubenturm wie an der B 29 bei Beinstein eine Lösung?

Eine Methode, mit der die Zahl der Tauben reduziert werden kann, ist der Taubenturm. Zwischen Weinstadt und Beinstein gibt es solch einen, auf einer Wiese in der Nähe der B-29-Auffahrt Endersbach. Der Tierschutzverein Waiblingen und die Initiative „Pro Aschenputtels Helfer“ haben mit Unterstützung der Kommunen Waiblingen, Weinstadt und Kernen das Projekt verwirklicht. Im Februar 2019 begannen die Bauarbeiten – und im September 2019 wurde der acht Meter hohe Turm eröffnet.

Ziel war es, die Tauben dazu zu bringen, nicht mehr unter der nahe liegenden Brücke der B-29-Auffahrt zu nisten. In dem Turm kann der Tierschutzverein nun die Eier der dort lebenden Tauben gegen Attrappen aus Gips austauschen – und so für Geburtenkontrolle sorgen. Wäre das eine Lösung für Bittenfeld?

Taubenturm verursacht hohen personellen Aufwand

Bruno Lorinser rät eher davon ab – und zwar vor allem wegen des Aufwands. „Man muss wirklich eine gute Betreuung gewährleisten“, sagte der Waiblinger Nabu-Vorsitzende in der Sitzung des Ortschaftsrats am Donnerstagabend, 3. Dezember. Im Grunde müsse jeden Tag jemand im Taubenturm nach dem Rechten sehen. Dazu komme, dass die Zahl der Tauben nur auf ein niedrigeres Niveau gedrückt werde. Verschwinden würden sie so nicht.

Dohlen wurden schon bei Stihl in Neustadt angesiedelt

Die Lösung für das Problem der Bittenfelder sieht Bruno Lorinser in der Ansiedlung von Dohlen. Dort, wo dieser Singvogel aus der Familie der Rabenvögel nistet, haben Tauben weniger Chancen – insbesondere in der Brutzeit. Lorinser nannte mehrere Beispiele aus Waiblingen, in denen durch die Ansiedlung von Dohlen langfristig die Tauben vertrieben worden seien: beim Werk zwei der Firma Stihl in Neustadt, bei der evangelischen Martinskirche in Neustadt oder beim Beinsteiner Torturm am Rande der Waiblinger Altstadt. „Das ist eine gute Rezeptur.“

Gefahr: Dohlenkästen sind schwer

In der Praxis muss allerdings genau geprüft werden, wo die Dohlen-Nistkästen aufgehängt werden. Diese sind nämlich zwischen zehn und 15 Kilo schwer und bestehen aus Holzbeton, einem aus Sägespänen und Zement hergestellten Werkstoff. Wenn die Nistkästen an der falschen Stelle aufgehängt werden, können sie laut Bruno Lorinser bei starkem Wind nach unten fallen. An einer Schule ist dies natürlich eine Gefahr für die Kinder und Lehrkräfte, insbesondere in der Pause.

„Haben wir dann irgendwann eine Dohlenplage?

Siegfried Bubeck, Fraktionsvorsitzender der FW-DFB-Fraktion im Ortschaftsrat, fragte sich indes, ob Dohlen mit dem Schulbetrieb und vielen Kindern zurechtkommen. Auch wollte er wissen, ob es nicht negative Effekte geben könnte. „Haben wir dann irgendwann eine Dohlenplage?“ Bruno Lorinser betonte daraufhin, dass es bei Dohlen im Gegensatz zu Tauben kein Problem mit dem Kot gebe. „Auch wenn da 50 Stück da sind, merken Sie nichts.“ Bei der Martinskirche in Neustadt etwa gebe es durch die Nistkästen für die Dohlen keine Probleme. „Von daher braucht man keine Angst haben.“

Nistkästen sind nicht teuer

Ein Nistkasten für eine Dohle kostet laut dem Waiblinger Nabu-Vorsitzenden zwischen 80 und 100 Euro. Diese selbst zu bauen, sei natürlich genauso möglich. Aufhängen könne die Kästen der Bauhof oder die Feuerwehr. Wichtig sei es, vorab zu schauen, wo die Nistkästen aufgestellt werden können – und dann dies mit den jeweiligen Gebäude- und Grundstückseigentümern abzustimmen. Zehn Nistkästen empfindet Bruno Lorinser als eine gute Anzahl, mit der sich arbeiten lässt.

Wie entscheidet der Ortschaftsrat von Bittenfeld?

Ortsvorsteherin Veronika Franco Olias schlug schließlich vor, dass die Bittenfelder Ortschaftsverwaltung auf die Nistkästen für Dohlen setzt sowie geeignete Standorte sucht – und dabei weiter mit dem Waiblinger Naturschutzbund zusammenarbeitet. Der Ortschaftsrat stimmte geschlossen dafür. Wann genau die Nistkästen aufgehängt werden, blieb indes noch offen. Ob das Taubenproblem damit gelöst werden kann, wird sich auch erst in den nächsten Jahren zeigen.

Er schädigt die Gesundheit von Menschen und verursacht bei Gebäuden zusätzliche Reinigungskosten: Taubenkot sorgt klar für Probleme. Die Bittenfelder sehen es jedenfalls mit Sorge, dass die Zahl der Tauben an der Bittenfelder Schillerschule seit Jahren zunimmt. Mehr als 100 sollen es mittlerweile sein, die auch gern in anliegende Gärten kommen, um dort Futter zu suchen.

In der jüngsten Sitzung des Bittenfelder Ortschaftsrats ging es deshalb um die Frage, wie die Taubenplage bekämpft

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