Waiblingen

Taubenplage in Bittenfeld: Tierschützer kritisieren den Vorschlag, Dohlen anzusiedeln - und plädieren für einen Taubenturm

Taubenturm
Das Bild vom Taubenturm bei der B-29-Auffahrt Endersbach hat Thomas Porada im Sommer 2020 gemacht. Er kümmert sich für die Initiative „Pro Aschenputtels Helfer“ seit vielen Jahren um die Tauben. © Thomas Porada

Immer mehr Tauben gibt es an der Bittenfelder Schillerschule – und dagegen will die Ortschaftsverwaltung etwas tun: Sie möchte die Vögel auf natürliche Weise vertreiben – und zwar durch die Ansiedlung von Dohlen. Geschafft werden soll dies durch spezielle Nistkästen, in denen sich die Singvögel aus der Familie der Rabenvögel wohlfühlen.

Empfohlen hat das Bruno Lorinser, der Vorsitzende des Waiblinger Naturschutzbundes (Nabu), Anfang Dezember in einer Sitzung des Bittenfelder Ortschaftsrats. Dagegen formiert sich nun Widerstand – und zwar von Seiten des Waiblinger Tierschutzvereins sowie von der Initiative „Pro Aschenputtels Helfer“. Beide haben jahrelang für den Bau eines Taubenturms an der B-29-Auffahrt Endersbach gekämpft – und sprechen sich nun dafür aus, auch in Bittenfeld einen Taubenturm zu errichten.

„Die Ansiedlung von Dohlen würde das Problem nur verlagern“

Annemarie Werner, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, schreibt in einer Stellungnahme an unsere Zeitung unter anderem: „Die Ansiedlung von Dohlen würde das Problem nur verlagern. Tauben sind extrem lern- und anpassungsfähige Tiere und werden sich andere Nistplätze an umliegenden Gebäuden suchen, da sie sehr standorttreu sind.“ Es könne zudem dazu kommen, dass die Tauben mit den angesiedelten Dohlen koexistieren. „Deshalb wäre für uns das einzig sinnvolle Vorgehen, in der Nähe des Schulgeländes ein Taubenhaus zu errichten.“

Tierschutzverein: Tauben leiden oft an Durchfall, weil sie Abfall fressen

Eine tolle Möglichkeit wäre aus Sicht des Tierschutzvereins ein umgebauter Bauwagen, bei dem auch die Schüler gleich etwas über die Tiere lernen können und sie mit artgerechtem Futter füttern könnten. „So könnte man direkt ein schönes Schülerprojekt starten. Da sich Tauben die meiste Zeit im Schlag aufhalten, würde dies den Taubenkot außerhalb stark verringern“, betont Annemarie Werner.

Taubenkot fällt nach ihren Angaben oftmals nur deshalb unangenehm auf, da Tauben an Durchfall leiden, wenn sie hungern und sich von Abfällen ernähren müssen. „Dies würde sich durch das Angebot von artgerechtem Körnerfutter in einem Taubenschlag und durch eine fachgerechte Betreuung von erkrankten Tauben deutlich verbessern lassen.“

Durch Austausch der Eier gegen Gipseier die Zahl der Tauben senken

Zu einer kontinuierlichen Betreuung wären nach Annemarie Werners Einschätzung sicher einige engagierte Bürger bereit. „Auch durch unseren Dachverband, den Deutschen Tierschutzbund, wurde uns bestätigt, dass die einzige dauerhafte Populationskontrolle der Austausch der Gelege durch Gipseier ist, da die Tauben dann nicht sofort neue Eier produzieren.“ So lasse sich die Zahl der Tauben mittelfristig tierschutzgerecht reduzieren und auf einem niedrigen Niveau halten. „Durch eine Verlagerung des Taubenschwarms oder durch kurzfristige Reduktionsmaßnahmen wird dieses Ziel nicht erreicht.“

„Pro Aschenputtels Helfer“ kritisiert den Nabu-Vorsitzenden

Thomas Porada von der Initiative „Pro Aschenputtels Helfer“ schreibt unter anderem an unsere Zeitung, dass es beim Nabu hervorragende Experten zu den verschiedensten Arten von Vögeln gebe – „bei Problemen mit Stadttauben ist er jedoch nicht erste Wahl“. Den Taubenturm bei der B-29-Auffahrt sieht Porada, der jahrelang dafür kämpfte und sich nun nach dem Bau dort weiter engagiert, als Erfolgsgeschichte: Als Beleg nennt er 260 entnommene Eier in 14 Monaten. „Herrn Lorinser strebt nicht nach einer nachhaltigen Lösung des Problems zu vieler Stadttauben, sondern er will diese mit Dohlen verjagen. Nur: Die vertriebenen Taubenvögel – so die Vertreibung überhaupt funktioniert – werden sich nicht in Luft auflösen, sondern dann in der näheren Umgebung für Unmut sorgen.“

Viele Nachbarn wollen keine Tauben haben

Unsere Zeitung hat den Waiblinger Nabu-Vorsitzenden Bruno Lorinser mit den Aussagen konfrontiert. Er verweist darauf, dass die vom Tierschutzverein angesprochenen Fragen in der Sitzung des Ortschaftsrats Anfang Dezember auch besprochen worden seien. Ein Taubenhaus würde das Problem aus Lorinsers Sicht nicht lösen. „Viele der dortigen Nachbarn wollen eben dort gar keine Tauben haben. Das wurde in der Sitzung überdeutlich. Insofern ist die naturgemäße Vergrämung eine positive Option. Wohin sich die Tauben dann davon machen, weiß natürlich niemand.“

Wie reagiert der Naturschutzbund auf die Kritik der Tierschützer?

Nicht zu bestreiten ist: Ein Taubenhaus braucht neben der Investition ständige Betreuung. „Es war in der Sitzung nicht zu vernehmen, dass dazu eine Bereitschaft vorhanden war“, teilt der Nabu-Vorsitzende mit. Natürlich könne man damit eine Population unter gewisser Kontrolle halten. „Stuttgart macht das in vorbildlicher Weise. Dazu gehört natürlich ein entsprechendes und zuverlässiges Betreuungskonzept. Zudem brütet dort auf der Stiftskirche der Wanderfalke und löst das Problem auf seine Weise. Die Falken dort leben ausschließlich von Stadttauben.“

„Für Dohlen gibt es fast nirgendwo mehr natürliche Brutmöglichkeiten“

Sachliche Argumente gegen Taubentürme gibt es laut Lorinser im Grundsatz nicht. Der Knackpunkt ist für ihn die Betreuung. „Wenn man das Haustaubenproblem in Waiblingen grundsätzlich in den Griff bekommen möchte, sind Taubenhäuser eine richtige und sinnvolle Option. Das hatte ich ja ausführlich erläutert. Will man ein lokales Problem lösen, gibt es andere Optionen.“ Lorinser verweist auf das Beispiel der Kirchen, bei denen Dohlen mit Nistkästen bereits erfolgreich angesiedelt wurden. Die Schaffung von Brutmöglichkeiten für heimische Wildvögel ist für Lorinser unabhängig vom Thema Stadttauben immer eine sinnvolle Option gegen das Artensterben. „Für Dohlen gibt es fast nirgendwo mehr natürliche Brutmöglichkeiten. Insofern helfen für diese bedrohte Art in unserer Region im städtischen Bereich nur noch künstliche Nisthilfen.“

Was sagt die Ortsvorsteherin von Bittenfeld?

Die Bittenfelder Ortsvorsteherin Veronika Franco Olias verweist darauf, dass die Lösungsansätze bereits ausführlich in der Sitzung des Ortschaftsrats thematisiert worden seien. „Das Gremium ist dabei sachlich umfassend über die jeweiligen Vor- und Nachteile informiert worden und hat diese in der anschließenden Diskussion gegeneinander abgewogen. Insofern kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.“

Diese beinhaltet nach Auffassung von Veronika Franco Olias keine neuen Erkenntnisse, die eine erneute Beratung des Themas im Gremium rechtfertigen würden. Zunächst wird mit dem Nabu geprüft, ob die Anbringung der Nistkästen den gewünschten Erfolg erzielt. In diesem Rahmen sollen die Kritikpunkte mit dem Nabu erörtert werden.

„Beispiele an anderen Orten zeigen, dass dies funktionieren kann“

Laut der Ortsvorsteherin haben vor allem die sehr aufwendige ehrenamtliche Betreuung des Taubenturmes und der hohe finanzielle Aufwand dazu geführt, dass sich das Gremium für die Anbringung von Nistkästen für Dohlen ausgesprochen hat. „Beispiele an anderen Orten zeigen, dass dies funktionieren kann.“

Immer mehr Tauben gibt es an der Bittenfelder Schillerschule – und dagegen will die Ortschaftsverwaltung etwas tun: Sie möchte die Vögel auf natürliche Weise vertreiben – und zwar durch die Ansiedlung von Dohlen. Geschafft werden soll dies durch spezielle Nistkästen, in denen sich die Singvögel aus der Familie der Rabenvögel wohlfühlen.

Empfohlen hat das Bruno Lorinser, der Vorsitzende des Waiblinger Naturschutzbundes (Nabu), Anfang Dezember in einer Sitzung des Bittenfelder

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