Waiblingen

Theater Hebebühne: Hexen erobern den Klettergarten

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Ursula Porten, Anne Fabriz und Gisela Pfohl (von links) posieren als Hexen im Stettener Klettergarten. © Habermann / ZVW
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Inquisition, Gruseliges, Texte von Nietzsche und Heine: Was die Zuschauer in den 90 Minuten im Detail erwartet, verrät Hebebühne-Gründerin Anne Fabriz noch nicht. Das Publikum soll ja überrascht werden. © Habermann / ZVW

Weinstadt/Kernen. Sie haben schon in Bussen, Schlossgärten und Bädern gespielt – jetzt entert die Weinstädter Hebebühne den Stettener Klettergarten: „Gehexelt und geschnetzelt“ heißt das neue Stück, das die Gruppe in der Walpurgisnacht sowie am Abend davor und danach aufführt. Gründerin Anne Fabriz verspricht: „Es wird diesmal optisch und akustisch ein Schmankerl.“

Mit weiß geschminktem Gesicht, dunklem Kleid und schwarzer Federboa steht Gisela Pfohl im ehemaligen Stettener Steinbruch. Hier, im Gewann Sandäcker, wo die Bezirksgruppe Remstal des Deutschen Alpenvereins 1976 einen Klettergarten eingerichtet hat. Sie ist gerade dabei, wieder aus ihrem Kostüm zu schlüpfen und rezitiert nebenbei ein schaurig-schönes Gedicht von Christof Stählin, einem im vergangenen Jahr verstorbenen deutschen Liedermacher und Schriftsteller. „Ein Skelett liebt ein Skelett, eins männlich und eins weiblich. Der Mond, der scheint, der Mond, der scheint. Es beint und beint, es beint und beint, die Knochen klappern weiblich. Es liebt sich nur noch leidlich.“ Es ist einer jener Texte, den die Hebebühne in ihrem Stück „Gehexelt und geschnetzelt“ verarbeitet. Else Lasker-Schüler, Friedrich Nietzsche, Heinrich Heine, sie alle finden Platz. Und doch braucht kein Zuschauer Angst haben, vorher ein Germanistik-Proseminar an der Uni besuchen zu müssen, um die Aufführung der Hebebühne genießen zu können. Denn eines schafft die Weinstädter Theatergruppe bislang immer: Anspruch und gesellschaftspolitische Relevanz mit guter Unterhaltung zu verbinden.

Zuerst war die Yburg als Veranstaltungsort vorgesehen

Typisch für die Hebebühne ist natürlich auch, dass sie im Vorfeld nicht zu viel verraten will. All die kleinen Gags, visuellen Kniffe und akustischen Effekte sollen das Publikum schließlich überraschen. Neu ist in diesem Jahr, dass die Weinstädter Theatergruppe erstmals in Kernen gastiert. Die Gemeinde fungiert sogar als Veranstalter – und laut der Kulturbeauftragten Ingrid Opelka freut sich Bürgermeister Stefan Altenberger selbst schon sehr auf den Auftritt. Die Hebebühne wird nun erstmals im Stettener Klettergarten spielen – was allerdings ursprünglich gar nicht so gedacht war. Eigentlich sollte es die Yburg sein. Die Flugblätter waren schon gedruckt, da schockte die Hebebühne Anfang April ein Artikel in unserer Zeitung: Sie erfuhr, dass die Stettener Burg bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen gesperrt wird.

Die Theatergruppe brauchte also schnell Ersatz. „Da sind wir durch einen Zufall auf den Klettergarten gekommen – und waren sofort verliebt“, sagt Hebebühnen-Gründerin Anne Fabriz. Ihr spezieller Dank gilt hier Helmut Reinhard, dem Leiter der Bezirksgruppe Remstal des Alpenvereins, der schließlich sein Einverständnis gab – und Franz Wari, dem Jagdpächter, der seine Jagdhütte der Theatergruppe als Garderobe bereitstellt. Mit wechselnden Spielorten hat die Hebebühne durchaus Erfahrung: Beim „Schwabenaufstand“ trat sie 2014 im Garten des Großheppacher Schlosses auf, 2012 bei „Bad Weinstadt, ein Tauchvergnügen in fünf Tauchgängen“ spielte sie unter anderem vor dem alten Cabrio, im Stiftsbad und in zwei Bussen der Firma Dannenmann. Sich auf neue Spielorte einzustellen ist für die Gruppe laut Anne Fabriz also nichts Ungewöhnliches. „Das ist eine Stärke von uns.“

Eine scharfe Suppe – was drin ist, wird nicht verraten

Das Publikum bekommt bei den drei Aufführungen im Stettener Klettergarten neben geistiger Nahrung übrigens auch eine richtige Hexensuppe serviert. Das ist im Eintrittspreis dabei, Wein wird extra verkauft. Was in der Suppe drin ist, wird nicht verraten. „Auf jeden Fall wird sie scharf“, sagt Gisela Pfohl und lächelt. Auch sonst wird ans Wohl der Zuschauer gedacht: So vergessen es Gisela Pfohl und Anne Fabriz nicht daran zu erinnern, dass jeder möglichst eine Decke sowie eine Taschenlampe mitbringen sollte. Nicht zu vergessen die warmen Schuhe, schließlich kann es bei einer Freilichtbühne im Sitzen schnell kühl werden. Falls es regnen sollte, findet die Aufführung trotzdem statt. Da werden dann einfach Regenumhänge verteilt. „Wir Hexen beten natürlich für gutes Wetter“, sagt Gisela Pfohl und lächelt. Und wenn das nichts hilft, dann wird gezaubert. Hexen-Ehrenwort!

Treffpunkt fürs Publikum ist am Sängerheim

Dreimal zeigt die Weinstädter Theatergruppe Hebebühne ihr Stück „Gehexelt & geschnetzelt“ im Stettener Klettergarten: am Freitag, 29. April, am Samstag, 30. April sowie am Sonntag, 1. Mai. Beginn ist jeweils um 21 Uhr – und zwar am Sängerheim Stetten. Von dort wandern die Zuschauer circa 15 Minuten zum Klettergarten. Das Sängerheim ist mit dem Auto am besten über die Umleitung bei der Glockenkelter erreichbar. Laut der Kernener Gemeindeverwaltung ist der Weg gut ausgeschildert.

Der Eintritt kostet 19 Euro – inklusive Hexensuppe. Zudem wird noch Wein verkauft. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Kerner Volksbank, bei der Buchhandlung „blessingsforyou“ in Beutelsbach sowie per Mail unter info@theater-hebebuehne.de.

Als Hexen wirken in dem Stück zwölf Frauen mit: Anne Fabriz, Renate Gröner, Renate Heeß, Birgit Luick-Pollard, Caro Pfeil, Gisela Pfohl, Monika Plag, Ursula Porten, Gisela Propp, Heike Ruchay-Simon, Silvia Wieland-Okais und Uta Winzer. Den Mönch mimt Volker Simon, den Kardinal Albrecht Rühle und den Pestdoktor Rolf Gärtner. Als Gastspieler fungiert Professor Karl-Ulrich Nuss. Und Leah Pollard spielt ein Kind.

Für die musikalische Begleitung sorgen Doris Groß und Martina Käfer, als Sprecher eines Hörspiels fungieren Iris Förster und Peter Kundmüller. Die Bearbeitung von „Andres Maienlied“ hat Martin Heller übernommen. Und um die Beleuchtung sowie die Beschallung kümmert sich Patrick Dippon.