Waiblingen

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke

Katze unterm Weihnachtsbaum_0
Wenn eine Katze sich freiwillig unter dem Weihnachtsbaum versteckt, dann ist das für sie Spiel und macht ihr Spaß – als Geschenke gehören Tiere aber nicht unter den Baum. © pixabay.com (CC0 Creative Common

Waiblingen. Mit ihren großen Augen, den tapsigen Pfötchen und dem flauschigen Fell sehen sie niedlich aus: Tierbabys. Da werden Kinderherzen weich und schnell ist der Weihnachtswunsch ausgesprochen: „Ich will ein Haustier!“ Doch der Tierschutzverein warnt, Tiere sollten niemals einfach so verschenkt werden. Allzu oft landen geschenkte Tiere nach den Feiertagen im Tierheim – oder werden gar ausgesetzt.

Man geht mit den Kindern in den Zooladen, flauschige kleine Kätzchen oder Häschen gucken einen aus ihren Knopfaugen an. Und schnell ist’s gesagt: „Mama, Papa, ich will ein Haustier!“ Verstehen kann Annemarie Weber, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen, das schon. „Tierbabys sehen eben einfach niedlich aus, das verlockt“, gibt sie zu. Doch Weber warnt Eltern davor, diesem Wunsch der Kinder allzu leicht nachzugeben. Denn was in der Zoohandlung noch niedlich und flauschig wirkt, kann zu Hause schnell zum kleinen Rabauken werden – und obendrein richtig Kosten und Arbeit verursachen.

Nicht selten: Kinder verlieren Interesse am Tier

Die Anschaffung eines Haustiers will daher gut überlegt sein. „Man darf nicht vergessen, so ein Tier, das braucht Pflege, kostet Geld und Zeit und macht Arbeit“, betont die Tierschützerin. Eltern sollten sich deshalb darüber im Klaren sein, was mit einem Tier auf sie zukommt. Denn nicht selten, berichtet Weber aus Erfahrung, verlören die Kinder nach einiger Zeit das Interesse an den Tieren – und die Arbeit bliebe an den Eltern hängen. Im Gegensatz zu einem Pullover lasse sich ein Haustier dann aber nicht einfach ausmustern oder bei Nichtgefallen umtauschen.

Wenn Tierkinder zu kleinen Rabauken werden

Nicht zu unterschätzen sei, wie wild Tierkinder sein können. Kleine Katzen beispielsweise nutzen gerne alles, was sich ihnen bietet: Da werden schon mal die neuen Vorhänge zum Kletterseil, Omas Vase zum Spielzeug oder der schicke Mantel an der Garderobe zum Kratzbaum umfunktioniert. Nicht selten geht dabei etwas zu Bruch. „Das muss mir vorher bewusst sein und ich muss bereit sein, das in Kauf zu nehmen“, sagt Weber. In Kauf nehmen müssen angehende Tierbesitzer auch den Geruch, den ein niedliches Tierchen möglicherweise in der Wohnung verströmt. „Gerade Hasen oder Meerschweinchen, die in der Wohnung gehalten werden, die riechen nun mal“, erläutert die Tierschutzexpertin. Genauso verhalte es sich mit einem Katzenklo – egal, wie häufig man es säubere.

Statt Tieren lieber Tierbücher verschenken

Auch die Kosten sollten vorher einkalkuliert werden: „Kann ich es mir wirklich auf Dauer leisten, jeden Monat das Futter, eventuelle Pflegemittel, Einstreu und regelmäßig auch den Tierarzt zu bezahlen“, diese Fragen sollten vorher beantwortet werden, so Weber. Bedacht werden sollte ebenfalls, wer das Tier versorgen kann, wenn man in die Ferien fährt – oder was mit dem Tier passieren soll, wenn sich die Lebenssituation einmal ändert. Wichtig sei es auch, vorab mit dem Vermieter zu klären, ob überhaupt Haustiere gehalten werden dürfen.

„Es will wirklich gut überlegt sein“, wiederholt Weber. Statt zu Weihnachten Tiere zu verschenken, rät die Expertin dazu, lieber gute Tierlektüre unter den Baum zu legen. „So kann man sich gemeinsam mit dem Kind in Ruhe darauf vorbereiten, was es heißt, ein Haustier zu versorgen“, erklärt sie. Sinnvoll findet Weber auch, zunächst in einem Tierheim auszuhelfen und dort den Kontakt mit den Tieren kennenzulernen. „Die meisten Tierheime sind dankbar für Freiwillige, die zum Beispiel mit den Hunden Gassi gehen oder helfen, die Gehege sauber zu machen“, sagt sie. Das sei eine gute Methode, um Bezug aufzubauen und sich mit dem Gedanken zu befassen, später selbst ein Haustier zu haben.

Wer ein Tier hat, trägt die Verantwortung

Was für Kinder gilt, gilt laut der Tierschützerin ebenso für Erwachsene: Auch ihnen sollten nur dann Tiere geschenkt werden, wenn sie es wirklich wollen und sich ausgiebig damit befasst haben. Spätestens vor dem nächsten Urlaub seien sonst viele überfordert mit der Situation, ein Haustier zu haben. „Die Tiere landen dann im Tierheim oder werden herumgereicht.“ Ein Unding, findet Weber, das habe kein Tier verdient. Denn über eines müsse man sich wirklich klar sein: „Wer sich ein Tier anschafft, der trägt sehr lange die Verantwortung dafür.“ Meist ein (Tier-)Leben lang.


Weitere Infos

Weitere Informationen rund um das Thema Haustiere gibt der Tierschutzverein Waiblingen auf seiner Homepage www.tierschutzverein-waiblingen.de, per E-Mail an info@tierschutzverein-waiblingen.de oder direkt bei Annemarie Weber unter Tel. 0 71 51/9 94 72 56.