Waiblingen

Tipps für den Urlaub mit Kleinkind

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Rolf und Melanie Bürkle mit Samu im Gepäck am Grand Canyon. © Bürkle

Waiblingen. Rundreisen in Südafrika und den USA, Städtetrips nach Lissabon und Bilbao, Wandern im Engadin: Mit seinen drei Jahren ist der kleine Samu schon viel herumgekommen, denn seine Eltern Melanie und Rolf Bürkle wollten nach der Geburt aufs Reisen nicht verzichten. Über ihre Erlebnisse berichtet die Mutter in einem Blog.

„Das mit dem Reisen könnt ihr bald vergessen“, sagten Freunde dem Ehepaar während der Schwangerschaft voraus. Mit Baby im Transatlantik-Flieger, im Zelt im amerikanischen Nationalpark und mit Kinderwagen im hügeligen, kopfsteingepflasterten Lissabon – davor schrecken selbst die reiselustigsten Eltern in der Regel zurück. Nicht die Bürkles. Mit drei Monaten ging’s auf zur ersten Alpenwanderung bei Samnaun (Graubünden). Klein-Samu saß in der Trage vorne und ließ sich Gondelfahrt und vier Stunden Kraxelei ohne viel Murren gefallen, nur unterbrochen von einem Still-Vesper auf der Höhe. Am Tag danach war der Zwerg offenbar so plattgeklopft wie die Eltern, die sich obendrein an hartnäckigem Muskelkater im Rücken erfreuten.

Krabbelübungen im Tal des Todes

Zu dem Zeitpunkt war die nächste USA-Reise schon geplant. Mit gerade sechs Monaten durfte Samu Wasserfälle und Geysire des Yellowstone-Nationalparks bewundern – oder wahlweise verschlafen. Wie sich zeigte, waren nämlich seine Interessen ziemlich anders geartet als die der Eltern.

Ihre früher einmal straffe Zeitplanung konnten sie getrost vergessen, denn das Tempo bestimmte der Knips, und eine der ersten Lehren aus dem Selbstversuch zum Thema Reisen mit Babys lautete: „Man darf sich nicht zu viel vornehmen, sonst wird man unzufrieden.“ Das galt insbesondere für die langen Fahrstrecken. Dank eines großräumigen Wohnmobils (C 30 Cruise America) und vieler Campingplätze waren sie so zu verkraften, dass Zeit und Platz für kindgerechtes Familienleben blieb. Dass es dabei emotionale Höhen und Tiefen gab, verhehlt Melanie Bürkle nicht.

Nach einem Jahr Babypause kam der heute 38-jährigen Journalistin die Idee mit dem Blog. „Ich wollte was Kreatives machen – und Schreiben, das kann ich.“ Mehrere Jahre berichtete sie als freie Mitarbeiterin für die Sportredaktion der Waiblinger Kreiszeitung und andere Blätter, in noch jüngeren Jahren galt der Fokus der gebürtigen Waiblingerin und ehemaligen Staufer-Gymnasiastin auf der Rhythmischen Sportgymnastik, weshalb es sie nach Schmiden verschlug.

Teamkollegin von Magdalena Brzeska

Mit der Mannschaft gewann sie dreimal den deutschen Meistertitel, unter anderem mit Magdalena Brzeska als Teamkollegin. Der Blog kommt gut an, monatlich schauen etwa 12 000 verschiedene Besucher (unique users) auf die Seiten. Geld verdient ist damit nicht, immerhin aber wird die Familie inzwischen von Tourismusbehörden etwa aus dem Bodenseegebiet eingeladen, um über die Erlebnisse dort zu berichten.

Ein Jahr nach dem Yellowstone-Besuch meisterte die Familie eine weitere USA-Rundreise. Samu krabbelte über den dürren, kantigen Boden des Death Valley und verlor fast seine Tüte Hirsekringel an der Kante des Grand Canyon, die Mama waghalsig rettete. In Südafrika dann erlebten die Bürkles, wie kinderfreundlich dort Restaurants und Hotels sind: „Dort guckt einen, anders als bei uns, niemand schief an, wenn am Abend ein Kleinkind mit am Tisch sitzt.“ Noch ein großer Vorteil: Es gibt beim Nord-Süd-Flug keine Zeitverschiebung. Bei einem Ausflug nach Lesotho, eins der ärmsten Länder überhaupt, wohnten sie in einer für unsere Verhältnisse spartanischen Unterkunft – Wasser und Verpflegung brachten sie aus Südafrika mit und spendeten vor Ort Nahrung und Spielsachen an Familien.

In Lissabon erprobten sie das Kinderwagen-Schieben über historisches Kopfsteinpflaster und durch die steilen, engen Straßen des Alfama-Viertels. Fazit: eher ein Fall für die Trage.

Mitte Mai will Melanie Bürkle erstmals alleine mit ihrem Sohnemann in die USA fliegen – in die Nähe von Houston. Dort steht drei Wochen „Housesitting“ an. Sprich, Mama und Kind wohnen bei einem Ehepaar, während dieses im Urlaub ist, passen aufs Haus auf und kümmern sich um die Katzen. Über Online-Plattform kann man sich für solche Aufpasser-Jobs auf der ganzen Welt bewerben.


Sechs Tipps für den Urlaub mit Baby:

  • Packen: Packt nur für etwa die Hälfte der Reise etwas ein – ausgenommen Bodies. Bei Städtetrips reicht Bürkles sogar Handgepäck.
  • Waschen: Häuser, Apartments, Campingplätze - sehr oft gibt es dort einen Waschraum oder gar eine Waschmaschine. Nutzt diese!
  • Einkaufen: Wieso schleppen, wenn man vor Ort einkaufen kann! Pampers - wer unbedingt nur das Original will - gibt es beispielsweise auch in Südafrika, aber es gibt auch andere gute Marken.
  • Windeln im Flugzeug: Einige Airlines haben zwar Ersatz-Windeln an Bord, aber nicht in jeder Größe. Verlasst euch da auch nicht bei einem kurzen Flug drauf.
  • Essen im Flugzeug: Wer ausschließlich stillt, hat alles dabei. Wenn das Baby aber älter ist oder das Fläschchen bekommt, dann nehmt Babys Nahrung/ Milchpulver mit. Zwar haben Airlines oftmals Gläschen-Nahrung an Bord, aber auch hier sind das nur Notreserven. Bitte packt einen Vorrat ein. Es darf Milchpulver oder Gläschen-Nahrung mit an Bord eines Fliegers genommen werden. Auch abgepumpte Muttermilch kommt problemlos durch die Sicherheitskontrolle.
  • Wohnen: Unsere Lieblingsunterkunftsart ist, seitdem Samu nicht mehr gestillt wird, ganz klar das Apartment. Mit einem Kleinkind ist es äußerst praktisch, sich jederzeit selbst versorgen zu können.