Waiblingen

Tote im China-Restaurant: DNA-Abgleich überführt mutmaßliche Mörder

dna-163466_1280_0
Ein DNA-Strang. © Sarah Utz

Waiblingen. Ein DNA-Abgleich hat im Backnanger Mordfall die Wende gebracht – gut acht Monate nach dem gewaltsamen Tod der 53-jährigen China-Restaurant-Besitzerin. Die Spurensuche und vor allem die Auswertung folgen im realen Leben anderen Regeln als im Krimi.

Die Polizei ist sich sehr, sehr sicher, dass sie mit den beiden 42 und 45 Jahre alten Rumänen die Richtigen gefasst hat. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch (wir haben berichtet) tauchte die Frage auf, weshalb es bis zum erfolgreichen DNA-Abgleich so lange gedauert hat. Der Laie dürfte beeindruckt vom fixen Ablauf im Tatort falschen Vorstellungen aufsitzen: Eine DNA-Spur finden, aufbereiten und auswerten, das dauert. Im Tatort geht’s schnell. Dort knallen Kommissare Tütchen mit Beweismaterial einem Kollegen auf den Tisch. Der arbeitet sodann eine Nacht lang durch – um am nächsten Morgen das überraschende Ergebnis zu präsentieren.

Tatsächlich dauert es nicht allzu lange, um aus einem mit Spucke benetzten Wattestäbchen das passende DNA-Muster herauszufiltern. Nur hinterlässt ein Täter keine mit Spucke benetzten Wattestäbchen am Tatort.

Nur eineiige Zwillinge haben gleichen genetischen Fingerabdruck

Welche Spur letztlich im Backnanger Mordfall zu den mutmaßlichen Tätern geführt hat, verrät die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Im Restaurant saßen am Abend, bevor die Seniorchefin starb, noch jede Menge Menschen. Es ist im Grunde nicht möglich, sich irgendwo aufzuhalten, und dort keine DNA-Spuren zu hinterlassen. Jeder Mensch verliert Hautschuppen, „ständig und überall“, sagt Horst Haug, Pressesprecher am Landeskriminalamt Stuttgart. Ein minimal kleiner Bruchteil eines Gramms kann ausreichen, um die DNA herauslesen zu können. Dieser genetische Fingerabdruck unterscheidet sich von jedem anderen Menschen – nur nicht bei eineiigen Zwillingen.

Stillschweigen zum Backnanger Fall

Horst Haug bewahrt Stillschweigen zum Backnanger Fall. Nur ganz allgemein erläutert er, weshalb Spurenauswertung durchaus Monate in Anspruch nehmen kann. „Man geht nicht hin, holt Spuren – und am nächsten Tag ist alles klar. Im echten Leben ist das deutlich komplexer.“ Vor Ort sichern die Beamten zunächst Spurenträger. Ob diese tatsächlich relevante Spuren enthalten, checken Fachleute im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamts. Die DNA-Analytik gehört neben vielen anderen zum Aufgabengebiet des Instituts. Als Spurenträger kommen zum Beispiel Kleidungsstücke des Opfers oder Gegenstände infrage, die als Tatwaffe gedient haben könnten, ein Messer, ein Hammer, eine Flasche oder was auch immer. Spuren, die vom Täter stammen könnten, und solche, die dem Opfer zuzuordnen sind, werden stets in separaten Räumen untersucht. In langwieriger Fleißarbeit suchen die Experten beispielsweise Kleidungsstücke unterm Mikroskop nach Verwertbarem ab.

Die Suche nach Spuren

Nach einem Tötungsdelikt arbeiten die Experten im Kriminaltechnischen Institut unter Hochdruck. Mit der Kriminalpolizei stimmen die Fachleute laufend ab, welche der gesicherten Spuren am erfolgversprechendsten sind. Nicht nur, aber auch mit Blick auf DNA-Analytik. Fingerabdrücke oder Faserspuren spielen nach wie vor eine gewichtige Rolle bei der Suche nach Tätern.

Im Backnanger Fall sind nahezu 500 Spuren ausgewertet worden. Auch das erklärt, weshalb es Zeit gebraucht hat, bis sich nun der Treffer ergab. „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“, sagt Horst Haug. Zudem ist oftmals eine langwierige Aufbereitung nötig, bis aus einer Spur die DNA herausgefiltert ist. Es reichen zwar schon sehr kleine Mengen der Erbsubstanz aus, um sie eindeutig einem Menschen zuordnen zu können – vorausgesetzt, er ist in der entsprechenden Datenbank erfasst. Sind die Mengen zu klein, folgen komplizierte chemische Prozesse, bis die DNA entschlüsselt ist.

1989 erster Fall durch DNA-Abgleich gelöst

Der DNA-Analytik kommt längst „sehr große Bedeutung“ zu, sagt Horst Haug und betont zugleich die hohe Relevanz der anderen kriminaltechnischen Hinweise. 1989 ist in Deutschland der erste Fall mittels DNA-Abgleich gelöst worden. Mit diesem Fall waren seinerzeit Spezialisten des Stuttgarter Landeskriminalamts betraut.

Horst Haug schaut selbst hin und wieder Tatort, nur so zur Unterhaltung. Natürlich kann er sich manchmal einen Kommentar nicht verkneifen. Das wirkliche Leben sei jedenfalls „spannender als Fernsehen“.

Die Datei

Die DNA-Analysedatei ist am 17. April 1998 eingerichtet worden. Dort sind DNA-Profile gespeichert unter anderem von Personen, die straffällig geworden sind. Die Datenbank wird vom Bundeskriminalamt (BKA) zentral betrieben.

Der DNA-Beweis gilt als sehr erfolgreiches Instrument, um Täter zu überführen.