Waiblingen

Trauer um Opfer in Virginia Beach

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Tiefe Trauer: Der Verwaltungssitz von Virginia Beach nach dem Amoklauf. © AP Photo / Patrick Semansky
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Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky (links) und James L. Wood, Vizebürgermeister von Virginia Beach, bei der Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde im Juli 2018. © Ralph Steinemann Pressefoto

Zwölf Menschen mit Schusswaffe getötet

Der Täter hatte am Nachmittag in einem dreistöckigen Verwaltungsgebäude, direkt neben dem Rathaus der 440 000 Einwohner großen Stadt, um sich geschossen und dabei zwölf Menschen getötet. Vier weitere Personen wurden verletzt. Der Amokläufer hatte 15 Jahre für die Stadtverwaltung als Städteplaner gearbeitet. Als die Polizei eintraf, eröffnete der Täter auch auf diese das Feuer. Bei dem anschließenden Schusswechsel wurde er getötet. Die genauen Umstände des Amoklaufs sowie die möglichen Motive des Täters sind nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Die Trauer in der Küstenstadt am Atlantischen Ozean ist groß. Virginia Beach hat eigens eine Internetseite eingerichtet, in der alle Informationen zu dem Amoklauf gesammelt werden. Dort gibt es bereits einen Spendenaufruf für die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Auch Freiwillige, die vor Ort ehrenamtlich helfen wollen, können über die Website die richtigen Ansprechpartner finden.

Als Andreas Hesky am Samstagmorgen durch die Mitteilung eines städtischen Mitarbeiters von dem Amoklauf in Virginia Beach erfuhr, hat er sofort Kontakt zu Vizebürgermeister James L. Wood aufgenommen, mit dem er im Juli 2018 den Vertrag zur Städtepartnerschaft unterzeichnet hat. „Möge die Städtepartnerschaft ein wertvoller und tragfähiger Baustein in den vielen guten und lebendigen Beziehungen zwischen unseren Nationen werden“, sagte Hesky damals.

Enge Beziehung nicht nur auf Verwaltungsebene

Dass die Anteilnahme in dieser schweren Stunde den Menschen in Virginia Beach wichtig ist, merkte der Waiblinger Stadtchef unter anderem an der schnellen Reaktion des Vizebürgermeisters. Dieser antwortete ihm sofort – und veröffentlichte Heskys Worte auf seiner eigenen Facebookseite, versehen mit den Worten: „Support from our sister city in Waiblingen, Germany“ (Deutsch: Unterstützung von unserer Partnerstadt in Waiblingen, Deutschland).

Die Beziehungen zwischen Waiblingen und Virginia Beach sind nicht nur auf Verwaltungsebene eng. Seit 2012 findet ein Schüleraustausch zwischen der Tallwood High School und dem Staufer-Gymnasium statt, mittlerweile gibt es solche Begegnungen auch zwischen dem Salier-Gymnasium und der Cox High School. Erst im April waren Schüler von beiden Waiblinger Gymnasien in Virginia Beach. Andreas Hesky reiste ebenfalls mit, bei dieser Gelegenheit lernte er auch den seit einem halben Jahr amtierenden Bürgermeister Robert M. Dyer erstmals persönlich kennen.

Beide Waiblinger Gymnasien veranstalten einen Schüleraustausch

Der Waiblinger OB hofft, dass trotz des Amoklaufs die für dieses Jahr geplanten Begegnungen zwischen Waiblingern und Bewohnern der Partnerstadt stattfinden können. Noch vor den Sommerferien ist der Besuch von Schülern der Cox High School vorgesehen, im Oktober sollen Jungs und Mädchen der Tallwood High School nach Waiblingen kommen. Bereits jetzt in den Pfingstferien will die Waiblinger Feuerwehr mit den amerikanischen Kollegen von New York nach Virginia Beach radeln, logistisch unterstützt wird sie dabei von der Firma Stihl. Das Unternehmen hat dort seit 1974 einen Produktionsstandort, aktuell arbeiten hier mehr als 2000 Mitarbeiter. Für den Waiblinger Motorsägenhersteller sind die USA der wichtigste Markt, in dem etwa 30 Prozent des weltweiten Umsatzes erzielt werden.

Stihl-Vorstandsvorsitzender drückt sein Mitgefühl aus

Die enge Verbindung zwischen Stihl und den beiden Städten war und ist zweifelsohne ein Motor der Städtepartnerschaft. Auf Anfrage übermittelte Stihl-Pressesprecher Stefan Caspari unserer Zeitung eine Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden Bertram Kandziora zu dem Amoklauf: „Wir sind fassungslos und entsetzt über die Tragödie in unserer Partnerstadt. Es ist ein Schock für uns alle – in Virginia Beach und Waiblingen. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer.“

Waiblingen/Virginia Beach. Sein tiefes Mitgefühl sowie die Anteilnahme der Stadt hat Andreas Hesky am Wochenende der Verwaltungsspitze von Virginia Beach übermittelt. In der Waiblinger Partnerstadt in den USA hat ein ehemaliger Angestellter der Stadt zwölf Menschen getötet. „Das ist der schlimmste Tag in der Geschichte von Virginia Beach“, sagte der dortige Bürgermeister Bobby Dyer.
 
Nachdem Andreas Hesky auf seiner Facebookseite zum Amoklauf in Virginia Beach eine Stellungnahme veröffentlichte, ließen die Kommentare nicht lange auf sich warten. „Tut mir leid – wenn die nicht endlich mal von ihrem Waffen-Fetischismus ablassen, hält sich mein Mitgefühl sehr in Grenzen“, schrieb ein Nutzer. Eine Frau meinte, dass Waffen ungefährlich seien – und erst der Mensch sie zur Gefahr mache. Andreas Hesky hat diese Kommentare nicht gelöscht, aber er fragt sich, warum kurz nach dem Amoklauf die Tat schon wieder für politische Debatten benutzt wird. „Das sind Gedanken, die die zwölf Menschen auch nicht mehr lebendig machen“, findet der Waiblinger Oberbürgermeister. Die Tat hat sich am Freitag amerikanischer Zeit ereignet. Hesky findet es wichtig, den Menschen in der Partnerstadt seine Anteilnahme auszusprechen. Er hat deshalb Kontakt zu Bürgermeister Robert M. Dyer sowie Vizebürgermeister James L. Wood aufgenommen und ihnen sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Noch am Samstagabend hat der Waiblinger OB dazu eine Pressemitteilung verschicken lassen. „Die Ereignisse machen uns tieftraurig und betroffen. Unsere Gedanken sind bei Euch, bei all unseren Freunden in Virginia Beach und bei den Familien der Opfer.“