Waiblingen

Turnhalle in Hohenacker wird zur Notunterkunft: Wie die Ukrainer hier leben

Flüchtlingsunterkunft
In solchen vier mal vier Meter großen Kabinen werden die Menschen wohnen. © ALEXANDRA PALMIZI

In der Kleinturnhalle in Hohenacker sollen an diesem Dienstag die ersten Flüchtlinge ihre notdürftig eingerichteten Schlaf-Wohn-Kabinen beziehen. Bis zu 60 Personen finden hier Platz. Laut Stadt werden es ausschließlich Ukrainer sein, die vor dem russischen Angriffskrieg auf ihr Heimatland geflohen sind. Wer genau kommt, wie viele Kinder und in welchem Alter, erfährt die Verwaltung erst in den kommenden Tagen vom Landratsamt, das die Angekommenen auf die Kommunen im Rems-Murr-Kreis verteilt.

Im Inneren der im Eiltempo umgebauten Sporthalle sind Trennwände aufgestellt worden. Dabei handelt es sich um Trockenbauwände, nicht wie sonst üblich Messebauelemente. Denn Messebauer zu finden sei schwierig geworden, sagt Oberbürgermeister Sebastian Wolf. Vier mal vier Meter sind die so entstandenen Räume, darüber hängt ein Netz.

In jeder Kabine stehen zwei Stockbetten, ein Tisch mit vier Stühlen sowie zwei Spinde bereit. Wenn fünf- oder mehrköpfige Familien kommen, müsse man schauen, wie man sie hier unterbringt, so Benjamin Schock, Fachbereichsleiter Bürgerdienste.

Caritas und Wachleute als Ansprechpartner vor Ort

Neben den Schlaf- und Wohnkabinen gibt es in der Halle einen kleinen Aufenthaltsbereich, bestehend aus Tischen mit je sechs Stühlen. An der Wand gegenüber stehen fünf Wäscheständer. Einige Schritte weiter ist ein noch leeres Büro, in dem Mitarbeiter der Caritas sich um die Belange der Menschen kümmern sollen. Außerdem gibt es Duschen und vier oder fünf Toiletten, so Schock. Da könne es gegebenenfalls zu Wartezeiten kommen.

Im Freien vor der Halle befinden sich vier Container, zwei davon mit weiteren Toiletten und Duschen. In den beiden anderen stehen drei Waschmaschinen und ein Trockner sowie fünf Elektroherde bereit. Kochen müssen die Bewohner selbst. Gegessen wird im Aufenthaltsbereich oder in der Wohnkabine. WLAN ist vorhanden – für viele Ukrainer ist das extrem wichtig, da sie über Messenger und andere Online-Kanäle Kontakt zu ihren Angehörigen in der Ukraine halten.

Am Eingang zur Halle werden zwei Wachleute einer privaten Security-Firma Stellung beziehen. Rund um die Uhr sollen sie Ansprechpartner für die Bewohner sein, aber auch darauf achten, dass die Nachtruhe eingehalten wird, so Benjamin Schock. Im Interesse sowohl der Bewohner im Inneren als auch der Nachbarschaft. Ein massiver Betonklotz einige Meter vor den Treppenstufen zum Halleneingang soll Fahrzeugen den Weg versperren.

Oberbürgermeister Wolf: Hallen werden für Sport gebraucht

Klar ist: Es handelt sich um eine Notunterkunft. So wie auch bei der Gemeindehalle Neustadt, die bald für die Aufnahme von Geflüchteten vorbereitet wird. Mehrfach betont Oberbürgermeister Wolf beim Vor-Ort-Termin das Ziel, dass die Hallen nur so kurz wie möglich belegt werden sollen. Sie würden für andere Zwecke gebraucht, vor allem Sport. Wegen der aktuellen Situation, die sich über den Sommer so entwickelt habe, wie das „in keinster Weise“ absehbar gewesen sei, gehe es momentan nicht ohne die Hallen.

An Alternativen arbeite die Verwaltung intensiv. Eine davon: Bis zu 40 Flüchtlinge sollen in Mobilheimen auf einer Wiese neben dem Bürgerhaus Hohenacker unterkommen. Ende September werden diese laut Baubürgermeister Dieter Schienmann für den Transport auf Lkw verladen, ab Anfang Oktober sollen sie vor Ort vorbereitet werden – bei den Kosten pro Platz lägen die Mobilheime nicht wesentlich über denen der Nothallen. Zudem böten sie eine längerfristige Perspektive.

Bislang 550 Flüchtlinge aus Ukraine in Waiblingen

Je nachdem, wie viele Menschen Waiblingen zugewiesen bekommt, braucht es aber noch deutlich mehr Unterkünfte. Bislang hat die Stadt 550 Ukrainer aufgenommen, insgesamt leben hier 1450 Flüchtlinge.

In der Kleinturnhalle Hohenacker ist vor dem Aufbau der Unterkunft ein neuer Fußboden verlegt worden, um den Sportboden zu schützen. Die Sportler, die bislang hier trainiert haben, sind teils in die nebenliegende Gemeindehalle ausgewichen, teils ins Bürgerhaus auf der anderen Straßenseite. Für die Volleyballer ging es nach Bittenfeld, für die Tischtennisspieler nach Neustadt. Es sei für alle mit Einschränkungen verbunden, so OB Wolf. Er sei dankbar für das Verständnis der Waiblinger. Negative Reaktionen von Anwohnern in Hohenacker oder Neustadt sind ihm und Bürgerdienste-Chef Schock bislang nicht bekannt. Wolf bedankte sich bei der Feuerwehr und anderen Ehrenamtlichen, die bei der Einrichtung der Kleinturnhalle geholfen haben.

Voraussichtlich bis Ende der Woche wird in der Notunterkunft in Hohenacker die Vollbelegung von 60 Bewohnern erreicht. Deutschunterricht und womöglich auch Spielgruppen für Kinder könnte es geben, so Erster Bürgermeister Ian Schölzel. Die Stadt tausche sich dazu mit den Machern vor Ort und der Caritas aus. Auch bei zweisprachigen 450-Euro-Minijobbern (ab Oktober 520 Euro), die die Ukrainer unterstützen könnten, wolle die Stadt „nachjustieren“.

In der Kleinturnhalle in Hohenacker sollen an diesem Dienstag die ersten Flüchtlinge ihre notdürftig eingerichteten Schlaf-Wohn-Kabinen beziehen. Bis zu 60 Personen finden hier Platz. Laut Stadt werden es ausschließlich Ukrainer sein, die vor dem russischen Angriffskrieg auf ihr Heimatland geflohen sind. Wer genau kommt, wie viele Kinder und in welchem Alter, erfährt die Verwaltung erst in den kommenden Tagen vom Landratsamt, das die Angekommenen auf die Kommunen im Rems-Murr-Kreis

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