Waiblingen

Unternehmen in Waiblingen wollen schnell mehr Gewerbeflächen

Luftbild Hess-Areal, Waiblingen, 18.02.2021.
Das Luftbild vom Hess-Areal in Waiblingen ist am 18. Februar 2021 entstanden. © Benjamin Beytekin

Die Firmen in Waiblingen brauchen mehr Gewerbeflächen. Das geht aus einer Untersuchung der Cima GmbH hervor, die von der städtischen Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH (WTM) beauftragt wurde. 300 Firmen wurden dazu angeschrieben – und von den 61 teilnehmenden Unternehmen gaben 27 an, innerhalb der nächsten fünf Jahre Flächenbedarf zu haben. Ob dabei alle möglichen Grundstücke wie etwa an der Waiblinger Westumfahrung infrage kommen, darüber gibt es unter den Stadträten unterschiedliche Auffassungen.

Rund ein Drittel der Waiblinger Unternehmen, die an der Umfrage der Cima mitgewirkt haben, strebt eine Erweiterung am aktuellen Standort an – und 26 Prozent der Befragten planen, ihren Standort innerhalb der Stadt Waiblingen zu verlagern. Dafür braucht es freie Gewerbeflächen – doch genau daran mangelt es der Stadt nach Ansicht von Wirtschaftsförderer Marc Funk.

Eine Ausnahme bildet das Hess-Areal im Waiblinger Ameisenbühl

Die Stadt Waiblingen verfügt nach Darstellung der WTM aktuell über keine eigenen nennenswerten erschlossenen Gewerbeflächen, um die Nachfrage der Firmen zu decken. Die einzige Ausnahme bildet hier der Technologie- und Zukunftspark auf dem Hess-Areal im Waiblinger Ameisenbühl. Die noch freien Grundstücke sind dort laut Funk in privater Hand. Hinzu komme, dass die Vergabe dortiger Flächen ausschließlich im Erbbaurecht für viele Betriebe eine Investitionshürde darstelle.

Rund zehn Prozent der Betriebe, die an der Umfrage der Cima GmbH teilnahmen, wollen zudem den Standort Waiblingen verlassen. Unter den Betrieben, die in den nächsten fünf Jahren hohen Flächenbedarf haben, befinden sich laut der WTM zwei Unternehmen mit sehr vielen Arbeitsplätzen. Welche das sind, sagte Wirtschaftsförderer Marc Funk in der März-Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Kultur und Sport (WKS) nicht.

Von 2008 bis 2019 wurden 84 unbebaute Gewerbeflächen verkauft

Insgesamt hat die Analyse der Cima GmbH ergeben, dass Waiblinger Firmen in den nächsten fünf Jahren einen Brutto-Bedarf von 19,9 Hektar haben. Zum Vergleich: Von 2008 bis 2019 sind in Waiblingen 84 unbebaute Gewerbeflächen mit einer Größe von insgesamt 20,82 Hektar verkauft worden – und da sind die 7,3 Hektar vom Hess-Areal noch gar nicht inbegriffen.

Wirtschaftsförderer: Waiblingen ist bislang gut durch die Corona-Pandemie gekommen

Wahr ist indes, dass durch die Corona-Pandemie die Nachfrage auf dem Gewerbeimmobilienmarkt wieder sinkt – allerdings betrifft dies vor allem Büroflächen. Im produzierenden Gewerbe ist Home-Office schließlich schlecht möglich. Marc Funk geht davon aus, dass Waiblingen auch die Corona-Zeit gut überstehen wird.

Er begründet dies mit der Wirtschaftsstruktur der Stadt, die nicht von einer Branche abhängig ist. Diese Stärke hat sich laut dem Wirtschaftsförderer bereits in der Finanzkrise 2007/2008 gezeigt. Im Vergleich zu anderen Städten seien kaum größere Brachen vorhanden. Ein Sonderfall sei lediglich der Wegzug des Krankenhauses gewesen. „Wir haben das wieder aufgeholt.“

Viele Grundstücke für Gewerbeflächen sind zu klein

Das aktuelle Baulandpotenzial (netto) der Stadt wird in der Studie mit 10,24 Hektar beziffert. Netto bedeutet, dass die Gemeinbedarfsflächen schon abgezogen wurden. Laut Marc Funk liegen die besagten Flächen vor allem in der Kernstadt. Es handelt sich um insgesamt 13 Grundstücke mit einer Gesamtgröße von 7,86 Hektar. Das Problem bei dieser Rechnung ist, dass manche Flächen sehr klein sind. Sprich: Für eine Firma, die erweitern will, sind sie nicht geeignet.

Sechs geeignete Flächen für Gewerbe hat die Stadt im Blick

Bis zum Jahr 2035 spricht Wirtschaftsförderer Marc Funk von einem Netto-Flächendefizit in Waiblingen von bis zu 30 Hektar. Gleichzeitig wurden bei der in Auftrag gegebenen Analyse sechs geeignete gewerbliche Potenzialgebiete mit einer Gesamtgröße von rund 24,35 Hektar (brutto) erfasst. Drei davon befinden sich in Hegnach, eines in Neustadt, eines in Bittenfeld und eines in der Waiblinger Kernstadt.

Stadtrat Wolfgang Bechtle (CDU/FW) betonte in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Kultur und Sport, dass es bei Corona wie bei jeder Krise sei: „Der Phönix, der steigt aus der Asche.“ Will heißen: Die Nachfrage nach Gewerbeflächen wird auch wieder anziehen. Bechtle findet es allerdings wichtig, parallel auch mehr Wohnraum zu schaffen.

Bäckermeister Hermann Schöllkopf sorgt sich, dass Waiblingen den Bedarf der Firmen nicht decken kann

Hermann Schöllkopf (CDU/FW), als Bäckermeister selbst Unternehmer, sah es ähnlich: „Der Bedarf ist da, der kommt auf uns zu – trotz Corona.“ Sorge bereitet ihm, dass Waiblingen derzeit nicht mal den Bedarf von nur einigen Betrieben decken kann, die erweitern wollen. „Wir müssen einfach Gas geben – Corona hin, Corona her.“

Die Firmen in Waiblingen brauchen mehr Gewerbeflächen. Das geht aus einer Untersuchung der Cima GmbH hervor, die von der städtischen Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH (WTM) beauftragt wurde. 300 Firmen wurden dazu angeschrieben – und von den 61 teilnehmenden Unternehmen gaben 27 an, innerhalb der nächsten fünf Jahre Flächenbedarf zu haben. Ob dabei alle möglichen Grundstücke wie etwa an der Waiblinger Westumfahrung infrage kommen, darüber gibt es unter den Stadträten unterschiedliche

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