Waiblingen

Urlaub trotz Corona: Reisebüros in Waiblingen verkaufen 2021 nur wenig Reisen

Columbus Reisebüro
Jochen Ziesel ist Inhaber des Columbus-Reisebüros in der Bahnhofstraße 7 in Waiblingen. © Alexandra Palmizi

Die Reisebüros in Waiblingen verkaufen wegen Corona viel weniger Reisen – und das schon seit vielen Wochen. Da half es auch nicht, dass die Corona-Testpflicht für Mallorca-Urlauber im März 2021 kurzzeitig aufgehoben war.

Das Columbus-Reisebüro von Jochen Ziesel in der Bahnhofstraße 7 rechnet damit, dass die Reisen wohl bis Juni 2021 abgesagt werden. „Es gibt vereinzelt Flugbuchungen für Geschäftsreisende.“ Auch beim ADAC-Reisebüro in der Fronackerstraße 16 wurden in diesem Jahr viel weniger Reisen gebucht als im Vorjahreszeitraum. Und das sonnenklar.TV-Reisebüro von Christian Helbling (Obere Sackgasse 6) spürt ebenfalls deutliche Einbußen: „Seit dem Lockdown Mitte Dezember 2020 musste ein Großteil der Buchungen wieder abgesagt werden, aktuell finden nur sehr wenige Reisen statt.“

sonnenklar.TV-Reisebüro von Christian Helbling: Familien buchen erst ab den Herbstferien 2021

Reisebüro-Inhaber Christian Helbling bezeichnet die Nachfrage als verhalten. „Viele Kunden warten auf die Möglichkeit, innerdeutsch Urlaub machen zu können. Gerade Familien zögern unserer Einschätzung nach noch.“ Die meisten Familien-Buchungen habe er für den Zeitraum ab den Herbstferien 2021 oder gleich für 2022 erhalten. Wenn Christian Helbling für sein sonnenklar.TV-Reisebüro 2020 und 2021 miteinander vergleicht, dann läuft es nach seinen Angaben bei den Buchungen in diesem Jahr bislang etwas besser.

Mallorca-Urlaube waren kurzzeitig ohne Corona-Tests möglich

Es ist ein ständiges Auf und Ab. Vor einem Jahr gab es die große Rückholaktion der Regierungen, alle Reisen wurden abgesagt. Ab Sommer 2020, berichtet Christian Helbling, konnte über einen längeren Zeitraum im zweiten Halbjahr 2020 wieder gereist werden. Und das kurze Zeitfenster im März, in dem Reisen nach Mallorca ohne Corona-Test möglich waren, brachte dem Reisebüro-Inhaber auch nichts. „Wir hatten Anfragen für Mallorca reinbekommen, aber tatsächlich gebucht wurde bei uns letztlich nicht.“ Die Bundesregierung hatte wegen der deutschlandweiten Nachfrage nach Mallorca-Urlauben auch relativ bald zu einem Verzicht auf Urlaubsreisen aufgerufen.

Reisebüro-Inhaber Jochen Ziesel: Aufgrund der Unsicherheiten wollen alle abwarten

Jochen Ziesel vom Columbus-Reisebüro in der Bahnhofstraße erhielt nur vereinzelte Anfragen für die Sommerferien und für den Winter. „Durch die katastrophale und teilweise auch unrichtige Berichterstattung, in der der Tourismus regelmäßig denunziert wird, sind die Leute sehr verunsichert. Interesse für Urlaub ist da, aber aufgrund der Unsicherheiten wollen alle verständlicherweise noch abwarten.“

Columbus-Reisebüro: 2020 lag die Stornoquote für Reisen bei 74 Prozent

Zur Frage, ob es 2021 bei den Buchungen schlechter als im Corona-Jahr 2020 läuft, teilt Jochen Ziesel mit, dass es noch schlechter als im Frühjahr 2020 gar nicht sein könne, da ja zu diesem Zeitpunkt keine Buchungen mehr liefen – „und wir nur damit beschäftigt waren, alle Buchungen, die seit September 2019 getätigt waren, rückabzuwickeln“. Insgesamt lag die Stornoquote 2020 laut Ziesel bei 74 Prozent.

ADAC-Reiseexpertin Anika Manke: Viele Kunden wollen kurzfristig kostenfrei stornieren können

Anika Manke, Reiseexpertin beim ADAC Württemberg, verweist darauf, dass das grundsätzliche Interesse und die Lust am Urlaub zwar vorhanden seien – allerdings befinde sich die Reisebranche schon seit einem Jahr in einer sehr schwierigen Situation mit vielen Unwägbarkeiten. „Statt langfristiger Planung heißt es, die tagesaktuelle Entwicklung der Infektionszahlen sowie die Reisewarnungen zu verfolgen.“ Viele Kunden würden als Reaktion auf die Corona-Pandemie und als Absicherung mittlerweile sogenannte Flex-Optionen in Anspruch nehmen. „Diese werden von immer mehr Reiseveranstaltern angeboten und lassen sich meist für einen geringen Aufpreis hinzubuchen.“ Mit einer Flex-Option könne man in der Regel bis etwa 14 Tage vor Abreise kostenfrei umbuchen oder stornieren.

ADAC-Reisebüro: 2021 gibt es noch weniger Buchungen als 2020

Generell lassen sich aus Sicht von ADAC-Expertin Anika Manke das Frühjahr 2020 und 2021 schwer vergleichen, da die Ausgangslage jeweils eine ganz andere ist. „Das Frühjahr 2020 war geprägt von Reiseabsagen, Stornierungen und Umbuchungen. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir deutlich weniger Reiseabsagen und Stornierungen als vor einem Jahr, da in den vergangenen Monaten auch deutlich weniger Buchungen getätigt wurden.“

Die grundsätzliche Buchungsbereitschaft allerdings sei im Frühjahr 2020 höher als dieses Jahr gewesen. „Damals konnte niemand voraussehen, wie lange uns das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen noch betreffen würden.“

ADAC-Reisebüro Waiblingen: 2021 gab es bislang weniger Stornierungen als 2020

2020 wurden im ADAC-Reisebüro Waiblingen rund 200 Reisen aufgrund von Corona storniert. „2021 liegen die Stornierungen bisher im niedrigen Bereich, da auch die Anzahl der Buchungen gering ist“, berichtet Anita Manke. Die kürzliche Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca sei für viele Menschen zwar ein positiver Impuls gewesen, sich generell mit dem Thema Urlaub zu beschäftigen. „Speziell für Mallorca haben wir bisher allerdings keine außergewöhnlich hohe Zahl an Anfragen erhalten.“ Bei Jochen Ziesels Reisebüro hat noch niemand einen Mallorca-Urlaub gebucht. „Durch die neue Testpflicht ist das Interesse auch schon wieder weniger geworden.“

Trend zu Ferienhäusern

2020 ging der Trend klar zum Urlaub innerhalb von Deutschland. 2021 nun beobachtet Anita Manke eine verstärkte Nachfrage zu Zielen mit eigener Anreise – sowohl innerdeutsch als auch nach Österreich, Italien und Kroatien. „Flugreisen werden vorwiegend innereuropäisch angefragt, meist Richtung Spanien oder Griechenland.“ Christian Helbling vom sonnenklar.TV-Reisebüro stellt für den Sommer einen Trend zu Griechenland fest sowie zu Ferienhäusern in Kroatien und Deutschland. Für den Herbst 2021 und den Winter 2021/22 seien die Kanaren beliebt, von 2022 an Kreuzfahrten.

Jochen Ziesel vom Columbus-Reisebüro in der Bahnhofstraße hofft weiter auf das Geschäft mit Fernreisen im nächsten Winter. „Für den Sommer ist es sehr schwierig, da keiner die Lage einschätzen kann.“ Am ehesten würden noch Griechenland oder Unterkünfte mit Eigenanreise gebucht. 

Reisebranche wünscht sich Perspektive 

Mit Blick auf die schwierige Lage der Reisebranche wünscht sich Anita Manke eine Neustart-Perspektive. „Der Tourismus mit seinen drei Millionen Beschäftigten ist und bleibt trotz Pandemie ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland.“ Birgit Aust, Geschäftsführerin der TVG, zu der das Franchise-System der sonnenklar.TV-Reisebüros gehört, verweist darauf, dass die Rahmenbedingungen, wie es für die Reisebranche nach Vorgaben der Regierung weitergehen wird, aktuell völlig unklar seien.

„Wir stehen hier als Franchisegeber an der Seite unserer Partner und haben unsere Hausaufgaben gemacht", betont Birgit Aust. So biete man eine breite Palette an Möglichkeiten und Hilfestellungen, die den Reisebüros den Weg in den touristischen Restart ebnen sollen – von flexiblen Arbeitsmodellen über noch bessere Erreichbarkeit und Sichtbarkeit des Büros für den Kunden bis hin zu Schulungen und ständigen Updates zum Pandemie-Geschehen.

Auch der Waiblinger Reisebüro-Inhaber Jochen Ziesel hat klare Wünsche. Er will „endlich klare Aussagen aufgrund von Daten und Fakten und nicht das bisher übliche Bashing gegenüber dem Urlaubstourismus“.

Die Reisebüros in Waiblingen verkaufen wegen Corona viel weniger Reisen – und das schon seit vielen Wochen. Da half es auch nicht, dass die Corona-Testpflicht für Mallorca-Urlauber im März 2021 kurzzeitig aufgehoben war.

Das Columbus-Reisebüro von Jochen Ziesel in der Bahnhofstraße 7 rechnet damit, dass die Reisen wohl bis Juni 2021 abgesagt werden. „Es gibt vereinzelt Flugbuchungen für Geschäftsreisende.“ Auch beim ADAC-Reisebüro in der Fronackerstraße 16 wurden in diesem Jahr viel

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