Waiblingen

Vögel füttern im Winter: Worauf Sie achten sollten

Vögel im Winter
Ein Rotkehlchen ist vorerst gut mit einer ordentlichen Portion Körner versorgt. Generell haben es Vögel im Winter nicht immer leicht, ausreichend Futter zu finden. © Pixabay License

Waiblingen.
Im Winter sind Vögel oft auf zugeführtes Futter angewiesen. Doch wie füttert man richtig? Wir erklären, worauf Sie achten sollten und was Sie bei der Fütterung vermeiden sollten.

Ab wann sollte man beginnen?

Laut dem Vorsitzenden des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Waiblingen, Bruno Lorinser, kann man Vögel das ganze Jahr über füttern. Zwar sei es weit verbreitet, nur im Winter zu füttern, doch es schade nichts, damit schon früher zu beginnen. Im Gegenteil: Wenn man erst im Winter anfange, den Vögeln Futter bereitzustellen, dann wüssten die Vögel meist nichts davon. So dauere es einige Zeit, bis es sich herumgesprochen habe, dass es an besagter Stelle Futter gebe, weiß Lorinser. Auch die Bereitstellung einer Vogeltränke, wie zum Beispiel eines Topfuntersetzers, biete sich an. „Die Fütterung über das ganze Jahr hinweg kann kein Fehler sein“, erklärt Lorinser. „Doch gerade im Winter sind alle Vögel auf zusätzliches Futter angewiesen.“ Auch im Frühjahr könne es aber wichtig sein, einfach und schnell ans Futter zu kommen, sagt der Vogelschutz-Experte. Das ist die Zeit vor und während der Jungenaufzucht. Die Elternvögel füttern ihre Jungvögel dann ausschließlich mit Insekten, könnten aber das Futter für sich selber gut gebrauchen, da sie vor allem mit der Nahrungssuche für die Jungen beschäftigt seien.

Wo kann man füttern?

Das Futter kann an verschiedenen Stellen im Garten oder in der Nähe des Hauses platziert werden, zum Beispiel in einem eigens zu diesem Zweck gekauften oder selbst gebauten Vogelhäuschen oder einer Vogelhöhle, auf einem Vorsprung oder auf dem Fensterbrett.

Was kann man füttern und wo erhält man das Vogelfutter?

Die im freien Handel üblichen Vogelfutter, egal ob in Körnerform oder als Futterknödel, vertragen die Vögel gut. Für bestimmte Arten, wie Rotkehlchen gebe es auch spezielles Futter, das ein bisschen teurer und mit Mehlwürmern und Beeren versetzt sei, so Lorinser.

Das Fett in den Futterknödeln sei gut, weil das Futter dadurch besser vor Wasser geschützt sei, so Lorinser. Auch sei die fettreiche Nahrung für Vögel sehr wichtig. Da sie klein seien, verlören sie mehr Energie. Gerade über Fette können die Vögel mit kleinen Futtermengen viel Kalorien aufnehmen.

Was sollte man nicht füttern?

Eigene Futter-Mischungen empfiehlt der Vogel-Experte nicht. Wichtige Bestandteile würden hier fehlen. Auch eigne sich Brot aufgrund seiner Inhaltsstoffe nicht: Vögelmägen seien nicht für Brot gemacht. Außerdem könne Brot schimmeln, wenn es länger draußen liegt. Ein Problem sieht Lorinser auch bei der Fütterung von Wasservögeln, bei der manche Menschen ganze Brotlaibe ins Wasser schmeißen würden.

Brauchen Vögel auch ein Häuschen im Winter oder einen Unterstand?

Vögel brauchen im Winter zwar nicht unbedingt ein Häuschen, doch gerade im Frühjahr sind zu wenig Nistmöglichkeiten vorhanden. Daher empfiehlt Lorinser das Angebot von Bruthäuschen. Aber auch im Winter ziehen sich die Vögel gerne an einen ruhigen, windgeschützten Ort zurück. Doch Vogelhäuschen muss man nicht unbedingt kaufen. Auf der Website des Nabu Waiblingen (www.nabu-waiblingen.de) findet man Bauanleitungen für Vogelhäuser und Vogelhöhlen, zum Beispiel Kästen für Mauersegler und für Meisen sowie Spatzenhäuser.

Warum sieht man immer weniger Vögel?

Über die letzten Jahre ist die Population an Vögeln stark zurückgegangen. Das betreffe auch das Waiblinger Stadtgebiet, sagt der Nabu-Waiblingen-Vorsitzende. Gründe gebe es hierfür verschiedene: „Eine wichtige Ursache für den Rückgang ist der Lebensraumverlust. Dazu fehlen Brutmöglichkeiten für Schwalben, Spatzen, Dohlen und Mauersegler“, sagt Lorinser. Zum anderen spiele der Qualitätsverlust der Umwelt eine wichtige Rolle. Gerade das Insektensterben sei eine zentrale Ursache für den Rückgang der Vogelpopulation, denn die Jungvögel würden hauptsächlich mit Insekten hochgepäppelt. Laut Informationen auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz ist die Gesamtbiomasse der Fluginsekten zwischen 1989 und 2014 um 76 % zurückgegangen. Für die Studie wurden Daten des Entomologischen Vereins Krefeld ausgewertet, die an 63 verschiedenen Standorten Deutschlands gesammelt wurden. Der Großteil der untersuchten Schutzgebiete befindet sich in Nordrhein-Westfalen, einzelne in Rheinland-Pfalz und Brandenburg.

Vogelarten, die während der Brutzeit überwiegend auf die Ernährung von Insekten angewiesen sind, gingen über die letzten 25 Jahre mit etwa 20 Prozent am stärksten zurück, heißt es auf der Website des Nabu Deutschland.

Ein weiterer Grund, warum man immer weniger Vögel sieht, ist das Amsel-Sterben. Der Grund ist das Usutu-Virus, das laut Informationen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, FLI, in Europa wahrscheinlich erstmals 1996 in Erscheinung trat. In Deutschland wurde es erstmals bei Mücken im Jahr 2010 gefunden. Im Folgejahr löste das Virus ein massives Vogelsterben im Bereich der nördlichen Oberrheinebene und in den benachbarten Gebieten der Pfalz und des Neckartales aus, wie es auf der Website des Bundesinstituts heißt. Betroffen seien vorrangig Amseln, aber auch Zoovögel.

Wie wird es anderswo gemacht und was sind die Hauptunterschiede?

Der Nabu-Experte Bruno Lorinser äußert hier Bewunderung für das Beispiel Großbritannien. Die Royal Society for the Protection of Birds ist nicht nur in Großbritannien, sondern auch europaweit die größte Organisation zum Schutz von Wildvögeln. Sie hat über eine Millionen Mitglieder und mehreren Tausend Mitarbeiter. Der Nabu-Vorsitzende äußert sich begeistert von der Arbeit des Verbandes und dessen intensiver Öffentlichkeitsarbeit: „England ist da (Anmerkung d. Redakt.: beim Vogelschutz) führend. Dort füttert beinahe jeder, von der Queen bis zum einfachen Bauern“, sagt er: Der Vogelschutz habe in der britischen Gesellschaft traditionell einen hohen Stellenwert und sei in der Bevölkerung stark verankert. Der Neustädter Bruno Lorinser hat jedoch nicht den Eindruck, dass in Waiblingen eher wenig gefüttert wird. Allerdings sieht der Vogelschutz-Experte beim Füttern über das ganze Jahr hinweg deutlich Nachholbedarf.

Waiblingen.
Im Winter sind Vögel oft auf zugeführtes Futter angewiesen. Doch wie füttert man richtig? Wir erklären, worauf Sie achten sollten und was Sie bei der Fütterung vermeiden sollten.

Ab wann sollte man beginnen?

Laut dem Vorsitzenden des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Waiblingen, Bruno Lorinser, kann man Vögel das ganze Jahr über füttern. Zwar sei es weit verbreitet, nur im Winter zu füttern, doch es schade nichts,

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