Waiblingen

Vermehrung verwilderter Katzen: Waiblingen verzichtet weiter auf Kastrationspflicht

Katze
Bei einer Katzenschutzverordnung müssten Katzenbesitzer ihre Freigänger auf eigene Kosten kennzeichnen, registrieren und kastrieren lassen – doch noch gibt es diese in Waiblingen nicht. © Pixabay.com

Die Einführung einer Katzenschutzverordnung hat der Gemeinderat der Stadt Waiblingen vor rund einem Jahr abgelehnt – und die Verwaltung sieht dafür auch weiterhin keine Notwendigkeit. Benjamin Schock, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste, verweist darauf, dass dank des beständigen Einsatzes des Tierschutzvereins auch aktuell keine unkontrollierte Vermehrung von Hauskatzen und verwilderten Katzen im Stadtgebiet stattfinde. Eine Regelung kann nach seinen Angaben erst dann erlassen werden, wenn andere Maßnahmen gescheitert sind.

Katzenbesitzer müssen ihre Tiere weder kennzeichnen noch registrieren

Kern der 2020 von Stadträtin Julia Papadopoulos (Grünt/Tierschutzpartei) beantragten Katzenschutzverordnung ist, dass Katzenbesitzer ihre Freigänger auf eigene Kosten kennzeichnen, registrieren und kastrieren lassen müssen. Fundtiere dürfte der Tierschutzverein dann nach 48 Stunden kastrieren lassen. Als der Gemeinderat im Juni 2020 die Katzenschutzverordnung ablehnte, wurde immerhin versprochen, dass die Verwaltung stattdessen mit dem Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung Vorschläge für geeignete Maßnahmen erarbeiten soll, um die Zahl der freilebenden Katzen möglichst gering zu halten. Nun zeigt sich 13 Monate später, dass von Seiten der Stadt noch nicht viel in die Wege geleitet wurde.

Wer etwas gegen wildlebende Katzen tun will, muss auch in Nachbarkommunen aktiv werden

Laut Fachbereichsleiter Benjamin Schock haben bislang mehrere Kastrationsaktionen des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung stattgefunden, darunter in Korb, Kernen, Weinstadt und Waiblingen. Wer etwas gegen wildlebende Katzen in Waiblingen unternehmen will, muss schließlich auch in umliegenden Kommunen aktiv werden. Im Bereich des Tierschutzvereines wurden nach Benjamin Schocks Angaben in den vergangenen Jahren im Schnitt 26 Katzen pro Jahr kastriert. Im Jahr 2017 waren es rund 18 kastrierte Katzen. Nach Mitteilung des Tierschutzvereins gab es im Jahr 2020 in Waiblingen sieben Katzen, die eingefangen, kastriert und wieder ausgewildert wurden, dazu fünf junge Kätzchen, die noch nicht kastriert werden konnten.

Die Stadt gibt sich offen für weitere Ideen des Tierschutzvereins

Die Stadt veröffentlicht im Amtsblatt und in allen Mitteilungsblättern der Ortschaftsverwaltungen eine gemeinsam mit dem Tierschutzverein erarbeitete Empfehlung zur Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Freigängerkatzen. Was ein mögliches Konzept zur Reduzierung von wildlebenden Katzen angeht, verspricht Schock eines: „Sobald weitere Vorschläge des Tierschutzvereins an die Verwaltung herangetragen werden, unterstützt die Verwaltung den Verein gerne.“

Die anfallenden Kosten bei eventuellen Maßnahmen werden im Einzelfall mit dem Verein besprochen. Benjamin Schock ist sich indes sicher, dass weitere Maßnahmen sicherlich mit wenig finanziellem Aufwand umgesetzt werden können. Konkrete Förderprogramme, die von der Stadt genutzt werden könnten, sind ihm allerdings nicht bekannt.

Freilebende Katzen am Galgenberg und im Schmidener Feld

Freilebende Katzen gibt es in Waiblingen laut Benjamin Schock am Galgenberg (circa 24 Katzen) und im Schmidener Feld (17). Dazu kommen noch einige kleinere Ansammlungen. Indes stellt sich die Frage, was eigentlich passiert, wenn diese Zahl wieder stark steigt: Kommt dann doch die Katzenschutzverordnung mit der Pflicht für Eigentümer, Freigänger kennzeichnen, registrieren und kastrieren zu lassen?

Hierzu stellt Benjamin Schock fest, dass der Tierschutzverein gebeten wurde, die freilebende Katzenpopulation fortlaufend zu dokumentieren. „Wenn sich zeigt, dass sich eine unkontrollierte Vermehrung freilebender Katzen nicht mehr anderweitig verhindern lässt, gelten die Maßnahmen als ausgeschöpft beziehungsweise als gescheitert.“ Und dann wäre die Katzenschutzverordnung rechtlich möglich. In Berglen gibt es diese etwa schon.

Eine geschlechtsreife Katze kann zweimal im Jahr Babys bekommen

Annemarie Werner, Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, wünscht sich natürlich eine Katzenschutzverordnung für die Stadt und ihre Ortschaften. Sie macht folgende Rechnung auf: Eine wilde, geschlechtsreife Katze kann pro Jahr zweimal Nachwuchs bekommen. Wenn sie dann ihre drei bis vier Jungen zur Welt bringt und die Hälfte davon Weibchen sind, können diese mit Geschlechtsreife ebenfalls wieder Nachwuchs kriegen. So wird aus einer kleinen Gruppe schnell eine größere. Dazu kommt, dass bei der Betrachtung der Lage in Waiblingen aus Sicht von Annemarie Werner auch die Nachbarkommunen einbezogen werden müssen – schließlich bewegen sich die Tiere über Gemarkungsgrenzen hinweg.

Kastrationsaktion: Zuschuss für jeden, der sich gemeldet hat

Wenn der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung eine Katze einfängt, sind damit laut der Vorsitzenden im Schnitt rund sechs Stunden Arbeit verbunden. Natürlich ehrenamtlich. „Das ist, finde ich, viel“, sagt Annemarie Werner. Jetzt bei der seit Ende Mai laufenden Kastrationsaktion nehmen die Tierschützer wieder Geld in die Hand: Wer seine Katze kastrieren sowie kennzeichnen lässt und in Korb, Kernen, Weinstadt, Waiblingen oder in Grunbach wohnt, bekommt bei einem Kater 30 Euro und bei einer Kätzin 40 Euro Zuschuss – natürlich nur gegen Vorlage einer Rechnung. Bis 15. Juli lief die Aktion in diesem Jahr.

Annemarie Werner hofft, dass mehr Menschen ihre Katze kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen – zum Beispiel bei Tasso oder dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir können nicht mehr als Aufklärung betreiben.“ Mit einer Katzenschutzverordnung wäre das anders, da wäre die Kastration Pflicht. Ausnahmen ließen sich aus Sicht von Annemarie Werner leicht regeln.

Die Einführung einer Katzenschutzverordnung hat der Gemeinderat der Stadt Waiblingen vor rund einem Jahr abgelehnt – und die Verwaltung sieht dafür auch weiterhin keine Notwendigkeit. Benjamin Schock, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste, verweist darauf, dass dank des beständigen Einsatzes des Tierschutzvereins auch aktuell keine unkontrollierte Vermehrung von Hauskatzen und verwilderten Katzen im Stadtgebiet stattfinde. Eine Regelung kann nach seinen Angaben erst dann erlassen werden,

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