Waiblingen

Voltigieren bei der RG Hegnach-Oeffingen

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Schwierige Übungen werden zunächst auf dem Bock trainiert, bevor es aufs Pferd geht. © Jansen / ZVW
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Gehört fest zum Team: Der 13-jährige Delargo. © Jansen / ZVW
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Maleen Issler © Jansen / ZVW

Waiblingen-Hegnach. Gewichte, Gymnastikbänder und einen Holzbock – wozu braucht man das beim Voltigieren, findet das nicht auf dem Pferd statt? Doch, sagt Voltigierwartin Maleen Issler. „Aber Voltigierer müssen körperlich und geistig fit sein.“ Derzeit bereiten sich die Voltigierteams der Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen auf die Turniersaison vor.

Video: Die Voltigierer der Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen wärmen sich vor dem Training auf.

Runde um Runde galoppiert Delargo im Gleichmaß um seine Longenführerin herum. Der 13-jährige Oldenburger Wallach gehört bereits seit 2010 zum Voltigierteam der Reitergemeinschaft (RG) Hegnach-Oeffingen. Er ist ein alter Hase und weiß, was er zu tun hat. Und wie die anderen Teammitglieder auch muss er sich vor dem Training aufwärmen. Seine menschlichen Kameraden sind derweil mit Dehn- und Kräftigungsübungen auf einer großen Gymnastikmatte beschäftigt. Bunte Gummibänder, Gewichte und Griffe, mit denen die Voltigierer ihren Handstand zunächst auf dem Reithallenboden proben, kommen hier zum Einsatz.

Hohe Anforderungen an den Körper 

„Voltigieren stellt hohe Anforderungen an den Körper“, erklärt Voltigierwartin Maleen Issler. Die 22-jährige Lehramtsstudentin voltigiert seit 17 Jahren und ist immer noch vollauf begeistert von ihrem Sport: „Kraft, Balance, Koordination, Beweglichkeit, all das braucht man beim Voltigieren, beispielsweise um im Galopp auf dem Pferderücken zu stehen oder Handstand zu machen. In den höheren Klassen kommen dann auch noch künstlerische Elemente dazu, wie Ausdruck und tänzerisches Geschick.“ In einer dieser höheren Klasse spielen die Hegnacher Voltigierer: Erste und zweite Mannschaft treten in Wettbewerben der Klasse M an, der zweithöchsten der vier Leistungsklassen im Voltigiersport.

"Ganz ungefährlich ist es aber auch nicht"

Die Faszination des Sports mache auch das Zusammenspiel zwischen Mensch, Pferd und innerhalb der Gruppe aus, sagt die 15-jährige Helen. „Und es ist kein normaler Sport, wie Fußball oder so. Das macht nicht jeder“, ergänzt Hannah, ebenfalls 15 Jahre alt. „Ganz ungefährlich ist es aber auch nicht.“ Und tatsächlich: Jede der Voltigiererinnen hat schon von mehr oder weniger schweren Verletzungen zu berichten. Gerissene Kreuzbänder, gebrochene Sprunggelenke oder Mittelfüße – nur eine nicht, die Älteste in der Mädelstruppe, die 29-jährige Christin. „Ich voltigiere seit 20 Jahren und mir ist noch nie etwas passiert“, sagt sie. Und durch die komplexen Bewegungsabläufe, fügt sie hinzu, „fördert Voltigieren auch das Hirn“.

Jedes Jahr eine neue Kür

Derzeit feilt die Gruppe an ihrer Kür, die sie in der kommenden Saison auf Wettkämpfen präsentieren will. Jedes Jahr ist es eine neue, denn Richter und Publikum sollen schließlich beeindruckt werden. Seit Oktober laufen bereits die Vorbereitungen, viermal pro Woche wird trainiert. „Wir sammeln immer erst gemeinsam Ideen, dann wird ausprobiert, wer welche Rolle am besten übernehmen kann“, berichtet Maleen Issler. Die besonders Starken kämen nach unten, um die Kleineren hochzustemmen. Wer besonders beweglich sei, dürfe dies auch in der Kür zeigen – wie gesagt, es geht darum, Eindruck zu machen.

Großer Vorbereitungslehrgang im März 2017

Gleichzeitig wird nach passender Musik gesucht und dann wird geübt – zuerst auf dem Holzbock, dann auf dem Pferd. „Da fangen wir im Schritt an und steigern uns, bis die ganze Kür auch im Galopp klappt“, erklärt Issler. Richtig zufrieden würden sie aber wohl erst Anfang März sein, prophezeit sie. Ende März zeigen die Hegnacher Voltigierer ihre neue Kür erstmals dem Publikum: bei einem Vorbereitungslehrgang im eigenen Verein. Insgesamt 200 Teilnehmer aus zwölf Vereinen haben dann die Möglichkeit, sich und ihr neues Programm unter Turnierbedingungen, aber noch ohne Wettkampfsituation, den Richtern zu stellen und sich letzte Tipps zu holen.

Immer einen Plan B parat

„Danach kommt dann der Feinschliff, damit wir gut in den ersten Wettkampf starten“, erklärt Issler. Sollte trotz allen Übens Ende April, wenn die Turniersaison beginnt, eine Übung noch nicht richtig sitzen, haben die Volti-Mädels einen ganz pragmatischen Plan B: „Dann greifen wir im Wettkampf auf eine einfachere Variante zurück. Die schwierige trainieren wir so lange weiter, bis wirklich alles klappt.“

65 Voltigierer in sechs verschiedenen Gruppen

Die Voltigierabteilung der RG Hegnach-Oeffingen zählt etwa 65 Voltigierer, die in sechs verschiedenen Gruppen trainieren. Die Jüngsten sind gerade mal fünf Jahre alt. Drei der Teams treten regelmäßig bei Wettkämpfen an, drei sind reine Anfängergruppen. Anfänger bedeutet in diesem Fall aber nicht, dass alles nur im Schritt gemacht wird, auch die Jüngsten drehen hier schon im Galopp ihre Runden – wenn auch noch mit den Händen an den Griffen des Voltigiergurts.

Kinderreiten bei der RG Hegnach-Oeffingen

Kinder, die gerne mal in den Reitsport hineinschnuppern und erste Runden auf dem Pferderücken drehen möchten, können dies am Sonntag, 19. Februar, von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr beim Kinderreiten der Reitergemeinschaft Hegnach-Oeffingen tun.

Eine Runde in der großen Halle kostet einen Euro. Parallel gibt es Kinderschminken.

Organisiert wird das Kinderreiten von den Hegnacher Voltigierern. Ihnen kommt auch der Erlös zugute: Fahrten zu Wettkämpfen werden so bezahlt, der Rest wird in neue Ausrüstung für die Voltigierpferde investiert.

Eröffnet wird die Veranstaltung am Sonntag von der Ponygruppe der Voltigierer. Sie zeigen gemeinsam mit Voltigierpony Moonlight, was sie schon können. Mit ihren 26 Jahren ist Moonlight übrigens die „Volti-Oma“.