Waiblingen

Von Weissach nach Waiblingen: Bürgermeister Ian Schölzel ein halbes Jahr im Amt

Ian Schölzel
Ian Schölzel an seinem Schreibtisch. © Benjamin Büttner

Zwölf Bewerbungen waren eingegangen für die Nachfolge von Christiane Dürr. Doch schon bald kristallisierte sich ein Favorit und letztlicher Sieger heraus: Ian Schölzel. Smart, locker im Umgang, kompetent in der Sache – so erleben die Waiblingerinnen und Waiblinger seither den neuen Ersten Bürgermeister. Vor ziemlich genau sechs Monaten wechselte er von Weissach im Tal an die Rems.

Es war alles andere als eine Flucht. Über Weissach spricht der 46-Jährige mit spürbarer Sympathie. Er habe seinen bisherigen Job mit Herzblut gemacht, sagt er, mit Mitte 40 dann die Chance für eine neue Herausforderung ergriffen. In Waiblingen rangiert er zwar „nur“ als zweiter Mann hinter Oberbürgermeister Sebastian Wolf, aber die Große Kreisstadt zählt eben auch siebenmal so viele Einwohner. Angesichts der schieren Größenordnung sind die Probleme, um die sich eine Verwaltung zu kümmern hat, zwar ähnlich, aber deutlich komplexer. Auch finanziell lohnt sich der Karrieresprung.

Erzieherinnen-Mangel: Kampagne zeigt Wirkung

Das erste halbe Jahr war geprägt vom Personalmangel an den Kitas, von der Energiekrise und der Flüchtlingsunterbringung. Landauf, landab sorgt der Mangel an Erzieherinnen für Engpässe und zwingt zur Verkürzung von Öffnungszeiten. Die Imagekampagne der Stadt für Betreuungskräfte zeigt Wirkung und sorgt für Entspannung, so dass bald nur noch drei städtische Kitas von zeitlichen Einschränkungen betroffen sind. Ian Schölzel ist optimistisch: „Wir haben einige gute Bewerbungen vorliegen.“ Verschärft wurde die Lage durch die Überbelastung des Personals infolge der Corona-Pandemie, durch Streiks und durch offene Stellen im zuständigen Fachbereich selbst. Bei einem großen Treffen mit Eltern aller Einrichtungen erläuterte die Stadt die Situation und zeigte Perspektiven auf.

Notunterkünfte für Flüchtlinge

Die Flüchtlingszahlen sind aktuell, vor allem infolge des Ukraine-Krieges, höher als 2015. Was die Bewältigung der Situation anbelangt, haben die Kommunen aus der damaligen Krise gelernt und die Hilfsbereitschaft von Privatleuten ist groß. Dennoch. Dass Hallen wie in Neustadt und Hohenacker mit Geflüchteten belegt werden, symbolisiere die Notsituation. In Zusammenhang mit der Energiekrise und der noch nicht ausgestandenen Pandemie mache der bevorstehende Winter Sorgen, sagt der Erste Bürgermeister. Die Zusammenarbeit bei der Einrichtung der Notunterkünfte funktioniere jedoch richtig gut.

Dauerärgernis Postplatz

Soziale Ungleichheit ist im beschaulichen Weissach weniger ausgeprägt als in Waiblingen. Das zeigt sich bei der Abteilung Soziale Leistungen, bei der alleinerziehende Mütter ankommen, die sich keine Hebamme leisten können. Und es zeigt sich im öffentlichen Raum wie etwa am Beispiel Postplatz und der dort sich oft aufhaltenden, unerwünschten Klientel. Diese gehöre freilich ab einer bestimmten Größe zu jeder Stadtgesellschaft, glaubt der Bürgermeister. Die Stadt will versuchen, den Platz durch eine Neugestaltung aufzuwerten, Leerstände aufzuheben sowie durch aufsuchende Sozialarbeit und die Kontrolle des Ordnungsdienstes einzuwirken. Als Chef des Dezernats II des Rathauses ist Schölzel auch dessen Vorgesetzter.

Kontrollen gegen Raser und Verkehrslärm

Aus vielen Ecken der Stadt gehen beim Rathaus Beschwerden ein über Verkehrslärm durch Raser und Autoposer - und viele fordern verstärkte Kontrollen. Tatsächlich wird sich die Zahl der Blitzer, ob mobil oder stationär, tendenziell erhöhen. Die Anschaffung eines mobilen Messgeräts ist konkret geplant. Zudem wird die Stadt ein Konzept für die Blitzer erarbeiten – die B 29 beim Höhenparkplatz steht als möglicher neuer Standort schon länger zur Debatte.

Sternstunden der sechs Monate waren aus Schölzels Sicht das Altstadtfest und der Vereinsmarkt, bei dem sich parallel zum Wochenmarkt die Vereine der Öffentlichkeit vorstellen konnten. Künftig wird er noch eine weitere Perspektive kennenlernen: Im Zuge der Klimaschutz-Bemühungen der Stadt wird Ian Schölzel wohl künftig öfter mit dem Dienst-E-Bike statt mit dem Auto unterwegs sein.

Zwölf Bewerbungen waren eingegangen für die Nachfolge von Christiane Dürr. Doch schon bald kristallisierte sich ein Favorit und letztlicher Sieger heraus: Ian Schölzel. Smart, locker im Umgang, kompetent in der Sache – so erleben die Waiblingerinnen und Waiblinger seither den neuen Ersten Bürgermeister. Vor ziemlich genau sechs Monaten wechselte er von Weissach im Tal an die Rems.

Es war alles andere als eine Flucht. Über Weissach spricht der 46-Jährige mit spürbarer Sympathie. Er

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