Waiblingen

Von wildem Wald und wilden Tieren

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Impressionen von der Sommertour durch den Stadtwald. © Habermann / ZVW
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Impressionen von der Sommertour durch den Stadtwald. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Für 40 Leser ging’s am Mittwochabend in den Wald. Bei kühlem, aber trockenem Wetter erfuhren sie, wie der Waiblinger Wald heute bewirtschaftet wird, und bestaunten einen Feuersalamander sowie die Fledermaushöhlen am Hörnleskopf. Für die Kinder hatte der Förster entlang einem Wildpfad einen Tierparcours vorbereitet. Zum Abschluss gab’s einen Blick über das Remstal im Abendlicht.

Mit zwei Riesen beginnt die Wanderung: an den zwei Mammutbäumen am Hanweiler Sattel, beide etwa 50 Jahre alt. „Man hat damals Versuche unternommen, diese aus Amerika stammenden Bäume hier in Deutschland anzusiedeln“, erklärt der Förster Andreas Münz. Allerdings habe die Baumart sich nicht durchgesetzt: Sie seien recht anfällig, ihr Holz sei sehr weich und weder für Möbel noch als Brennholz sonderlich geeignet. Dafür trotzten die Bäume wegen ihrer dicken Rinde in ihrer Heimat so manchem Waldbrand.

Douglasien ähneln Fichten

Ebenfalls aus den USA stammen die Douglasien, die der Förster den Teilnehmern ein Stück waldeinwärts zeigt. Die hohen Nadelbäume ähneln der einheimischen Fichte. „Douglasien eignen sich übrigens hervorragend als Weihnachtsbäume“, erläutert Münz. Auch wenn sie trocken würden, nadelten sie so gut wie nicht. Zudem seien sie sehr sturmstabil sowie resistent gegen Trockenperioden und Schädlinge. Seit einigen Jahren wird die Baumart deshalb in Deutschland gepflanzt, auch im Waiblinger Stadtwald.

Boden soll möglichst wenig verdichtet werden

Einigen Teilnehmern sind unterwegs bereits die Markierungen an den Bäumen aufgefallen. Was sie bedeuten, wollen sie wissen. „Die waagrechten Striche zeigen die Rückegassen an“, erklärt der Förster. Nur dort dürfen die Maschinen der Waldarbeiter fahren. „So wollen wir erreichen, dass der Boden möglichst wenig verdichtet wird und seine Funktion als Wasserspeicher behält.“ Die weißen Punkte kennzeichnen die sogenannten Zukunftsbäume – also „Bäume, die mal richtig dick werden sollen“. Alle zehn Jahre wird der Wald durchforstet und gelichtet. Bäume, die mit farbigen Strichen gekennzeichnet sind, müssen dann zugunsten der Zukunftsbäume weichen. Der Grund dafür sei einfach, sagt Münz: „Man hat festgestellt, dass das Massenwachstum auf einem Gebiet dasselbe ist, egal auf wie viele Bäume es sich verteilt.“ Gibt es weniger Bäume, werden diese dicker und lassen sich besser verwerten.

Der Wald muss sein Geld selbst verdienen

Denn der Wald ist für die Stadt auch eine Einnahmequelle. Nachhaltigkeit sei dabei in der Forstwirtschaft schon seit Jahrhunderten eine wichtige Maxime: „Es darf nur so viel Holz genutzt werden, wie auch nachwächst“, betont der Förster. Alle zehn Jahre wird der Bestand geprüft, die Bäume vermessen und das Ergebnis in Karten festgehalten. Bäume, die ihren Zieldurchmesser erreicht haben, können dann gefällt werden, und die kleineren Bäume haben wieder Platz und Licht zum Nachwachsen. „Man ist heute ganz weg vom Kahlschlag, wie er vor etwa 25 Jahren noch praktiziert wurde“, erklärt Münz. Das neue Konzept sei der naturnahe Waldbau, mehrschichtige Wälder mit Bäumen jeden Alters seien erwünscht. „Holz ist ein Rohstoff, der eigentlich unendlich ist, wenn man richtig damit umgeht.“

Totholz ist auch Lebensraum

Es gibt aber auch Stellen des Waldes, an denen der Mensch heute gar nicht mehr eingreift: sogenannte Vollreservate, wie zum Beispiel das Gebiet rund um den Ursprung des Gundelsbaches. Dort darf der Wald wild sein und bleibt sich selbst überlassen. Umgestürzte Bäume bleiben in diesen Waldstücken liegen, es wird kein Holz entnommen. Denn Totholz ist auch Lebensraum: Dort finden verschiedene Pflanzen und Insekten, wie der heutzutage seltene Hirschkäfer, Unterschlupf. Auch der Feuersalamander lebt im Quellgebiet des Gundelsbaches. Münz hat vor der Sommertour eines dieser kleinen Kerlchen eingesammelt und ihm in einer Kiste ein provisorisches Heim eingerichtet – jeder darf also mal einen Blick auf den leuchtend gelb-schwarzen Salamander werfen. „Er gebärt jedes Jahr etwa 60 Jungtiere lebend“, erklärt der Förster. Um diese aufzuziehen, brauche er sehr sauberes Wasser und das finde er hier.

Wildpfad mit Holztieren

Für die Kinder hat der Förster Münz einen Tierparcours vorbereitet: Entlang einem Wildpfad hat er liebevoll bemalte Holzfiguren aufgestellt. Insgesamt elf Waldbewohner hat er versteckt, darunter Frischling, Eichelhäher und Fuchs – die Kinder finden und kennen fast alle. Auch Fledermäuse leben im Waiblinger Stadtwald: in den Sandsteinhöhlen am Hörnleskopf. Früher wurde dort Sand abgebaut, heute überwintern dort neun verschiedene Arten der kleinen Flugsäuger. Einige Leser erinnern sich noch, dass sie als Kinder in den Höhlen gespielt haben – bewaffnet mit Kerzen und Omas Wäscheleine, um auch ja wieder hinauszufinden. Heute sind die Höhleneingänge verschlossen, durch die Gitter lässt sich aber ein Blick hineinwerfen. Vorbei an einem Dachsbau geht die Wanderung schließlich entlang dem Waldrand und mit herrlichem Blick über das Remstal zum Grillplatz am Schützenhaus, wo bereits kühle Getränke und Butterbrezeln auf die Teilnehmer warten.


1750 Fußballfelder

Der Waiblinger Revierförster Andreas Münz ist verantwortlich für 1250 Hektar Wald, dies entspricht etwa 1750 Fußballfeldern.

Im Waiblinger Wald finden sich 63 Prozent Laub- und 37 Prozent Nadelgehölze. Grund für den hohen Anteil an Laubbäumen seien die Stürme Wiebke (1990) und Lothar (1999), erläutert der Förster. Da beide im Winter gewütet haben, sind ihnen viele Nadelbäume zum Opfer gefallen. In dieser Jahreszeit bieten sie mehr Angriffsfläche als die dann blätterlosen Laubbäume.

Jährlich dürfen im Waiblinger Wald 3300 Festmeter Holz geschlagen werden. In Korb sind es 1000. In den letzten Jahrzehnten wurde aber eher weniger genutzt – als Reserve für eventuelle Sturmschäden, erklärt Münz.