Waiblingen

Waiblingen: Bekommt die Korber Höhe ein Hochhaus für Wohlhabende?

Hochhaus Korber Höhe
Zu den bestehenden Hochhäusern auf der Korber Höhe soll nach dem Willen der SPD-Fraktion noch ein gehobenes Hochhaus hinzukommen. © Gabriel Habermann

Ein hochwertiges Hochhaus für zahlungskräftige Bürger für die Korber Höhe: Daran will die SPD in Waiblingen laut ihrem Fraktionschef Roland Wied weiter festhalten. Vor einigen Jahren wurde die Idee eines Öko-Wohnturms bereits ausgiebig diskutiert. Es gab Entwürfe verschiedener Investoren – doch angesichts der Schwierigkeiten beim bis heute nicht fertigen Schwabenlandtower in der Nachbarstadt Fellbach verfolgte Waiblingen das Projekt nicht weiter.

Nun bringt die SPD das Ganze wieder ins Spiel, im Rahmen ihrer Haushaltsrede. „Auch unser vieldiskutiertes Hochhausgrundstück auf der Korber Höhe halte ich nach wie vor für die geeignete Stelle, wo man hochwertigen Wohnraum für potente Leute schaffen könnte, die ihre Häuser oder großen Wohnungen nicht mehr brauchen und gerne in Komfort und Service investieren würden“, betont Fraktionschef Roland Wied. Da könne man auch über neue Finanzierungsmodelle nachdenken. „Es gibt genügend Kapital, das man auch für genossenschaftliche Modelle oder Anteilsbeteiligungen mit temporärem Wohnrecht aktivieren könnte.“

OB Hesky: „Grünes Hochhaus“ war nicht als „Luxuswohnen“ gedacht

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist indes darauf, dass an ein „gehobenes Hochhaus“, also ein Hochhaus mit eher luxuriösen Wohnungen, schon bisher nicht gedacht worden sei. Auch das vor ein paar Jahren auf dem Grundstück vorgesehene „Grüne Hochhaus“ sei nicht als „Luxuswohnen“ gedacht gewesen – wobei sich laut OB Hesky die Bauweise auf die Baukosten und sicher auch auf den Preis und die Betriebskosten ausgewirkt hätte. „Auch Hochhäuser können gelingen, wie man an vielen anderen Stellen in der Bundesrepublik und auch in der Region sieht.“ Aber die Lage, der Bauträger und die Rahmenbedingungen müssten stimmen. „Auf der Korber Höhe wäre das aus meiner Sicht der Fall gewesen.“

Lehre vom Schwabenlandtower: Größe der Wohnungen muss marktfähig sein

Hesky ergänzt, dass auch Hochhäuser ihre Grenzen haben, die Wohnungen bezahlbar bleiben sowie im Preisgefüge passen müssen. „Dazu gehört, dass die Größe der Wohnungen angemessen und marktfähig ist.“ Bekanntlich war beim Fellbacher Schwabenlandtower, als er noch als Gewa-Tower firmierte, ursprünglich vorgesehen gewesen, 66 Luxuswohnungen zu schaffen. Nach der Insolvenz der früheren Bauträgergesellschaft wurde schließlich das Konzept geändert – und aus 66 großen Luxuswohnungen wurden 190 wesentlich kleinere Mietwohnungen.

Was die Finanzierung eines neuen Hochhauses in Waiblingen angeht, bringt die SPD die Idee eines genossenschaftlichen Modells ins Spiel. Hesky verweist allerdings darauf, dass Genossenschaften in Waiblingen leider keine richtige Tradition hätten. „In manchen anderen Städten sind diese mit marktbestimmend und sorgen für einen lebendigen Mietmarkt.“ Daher sei eine Genossenschaft generell ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. „Allerdings wäre eine genossenschaftliche Finanzierung für ein einzelnes Gebäude vermutlich nicht angemessen. Wenn dieser Weg beschritten würde, sollte eine breitere Bautätigkeit angedacht werden.“

OB Andreas Hesky sieht ein Problem in den Renditeerwartungen von Investoren

Bei der Alternatividee der SPD von Anteilsbeteiligungen mit temporärem Wohnrecht für ein mögliches Hochhaus betont der Waiblinger OB Andreas Hesky, dass „Geld“ bei solchen Projekten eigentlich nicht das Problem sei, eher die Renditeerwartung von Investoren. „Außerdem muss die Finanzierung zu den geplanten Wohnungen und der Vorstellung des Wohnungsmix passen.“

Weitere, beispielsweise soziale Aspekte wie Belegungsrechte der Stadt, Mietpreisbindungen unterhalb des Mietspiegels oder Wohnungen für besondere Personengruppen wie Senioren oder Menschen mit Behinderung beeinflussen nach Erfahrung des Oberbürgermeisters natürlich die zu erwartende Rendite für private Investoren. „Jede besondere Finanzierungsform verursacht zusätzlichen Verwaltungsaufwand und kostet Zeit, was sich letztlich auf die Mieten und den Projektablauf auswirken wird.“ Eine normale Eigentümergemeinschaft mit individuell finanzierten Wohnungen erscheint Hesky immer noch als die beste Lösung, sofern es nicht ein Mietshaus wird, für das man öffentliche Mittel bereitstellt oder einen institutionellen Investor sucht.

Probleme in Fellbach beim Schwabenlandtower wurden auf das Projekt „Grünes Hochhaus“ in Waiblingen übertragen

Hesky findet es indes bedauerlich, dass die Schwierigkeiten der Nachbarkommune in der Meinungsbildung auf das Projekt „Grünes Hochhaus“ in Waiblingen übertragen wurden. Dies ist nach seiner Ansicht passiert, ohne zu reflektieren, „dass auf der Korber Höhe zwar auch ein Hochhaus geplant wurde, das sich aber vom Ansatz völlig von dem Projekt in der Nachbarstadt unterschieden hat.“

Möglich wäre ein Hochhaus auf der Korber Höhe nach wie vor. Das besagte Hochhausgrundstück auf der Korber Höhe befindet sich weiter im Eigentum der Stadt. Das Grundstück liegt laut Hesky im Bereich der Sörenbachstraße/Korber Straße/Stauferstraße und grenzt an das Grundstück der Stadtwerke Waiblingen an, auf dem das Blockheizkraftwerk für die Nahwärme steht.

Hochhaus oder Mehrfamilienhäuser: Waiblinger Gemeinderat hat zwei alternative Planungen beauftragt

Im Moment gibt es bei der Stadt zwar konkrete Planungsschritte, allerdings zu einer generellen Bebauung des Grundstücks – also ohne Festlegung, ob dort ein Hochhaus oder ein oder mehrere Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen. „Der Gemeinderat hat zwei alternative Planungen beauftragt, die Grundlage für weitere Überlegungen sein sollen“, betont OB Hesky. Dabei werde es wieder eine Beteiligung der Bürgerschaft geben. Der zeitliche Rahmen für die Fertigstellung wäre 2027, da geplant ist, die Bebauung zu einem Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) zu machen. Solche IBA-Projekte beginnen laut Hesky nicht mit dem Spatenstich, sondern mit der Bürgerbeteiligung, die im Frühjahr 2021 umgesetzt und erfolgreich von der Bürgerschaft genutzt worden sei.

Bürgerbeteiligung auf der Korber Höhe geht weiter

Das Projekt wird nach Angaben des Oberbürgermeisters in diesem Jahr im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt (PTU) und sicher auch im Gemeinderat behandelt werden. „Es ist, neudeutsch, megatransparent“. Zu der Bürgerbeteiligung sei öffentlich eingeladen worden, die Ergebnisse seien umfassend öffentlich im Gemeinderat dargestellt worden.

Auch im Amtsblatt, in der Tagespresse und auf der städtischen Homepage sei darüber berichtet worden. Der Videofilm zur Bürgerbeteiligung „Neues Wohnen auf der Korber Höhe“ und die dazugehörenden Unterlagen und Ergebnisse können im Internet auf der städtischen Homepage abgerufen werden.

Ein hochwertiges Hochhaus für zahlungskräftige Bürger für die Korber Höhe: Daran will die SPD in Waiblingen laut ihrem Fraktionschef Roland Wied weiter festhalten. Vor einigen Jahren wurde die Idee eines Öko-Wohnturms bereits ausgiebig diskutiert. Es gab Entwürfe verschiedener Investoren – doch angesichts der Schwierigkeiten beim bis heute nicht fertigen Schwabenlandtower in der Nachbarstadt Fellbach verfolgte Waiblingen das Projekt nicht weiter.

Nun bringt die SPD das Ganze wieder

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