Waiblingen

Waiblingen: Busfirma baut Glasscheiben ein - die sollen den Fahrer gegen eine Corona-Infektion schützen, aber auch vor Gewalt

Bus Ticket
Die Trennscheibe zwischen Busfahrer und Fahrgast ermöglicht den persönlichen Fahrkartenverkauf. Das bringe ein Stück Normalität zurück, sagt Busfahrer Konstantin Janzen. Der 46-Jährige findet die Scheiben schön: „Das kann so bleiben.“ © Benjamin Büttner

Busfahren hat sich in der Coronakrise drastisch geändert. Die Fahrgastzahlen fielen mit den Ausgangsbeschränkungen Mitte März gen null, berichtet Ralf Steinmetz, Geschäftsführer des Busunternehmens Fischle. Seit dem 27. April gilt in Bus und Bahn die Maskenpflicht. Nur langsam ist die Zahl der Fahrgäste danach wieder angestiegen. Aktuell fahren rund halb so viele Menschen Bus wie vor Corona, sagt er. „Das alte Niveau werden wir lange nicht erreichen. Man merkt, die Menschen sind gerade einfach nicht so mobil.“ Für das Unternehmen bedeutet das einen Einnahmeneinbruch von bis zu 90 Prozent. Und trotzdem investiert das Unternehmen jetzt: Alle Busse werden an der Fahrerkabine mit Sicherheitsglas ausgestattet.

Nicht alle Busse mit Schutz ausgestattet

Wer am Busbahnhof in Waiblingen darauf achtet, sieht, dass nicht alle Busse von Fischle und auch von anderen Unternehmen mit Scheiben an der Fahrerkabine ausgestattet sind. In Bussen ohne diese Hygienemaßnahme müssen die Fahrgäste, wie sie während der Coronakrise gelernt haben, hinten einsteigen. Rot-weißes Flatterband trennt die Fahrgäste vom Busfahrer. Mehr als die Hälfte der 80 Busse von Fischle sind aber inzwischen mit Scheiben ausgestattet. Diese sind zertifiziert und vom Tüv zugelassen, sagt Geschäftsführer Ralf Steinmetz. Kommt es zu einem Unfall, bestehe für den Fahrer keine Gefahr. „Das ist Sicherheitsglas“, betont er.

Aus zwei Gründen habe sich die Firma gegen Kunststoff entschieden: „Kunststoff spiegelt sehr, gerade wenn man im Dunkeln unterwegs ist und Lichteinflüsse auf die Scheibe treffen.“ Wird der Fahrer geblendet, ist das ein Sicherheitsrisiko. Außerdem zerkratze Plastik zu schnell. „Das Glas ist nachhaltiger und dauerhaft“, so Steinmetz. Zwei Öffnungen hat das Glas – eine für den Fahrschein und eine für das Wechselgeld. Auch nach Corona sollen die Scheiben bleiben. Und nicht nur vor Infektionen schützen, sondern auch vor Gewalt: „Wenn auch selten, kommt es vor, dass es Übergriffe auf Fahrer gibt“, sagt Steinmetz. Zwar seien alle Busse mit Videoüberwachung ausgestattet, doch der Schutz durch das Glas sei ein weiterer Sicherheitsaspekt.

Wegen Hinweis auf Maske: Mann greift Fahrerin an

Erst kürzlich habe es einen Vorfall gegeben, bei dem eine Scheibe zwischen Busfahrer und Fahrgast hätte helfen können: Ein Fahrgast habe den Bus ohne Maske betreten, woraufhin die Busfahrerin den Mann aufgefordert habe, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen (auch bei Bussen mit Scheibe gilt die Maskenpflicht weiter). „Der Fahrgast war absolut uneinsichtig“, so Steinmetz. Der Mann habe die Fahrerin angehaucht, sei danach gewalttätig geworden und habe die Busfahrerin verletzt. Die Polizei ermittelt gegen den Mann.

Der Einbau der Scheibe habe neben der laufenden Wartung Priorität, sagt Steinmetz. „Wir haben eine Truppe in der Werkstatt, die sich nur damit beschäftigt.“ Drei bis vier Busse werden pro Tag mit dem Sicherheitsglas ausgestattet. Bis spätestens Ende Juli soll das Projekt abgeschlossen sein. Pro Scheibe inklusive Einbau bezahlt das Unternehmen etwa 2500 Euro. Die Ausstattung für 80 Busse kostet also rund 200 000 Euro. „Gott sei Dank hat das Land einen Zuschuss in Aussicht gestellt“, so der Geschäftsführer. Der sei zwar nicht vollständig kostendeckend, aber das Unternehmen werde auf jeden Fall einen Antrag stellen. „Das können wir nicht aus der eigenen Tasche zahlen“, sagt Steinmetz. „Denn auf der anderen Seite ist es so, dass wir seit März fast keine Fahrtkosteneinnahmen mehr haben. Und das bei vollem Aufwand.“

Motto: „Vorne rein – hinten raus“

In den Bussen von Fischle gilt nun wieder das Motto „Vorne rein – hinten raus“: Das Unternehmen hat die Busse mit Aufklebern gekennzeichnet, welche die Fahrgäste daran erinnern sollen, vorne einzusteigen und ein Ticket vorzuzeigen oder zu kaufen. Denn Fahrkarten können wieder beim Fahrer gekauft werden. Seitdem das wieder geht, sei ein Anstieg der verkauften Tickets zu verzeichnen gewesen, sagt Steinmetz. Was er von den Busfahrern mitbekommt, ist aber, dass manche Fahrgäste überrascht seien, die Busfahrt bezahlen zu müssen. „Wie, das kostet jetzt wieder Geld?“, heißt es dann. Auch als die Fahrgäste ihr Ticket nicht beim Busfahrer kaufen konnten, bestand die Pflicht, sich eine Fahrkarte zu kaufen, betont Steinmetz. Tickets mussten per App oder am Automaten gekauft werden – und das gilt in den Bussen, die noch nicht mit einer Trennscheibe ausgestattet sind, auch jetzt noch.

Fahrscheinkontrollen nehmen zu

Neben der Einstiegskontrolle beim Busfahrer führt das Unternehmen nun auch wieder verstärkt Fahrscheinkontrollen ein, so Steinmetz. „Wir müssen dem Einnahmeeinbruch massiv entgegenwirken.“ In Aussicht gestellt wurden vom Land Zuschüsse, welche die gravierenden Einnahmeausfälle von Bahn und Busunternehmen kompensieren sollen. Laut Verkehrsministerium stellt das Land dafür 200 Millionen Euro bereit.

Busfahren hat sich in der Coronakrise drastisch geändert. Die Fahrgastzahlen fielen mit den Ausgangsbeschränkungen Mitte März gen null, berichtet Ralf Steinmetz, Geschäftsführer des Busunternehmens Fischle. Seit dem 27. April gilt in Bus und Bahn die Maskenpflicht. Nur langsam ist die Zahl der Fahrgäste danach wieder angestiegen. Aktuell fahren rund halb so viele Menschen Bus wie vor Corona, sagt er. „Das alte Niveau werden wir lange nicht erreichen. Man merkt, die Menschen sind gerade

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