Waiblingen

Waiblingen ging bei Förderung neuer Sirenen leer aus - so reagiert die Feuerwehr

P3030110a
Eine Sirene an einem Feuerwehrgerätehaus im Remstal. © ZVW/Gabriel Habermann

Durch die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vom Juli 2021 ist die flächendeckende Notfall-Alarmierung durch Sirenen plötzlich wieder ein Thema – und zwar auch in Waiblingen.

Jochen Wolf, hauptamtlicher Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Waiblingen, sagte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales und Verwaltung (BSV), dass die Vergangenheit gezeigt habe, dass etwa bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest das Handynetz regelmäßig überlastet sei. Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sind zwar nicht davon betroffen, da sie den Betriebsfunk nutzen können – allerdings trifft es natürlich die Besucher. Hier könnten Sirenen Abhilfe schaffen – doch die Stadt Waiblingen ging wie 14 andere Kommunen im Rems-Murr-Kreis bei der jüngsten Runde für Förderanträge leer aus.

Feuerwehr-Kommandant: Hersteller können der derzeit hohen Nachfrage nach Sirenen gar nicht standhalten

Wer Geld hat, der bekommt aber nicht unbedingt sofort neue Sirenen. Jochen Wolf machte deutlich, dass die Lage am Markt gerade schwierig sei. Es gebe nur maximal vier Hersteller, die der derzeitigen deutschlandweit hohen Nachfrage nach Sirenen gar nicht standhalten könnten. Der Landkreis habe nun ein flächendeckendes Schallkonzept in Auftrag gegeben und wolle sich für eine flächendeckende Förderung einsetzen. Das Thema hatte erst im Februar für Aufsehen gesorgt, nachdem der Grünen-Abgeordneten-Kollegen Ralf Nentwich im Gespräch mit unserer Redaktion die bewilligten Zuschüsse in der Sirenen-Förderung für den Wahlkreis Backnang auf seine angeblich guten Drähte ins Regierungspräsidium zurückführte.

Nina-Warn-App hilft zwar - aber nur eine Minderheit hat sie auf dem Handy

Bis Waiblingen seine Sirenen-Standorte ausbauen kann, wäre die hiesige Feuerwehr laut Jochen Wolf immerhin bald in der Lage, mit zwei mobilen Anlagen im Ernstfall zu warnen. Diese können auf Fahrzeugen in maximal drei Meter Höhe die Bevölkerung informieren. Die mobilen Anlagen sollen in den nächsten Wochen geliefert werden. Zwar hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schon vor längerer Zeit die Warn-App Nina herausgebracht, allerdings ist diese laut dem Waiblinger Feuerwehrkommandanten nur von zehn bis 15 Prozent der Handynutzer in Deutschland installiert worden. So könne man im Fall eines Großbrandes wie jüngst bei Alba in Waiblingen zwar Menschen erreichen, aber eben nur eine Minderheit. Sirenen sind dagegen für alle unüberhörbar. Im Fall eines Brands könnten so zum Beispiel Bürger durch das akustische Signal dazu gebracht werden, sich sofort über die Medien über die aktuelle Gefahrenlage zu informieren.

Mit dem Ende des Kalten Kriegs wurden viele Sirenen abgebaut

Deutschland hatte übrigens schon mal eine umfassende Warn-Infrastruktur mit Sirenen – allerdings wurde diese laut Jochen Wolf nach dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er Jahre abgeschafft. Man habe gedacht, dass man das nicht mehr brauche. Jetzt ist die Lage, auch mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, eine andere.

CDU-Stadtrat Hermann Schöllkopf fand indes, dass die Stadt trotzdem die Bürger weiter darüber informieren sollte, dass es die Warn-App Nina fürs Handy gibt. Gerade bei einem Großbrand wie jüngst bei Alba in Waiblingen könne dies helfen, die Leute direkt zu informieren, etwa als Schutz vor dem Rauch ihre Fenster zu schließen. Was die Förderung von Sirenen angehe, sagte Schöllkopf, „können wir nur an die große Politik appellieren“.

Durch die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vom Juli 2021 ist die flächendeckende Notfall-Alarmierung durch Sirenen plötzlich wieder ein Thema – und zwar auch in Waiblingen.

{element}

Jochen Wolf, hauptamtlicher Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Waiblingen, sagte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales und Verwaltung (BSV), dass die Vergangenheit gezeigt habe, dass etwa bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest das Handynetz

Das Wichtigste aus der Region
  • Abo jederzeit kündbar
  • Ein Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
  • Täglicher Newsletter aus der Redaktion