Waiblingen

Waiblingen: Hazha Mohammed übernimmt die Söhrenberg-Apotheke und Burg-Apotheke

Apothekerin
Hazha Mohammed (34) ist Inhaberin der Söhrenberg-Apotheke in der Neustadter Hauptstraße 91 in Neustadt (siehe Bild) sowie der Burg-Apotheke in der Karl-Ziegler-Straße 52 in Hohenacker. © ZVW/Benjamin Büttner

Hazha Mohammed (34) ist in diesem Jahr Chefin zweier Apotheken geworden. Sie übernahm die Burg-Apotheke in Hohenacker sowie die Söhrenberg-Apotheke in Neustadt – und investierte allein dafür mehr als ein halbes Jahr Arbeit. Parallel zu ihrem Job als damals noch angestellte Filialleiterin stemmte sie nach einem Neun-Stunden-Tag in einer Apotheke in Bad Cannstatt abends die Planung für ihren Schritt in die Selbstständigkeit. „Es war eine besonders harte Zeit“, sagt Hazha Mohammed.

Hazha Mohammed ist meistens in der Apotheke in Neustadt

Von vielen Kunden, gerade von den älteren, erlebt sie indes viel Dankbarkeit, dass es weiter die Apotheke vor Ort gibt – und sie nicht auf Online-Apotheken angewiesen sind. „Viele kennen sich in der Internet-Welt nicht aus“, sagt die 34-Jährige. Die beiden Apotheken kaufte sie ihrem Vorgänger Stefan Notter ab, der die Burg-Apotheke in Hohenacker 17 Jahre lang betrieb und die Söhrenberg-Apotheke in Neustadt sogar 35 Jahre. Die Apotheke in Neustadt ist auch jene, in der Hazha Mohammed in der Regel anzutreffen ist. Gegenüber dem Regierungspräsidium muss sie als Apothekerin, die mehr als eine Apotheke besitzt, angeben, welche ihre Hauptapotheke ist. Die andere in Hohenacker wird von einer angestellten Filialleiterin geführt.

Medikamente können auch über den Webshop bestellt werden

Hazha Mohammed sucht übrigens noch Apotheker und Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) für ihre beiden Apotheken. Alls junge Inhaberin ist sie zudem offen für neue Projekte. So können beispielsweise auch Medikamente über den Webshop auf der Homepage bestellt und nach Hause geliefert werden. „Dennoch bieten wir auch gerne telefonisch zusätzlich eine pharmazeutische Beratung, falls dies gewünscht ist.“

Medikamenten-Vorrat wird aufgestockt – so müssen Kunden nicht zweimal kommen

Weiter aufstocken will Hazha Mohammed ihren Vorrat an Medikamenten, sowohl bei den verschreibungspflichtigen als auch den rezeptfreien. Seit der Übernahme der Apotheke arbeitet sie daran und ist laut eigenem Bekunden auch schon ein Stück vorangekommen. Die räumlichen Voraussetzungen dafür sind gegeben, was durchaus nicht bei jeder Apotheke so ist. „Wir haben relativ viel Stauraum.“ So ein Lager, weiß die 34-Jährige, müsse aber gepflegt werden – und zwar auf Basis einer guten Statistik. Hazha Mohammed muss erst mal herausfinden, welche Medikamente ihre Kunden wie oft ordern. Wenn sie zum Beispiel weiß, dass ein bestimmtes verschreibungspflichtiges Medikament fünfmal im Jahr gekauft wird, lohnt es sich für sie, das Medikament auf Vorrat zu haben. Dann kann sie es ihren Kunden gleich geben, wenn diese mit dem Rezept vom Arzt in die Apotheke kommen.

Corona-Schnelltests gibt es in der Söhrenberg-Apotheke 

In Neustadt bietet Hazha Mohammed auch Corona-Schnelltests an. Dort, sagt sie, gebe es nämlich einen Hintereingang, durch den die Kunden zum Schnelltest kommen können. Mit Blick auf positive Testergebnisse ist so wenigstens ein gewisser Schutz der anderen Kunden und des übrigen Personals möglich. In der Burg-Apotheke in Hohenacker müsste die 34-Jährige auch erst mal das dortige Büro umgestalten, um Schnelltests anbieten zu können.

Hazha Mohammed kann sich vorstellen, von Oktober 2022 an auch PCR-Tests anzubieten

PCR-Tests gibt es bei Hazha Mohammed derzeit nicht – aber das, sagt die Apothekerin, würde sie jederzeit ändern, wenn dies die Lage nötig machen sollte. „Ich könnte mir vorstellen, ab Oktober PCR-Tests anzubieten.“ Schließlich rechnen derzeit viele damit, dass im Herbst das Infektionsgeschehen stark anzieht. Die Pandemie hat Hazha Mohammed gelehrt, dass man schnell reagieren muss. Wenn sie daran denkt, was die Apotheken bislang wegen Corona alles zu schultern hatten, von der Ausgabe der FFP2-Masken bis zum Angebot von Corona-Impfungen, dann empfindet sie das als eine enorme Leistung.

Hazha Mohammed wäre auch bereit, als Apothekerin bei Bedarf irgendwann gegen Corona zu impfen. Die entsprechende Schulung dazu hat sie absolviert, sie dürfte also jederzeit. Im Moment ist die Nachfrage nach Corona-Impfungen nicht besonders hoch, der Bedarf kann aus Sicht der 34-Jährigen derzeit in den örtlichen Arztpraxen abgedeckt werden. Die Apothekerin könnte sich im Fall der Fälle vorstellen, einmal in der Woche immer an einem bestimmten Tag zu impfen, etwa am Dienstag- oder Mittwochnachmittag. „Ich bin da sehr offen.“

Fachkräftemangel auch bei den Apotheken

Als Hazha Mohammed noch Pharmazie studierte, hatten nicht wenige Sorgen vor der zunehmenden Konkurrenz durch Online-Apotheken. Das Problem heutzutage sieht die 34-Jährige in ihrer Branche indes eher im Fachkräftemangel. Sie stellt allerdings fest, dass die Apotheken im Rems-Murr-Kreis im Vergleich zu anderen Teilen der Republik eine starke Stellung haben. Das merkt sie zum Beispiel daran, dass sie bei den Notdiensten nur etwa alle vier Wochen dran ist. Nur einmal im Jahr muss sie zweimal in einem Monat ran. Hazha Mohammed kennt eine Apothekerin anderswo, die regelmäßig alle zwei Wochen Notdienst hat.

Kindheitstraum wird wahr

Apothekerin zu werden war für Hazha Mohammed ein Kindheitstraum. Sie war zwölf Jahre alt, als sie einen Apotheker im weißen Kittel in seiner Apotheke sah und den Entschluss fasste, diesen Beruf zu ergreifen. In den späten 90er Jahren war Hazha Mohammed mit ihren Eltern und Geschwistern nach Deutschland gekommen. Die kurdische Lehrer-Familie aus dem Norden des Iraks musste aus politischen Gründen fliehen, damals wurde das Land noch von dem 2003 gestürzten Diktator Saddam Hussein mit brutaler Gewalt reagiert. Innerhalb eines Jahres lernte Hazha Mohammed Deutsch, sie schaffte das Abitur und studierte in Tübingen Pharmazie – ihr Kindheitstraum wurde wahr. „Ich bereue es keine Sekunde und bin sehr, sehr glücklich.“

Hazha Mohammed (34) ist in diesem Jahr Chefin zweier Apotheken geworden. Sie übernahm die Burg-Apotheke in Hohenacker sowie die Söhrenberg-Apotheke in Neustadt – und investierte allein dafür mehr als ein halbes Jahr Arbeit. Parallel zu ihrem Job als damals noch angestellte Filialleiterin stemmte sie nach einem Neun-Stunden-Tag in einer Apotheke in Bad Cannstatt abends die Planung für ihren Schritt in die Selbstständigkeit. „Es war eine besonders harte Zeit“, sagt Hazha

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