Waiblingen rockt ein ganzes Wochenende
Waiblingen. Die Altstadt als Partymeile: Mit guter Laune, leckerem Essen und feucht-fröhlicher Stimmung trotzen tausende Besucher dem durchwachsenen Wetter und feiern beim Altstadtfest bis in die Nacht hinein. Auch beim Staufer-Spektakel wird trotz Regen und Gewitter in Zelten genächtigt, um den Besuchern das Mittelalterleben nahezubringen.
Diesem Wochenende wurde lange entgegengesehnt, denn kaum ein Straßenfest in der Region ist beliebter als das Altstadtfest in Waiblingen. In Scharen ziehen Jugendgruppen, Familien und Paare am Freitagabend in den Stadtkern, um im Schatten der historischen Gebäude Waiblingens gemeinsam zu feiern. „Wir freuen uns jedes Jahr auf das Altstadtfest-Wochenende, denn hier trifft man viele bekannte Gesichter und kommt bei einem Gläschen Wein ganz ungezwungen ins Gespräch“, finden Sarah Saraiva und Isbabell Huber, die aus Winnenden und Schwaikheim zum Altstadtfest gekommen sind. Gemeinsam ziehen die 23 Jahre alten Freundinnen von Stand zu Stand. Dabei halten sie hier und da inne, um sich etwa eine rote Wurst beim Stand der Metzgerei, einen Crêpe bei den Pfadfindern zu kaufen oder einer Band auf einer der zahlreichen Bühnen zu lauschen. „Auch wegen des leckeren Essens, den kühlen Getränken und der guten Musik lohnt es sich immer wieder zu kommen. Wir sind schon das zwölfte Jahr in Folge auf dem Altstadtfest“, berichten die beiden.
Ihr Zug über das Fest endet schließlich bei der Schiedsrichtergruppe, die gemeinsam mit Tigre Vermelho eine Bar bei der Hahnschen Mühle betreibt. Hier feiern viele junge Leute zu südamerikanischer Musik auf einer überdachten Tanzfläche. Diese bot am Freitagabend vielen Besuchern Schutz, als gegen 22.30 Uhr sinnflutartige Wolkenbrüche und Gewitter dem bunten Treiben ein jähes Ende setzen. „Viele Gäste sind aufgrund des Starkregens am Freitagabend früher gegangen. Unter den Rathausarkaden wurde aber dennoch bis in die Nacht im Trockenen weitergefeiert“, berichtet Jochen Griesmeier, Geschäftsführer des VfL Waiblingen, der am Rathausplatz für Speisen und Getränke sorgt.
Umso mehr freuen sich die Veranstalter, dass es am Samstag nur vereinzelte Schauer gibt und es abends trocken bleibt. Auch während „Waiblingen rockt“, der zweistündigen Auftritte von jungen Talenten und Nachwuchsmusikern aus Waiblinger Schulen und der Region auf der Bühne am Marktplatz, hält das Wetter. Mit bekanntem Rock und Pop sowie selbst geschriebenen Stücken, beispielsweise für die Terroranschläge in Paris, begeistern die Schulbands die Zuschauer. Pünktlich zum Familiensonntag scheint dann auch wieder die Sonne. „Aufgrund des Deutschlandspiels erwarten wir aber ab 18 Uhr kaum noch Besucher“, meint Jochen Griesmeier.
Viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz
Er lobt auch die gute Zusammenarbeit der Vereinsmitglieder und freut sich über die große Anzahl an freiwilligen Helfern. Allein mehr als 250 Vereinsmitglieder des VfL Waiblingen arbeiteten am Altstadtfestwochenende beim Auf- und Abbau sowie Verkauf im Schichtbetrieb.
Seit nunmehr zehn Jahren gehört auch das Staufer-Spektakel auf der Brühlwiese beim Bürgerzentrum mit zum Programm des Altstadtfests. „Damals wollte der Heimatverein einmalig ein Mittelalterfest ausrichten“, erinnert sich Martina Lenzen von der WTM Waiblingen, die für die Organisation des Spektakels verantwortlich ist. Heute ist der bunte Markt mit seiner Handwerkergasse, dem köstlich duftendem Essen und den Schaulagern sowie dem abwechslungsreichen Bühnenprogramm nicht mehr wegzudenken. Neben Räucherwerken, Tonkrügen, Schmuck aus Naturstein und Garn vom Spinnrad bietet das Staufer-Spektakel zum Jubiläumsjahr einen ganz besonderen Höhepunkt: Drei Männer betreiben mit reiner Muskelkraft ein Wikinger-Karussell. Für drei Euro pro Fahrt werden Kinder und Erwachsene dabei, auf Bänken in kleinen Booten sitzend, zunächst noch oben geschraubt, um sich im nächsten Augenblick immer schneller werdend wieder nach unten zu drehen.
Doch nicht nur das neue Karussell sorgt am Wochenende für Aufsehen. Der Verein Supllicum Malum ist das erste Mal mit seinem fahrenden Foltermuseum mit auf der Brühlwiese dabei. „Wir wollen den Leuten auch die dunklen Seiten dieser Epoche zeigen, damit ihr Bild vom Mittelalter nicht von all dem bunten Rummel verzerrt wird“, begründet Vorstand Andreas Höfler und deutet auf eine hölzerne Streckbank. „Kaum einer weiß um den wahren Gebrauch vieler Folterinstrumente. Wir haben uns schlaugemacht und sie dann selbst nachgebaut“, erzählt Vereinsmitglied Steve Grüßenbeck und zeigt, wie die Seile um die Hand- und Fußgelenke angelegt wurden, um den Blutfluss zu stoppen und so Schmerzen auszulösen. Dabei achten die beiden Männer in ihren schwarzen Gewändern darauf, dass ihre Show stets kindgerecht ist – wer weitere Informationen will, kann aber jederzeit nachfragen. Die Nächte haben die Schausteller trotz Gewitter und Starkregen in ihren Zelten verbracht – schließlich war das früher ja auch nicht anders.
Besonders beeindruckt ist Andreas Höfler von der guten Organisation des Mittelaltermarkts: „In regelmäßigen Abständen bekomme ich eine SMS von der Feuerwehr, ob mit unseren Zelten alles in Ordnung sei.“ Da ist die neue Technik eben selbst auf dem Mittelaltermarkt von Vorteil. Alles in allem sind Veranstalter und Besucher sehr zufrieden, ganz nach dem Motto „Wir haben das Beste draus gemacht“.
Glück beim Unwetter
Oliver Conradt, Leiter der städtischen Abteilung Ordnungswesen, war am Sonntag mehr als erleichtert, dass in Waiblingen das Unwetter vergleichsweise milde wütete. „Alles war im grünen Bereich. Da haben wir Glück gehabt.“ 2012 war das anders, weshalb Stadt und Feuerwehr lieber auf Nummer sicher gingen. Laut Jürgen Aldinger, dem stellvertretenden Kommandanten der Waiblinger Wehr, schickte die Feuerwehr stetig SMS an die Standbetreiber. Die basierten auf den Unwetter-Warnungen des Deutschen Wetterdienstes, die sich jedoch – anders als zum Beispiel in Murrhardt oder Rudersberg – in Waiblingen dann doch nicht erfüllten. (bkl)
Adieu, Altstadtfest - bis zum nächsten Mal!
Der Deutsche Wetterdienst hatte ja ein heftiges Unwetter für den Kreis vorhergesagt – doch Waiblingen ist glimpflich davongekommen. So konnte auf dem 42. Altstadtfest ausgelassen gefeiert werden – und dabei wirkten wieder viele Vereine und Gruppen mit: der FSV, der VfL, der Schachclub, der Heimatverein, die Erste Waiblinger Faschingsgesellschaft, der rumänische Kultur- und Sportverein „Luceafarul“, die Griechische Gemeinde, die Union der Griechen aus Pontos 19. Mai, die Landsmannschaft der Banater Schwaben, Iraklis, AC Beinstein Italia, Armare, Bratstvo, Zrinski, der Türkische Kultur- und Sportverein, die Reservisten, die Oase des Lebens, der Freundeskreis Christliche Pfadfinder, die Christliche Pfadfinderschaft, der Philharmonische Chor, Pop-Collection, die Tauchsportgruppe, das städtische Orchester, der Motorsportclub, die Freiwillige Feuerwehr, Tigre Vermelho und die Schiedsrichtergruppe. Das Staufer-Spektakel feierte in diesem Jahr runden Geburtstag: Bereits zum zehnten Mal sorgten Mittelaltergruppen auf der Brühlwiese dafür, dass die Besucher in eine andere Welt eintauchen konnten.

