Waiblingen

Waiblingen: So funktioniert das Radhaus am Bahnhof

Radhaus
Das Radhaus am Bahnhof von Waiblingen. © ZVW/Benjamin Büttner

Das Fahrradparkhaus am Waiblinger Bahnhof hat schon so einige Termine kommen und gehen sehen – nun könnte die Eröffnung der modernen Abstellanlage für Zweiräder aber tatsächlich in greifbare Nähe rücken. Am 15. Februar, das hat die Stadt bekanntgegeben, wird der Probebetrieb losgehen. Also auf den Tag genau so, wie es die Verwaltung im Dezember gegenüber unserer Redaktion angekündigt hatte. Und auch einen konkreten Termin für die endgültige Eröffnung gibt es jetzt: Es ist der 1. April, wie der Leiter der städtischen Parkierungsgesellschaft, Werner Nußbaum, unserer Zeitung sagte.

653 000 Euro hat das Waiblinger Radhaus gekostet, 75 Prozent davon stammen aber nicht aus der Stadtkasse, sondern vom Verband Region Stuttgart, erklärt Michael Seeger, Leiter des Fachbereichs Städtische Infrastruktur, bei einem Vor-Ort-Termin.

Waiblingen hat mit dem Bau auch ein Stück weit Neuland betreten. Es sei erst das dritte Parkhaus dieser Machart in Deutschland, erläutert Rudolf Schmidt, der auf 450-Euro-Basis als technischer Betreuer der Anlage bei der Parkierungsgesellschaft angestellt ist. Das erste stehe in Offenburg, das zweite in Ravensburg – und nun also eines in Waiblingen, wobei hier neuere Technik zum Einsatz komme.

Hersteller ist die Firma Otto Nußbaum aus Kehl, die mit Hebebühnen für Autowerkstätten groß geworden ist – und laut Infrastruktur-Leiter Seeger bis auf den Nachnamen nichts mit dem städtischen Parkierungschef Werner Nußbaum zu tun hat.

120 Fahrräder sollen im Inneren des Waiblinger Radhauses Platz finden. Das sind 30 mehr, als vorher in den abschließbaren Mietboxen untergebracht werden konnten, die auf dem Gelände vorm Bahnhof standen. Zusammen mit den übrig gebliebenen Boxen könnten künftig circa 170 Räder diebstahlgeschützt geparkt werden, so Werner Nußbaum.

Zusätzlich gibt es natürlich weiterhin die normalen Radständer, an die Fahrräder angeschlossen werden können. Ohne Tür und sonstigen Schnickschnack, aber immerhin überdacht und kostenlos.

So viel kostet ein Platz pro Monat an Miete

Wer einen der Plätze im Parkhaus anmietet (Mindestdauer laut Nußbaum ein Monat), zahlt ebenso viel wie für die schon bekannten Radboxen: fünf Euro monatlich, das ganze Jahr kostet nur 50 Euro. Die Preise seien vom Gemeinderat für fünf Jahre festgeschrieben.

Öffnen kann man das Radhaus – oder vielmehr die automatische Tür einer der kleinen Abstellkabinen; der Kunde betritt das Gebäude nicht – mit einer Karte der Parkierungsgesellschaft oder der Polygo-Karte, die S-Bahn-Dauerkunden haben. Sie muss von der Verwaltung freigeschaltet werden.

Besonders kompliziert sieht das Prozedere nicht aus: Ein grünes Licht vor den Türen (es gibt insgesamt zwölf, jeweils sechs an zwei Seiten des Turms) zeigt, welche Abstellboxen frei sind. Karte vor das Licht halten, die Tür geht hoch, Rad rein (rückwärts, Hinterrad in einen gelb markierten Haltebügel schieben), Karte wieder vor den Sensor halten, Tür schließt sich.

Wovon der Kunde nichts mitbekommt: Sind die sechs nebeneinanderliegenden Boxen voll, werden die Räder automatisch auf die nächste Etage gehoben und dort gelagert.

Videokameras sollen für Sicherheit sorgen

Um sein Rad wiederzubekommen, hält man die Karte an ein anderes Lesegerät, das sich an einer Wand rechts der Türen befindet. Dann tippt man auf dem Touch-Display auf „Fahrrad abholen“ und bekommt die Nummer der richtigen Tür angezeigt. Neben dem Display befindet sich eine Sprechanlage, mit der man die Leitstelle der Marktgarage erreichen kann. Das Personal dort soll künftig auch Tipps geben, wenn etwas nicht klappt.

Außerdem hält es die Bilder der Videokameras im Blick, die aus Sicherheitsgründen die Eingangsbereiche des Fahrradparkhauses filmen. Besetzt ist die Leitstelle von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts am Folgetag (am Wochenende bis zwei Uhr).

Zur Ausstattung des Turms gehören weiterhin 20 separate Fächer, in denen an Steckdosen die Akkus von Pedelecs aufgeladen werden können – ohne zusätzliche Kosten für die Mieter. Bei Bedarf könnten weitere Lademöglichkeiten nachgerüstet werden, so Werner Nußbaum. Das System sei das gleiche wie in der Marktgarage und im Bürgerzentrum.

In der Box, in der das Fahrrad platziert wird, gibt es einen Wandhaken, an dem etwa ein Fahrradhelm oder Rucksack gehängt werden kann. Und das aus gutem Grund, denn lose Gegenstände wie Körbe oder Gepäcktaschen dürfen auf keinen Fall am Fahrrad bleiben, betont Baubürgermeister Dieter Schienmann. Das sei nach Angaben des Herstellers die größte Fehlerquelle im Parkbetrieb.

Wo kann man sich zur Einweisung anmelden?

Abgesehen davon ist die Nutzung des Radhauses sicherlich kein Hexenwerk. Dennoch bleibt es dabei: Wer einen Platz anmieten will, muss vorher eine Einweisung mitmachen (wir berichteten). Man folge damit der Empfehlung des Herstellers und der Städte, die schon ein Fahrradparkhaus betreiben, sagt Schienmann.

Dadurch wolle man gerade zu Beginn Fehler vermeiden, so der Baubürgermeister. Wenn man nach einer gewissen Zeit feststelle, dass die Einweisung doch nicht nötig ist, „dann lassen wir es“. Für einen Einweisungstermin anmelden kann man sich unter Tel. 0 71 51/50 01 25 10 oder per E-Mail an parkierungsgesellschaft@waiblingen.de.

Laut Werner Nußbaum, der auch den Fachbereich Bürgerdienste der Stadt leitet, haben bislang rund 20 Radler ihr Interesse an der Einweisung gemeldet. Etwa 100 Plätze wären also noch frei im Waiblinger Fahrradparkturm.

Einige der Interessenten sind Nußbaum zufolge bisher Mieter einer Radbox am Pkw-Parkhaus Innerer Weidach. Dieses wird aber am 16. März abgerissen. Die zehn Boxen würden daher an den Bahnhof Neustadt-Hohenacker versetzt.

Wird nun also, nach einem etwas holprigen Anlauf, alles gut mit dem Waiblinger Fahrradparkhaus? Ein Problem bleibt: Wer nur ab und zu, etwa bei schönem Wetter, zum Bahnhof radeln will, wird das neue Radhaus vorerst nicht nutzen können – anders als vom Gemeinderat gewünscht (wir berichteten).

Für das flexible Parken ohne Mietvertrag gebe es einfach noch keine technische Einrichtung, so Fachbereichsleiter Nußbaum. Das müsse der Hersteller noch ermöglichen. „Der Hersteller weiß, dass die Verwaltung und unser Gemeinderat an der Spontannutzung stark interessiert sind.“

Info

Der Probebetrieb startet am Samstag, 15. Februar, um 11 Uhr. Oberbürgermeister Andreas Hesky und Regionaldirektorin Nicola Schelling vom Verband Region Stuttgart geben das Parkhaus für die Testnutzer frei. Schon ab 10 Uhr können Interessierte das Innere besichtigen. Die Stadt will dann auch die E-Bike-Verleihstation nebenan zeigen. Außerdem bieten der Fahrradclub ADFC und ProVelo an, das eigene Fahrrad als Diebstahlschutz codieren zu lassen.

Das Fahrradparkhaus am Waiblinger Bahnhof hat schon so einige Termine kommen und gehen sehen – nun könnte die Eröffnung der modernen Abstellanlage für Zweiräder aber tatsächlich in greifbare Nähe rücken. Am 15. Februar, das hat die Stadt bekanntgegeben, wird der Probebetrieb losgehen. Also auf den Tag genau so, wie es die Verwaltung im Dezember gegenüber unserer Redaktion angekündigt hatte. Und auch einen konkreten Termin für die endgültige Eröffnung gibt es jetzt: Es ist der 1. April, wie

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