Waiblingen

Waiblingen: Warum Mieter Konflikte scheuen und welche Sorgen Eigentümer haben

MartinZerrer
Martin Zerrer aus Korb ist seit 2018 Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung. Er ist selbst Eigentümer und weiß auch aus eigener Erfahrung, welche Herausforderungen es derzeit gibt. © ZVW/Gaby Schneider

„Die Leute machen kein großes Fass auf, weil sie Angst haben, sie verlieren die Wohnung“: Laut Martin Zerrer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung, melden sich gerade wesentlich weniger Mitglieder wegen Streitigkeiten mit Mietern. Ein paar Probleme mit dem Garten, etwa wegen nicht geschnittener Hecken, gibt es jetzt saisonbedingt, aber ansonsten beschreibt der Korber CDU-Gemeinderat die Lage als ruhig.

Er führt die geringere Konfliktbereitschaft von Mietern auf die Sorgen wegen der gestiegenen Energiekosten und der Ungewissheit bei der Gasversorgung zurück. „Man weiß ja selber nicht, wo es hingeht“, sagt Zerrer. Was sich nicht geändert hat, ist nach seiner Darstellung der Beratungsbedarf der Mitglieder – sei es bei energetischen Sanierungen oder der Bearbeitung der Grundsteuererklärung. So gesehen hat Martin Zerrer keine Sorgen, dass der Haus- und Grundbesitzerverein nicht mehr gebraucht wird.

1922 wurde dieser in Waiblingen von genau 76 Männern gegründet, größtenteils von Handwerkern. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte damals eine Wohnungsnot, auf die der Staat mit einem sogenannten Reichsmietegesetz reagierte, das die Rechte von Mietern stärkte. Mietervereine gründeten sich damals, aber eben auch Hausbesitzervereine, die sich für die Rechte von Eigentümern einsetzten.

Grußworte von Landrat Richard Sigel und Oberbürgermeister Sebastian Wolf

Gefeiert wird der 100. Geburtstag des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung nun am Samstag, 10. September 2022, mit einer Jubiläumsveranstaltung im Ghibellinensaal des Bürgerzentrums Waiblingen. Saalöffnung ist bereits um 9 Uhr, um 10 Uhr beginnt dann das Programm mit Grußworten von Landrat Richard Sigel, Oberbürgermeister Sebastian Wolf, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (ist zugleich auch Vorsitzender von Haus und Grund Württemberg) und dem Waiblinger Haus-und-Grund-Vorsitzenden Martin Zerrer. Der Magier Topas aus Stuttgart sorgt mit seiner Show für Unterhaltung und das Trio der Musikhochschule Stuttgart kümmert sich um die musikalische Umrahmung. Zudem gibt es eine Pause mit einem Mittagsimbiss im Welfensaal und im Foyer. Um 13.30 Uhr beginnt dann die ordentliche Mitgliederversammlung.

Jeder Gast der Jubiläumsveranstaltung soll eine Flasche Wein erhalten

Bislang haben sich laut Martin Zerrer fast 300 der etwa 5400 Vereinsmitglieder für den Festakt angemeldet. Bis allerspätestens Dienstag, 6. September, können sich Interessierte für die Veranstaltung noch anmelden. Danach geht es laut Martin Zerrer nicht mehr, da schließlich der Caterer auch Bescheid wissen muss, wie viel Essen und wie viele Getränke benötigt werden. Zudem hat der Verein bei der Remstalkellerei einen Jubiläumswein in Auftrag gegeben. „Jeder Gast kriegt ein Fläschle Wein“, verspricht Martin Zerrer. Er ist froh, dass nach all den Einschränkungen der Corona-Zeit die Veranstaltung ohne große Auflagen möglich ist – wobei die Sorgen der Mitglieder deswegen nicht kleiner sind.

Die Grundsteuerreform zum Beispiel treibt gerade laut Martin Zerrer viele Mitglieder um, da sie nicht wissen, wie sie die Formulare ausfüllen müssen. Abgegeben werden muss alles bis Ende Oktober. Hier hilft den Mitgliedern eine Steuerberaterin in der Geschäftsstelle in der Mühltorstraße 18 in Winnenden – allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. Der Service, sagt Martin Zerrer, gelte auch für Neumitglieder. „Die können eintreten und sofort die Beratung bekommen.“ Kostenfrei sei bei Haus und Grund jede mündliche Beratung, bei einem Jahresbeitrag von 40 Euro.

Vorsitzender plant Kooperation mit der Energieagentur Rems-Murr

Wer mit seiner Immobilie Energie sparen will, der kann sich als Mitglied von den Architekten Albert Bolay und Heiner Tressl beraten lassen. „Wir sind vollkommen neutral“, verspricht Martin Zerrer. Die Kosten dafür zahle der Verein. Empfehlungen für bestimmte Firmen, sagt der Vorsitzende, gebe man bewusst nicht. Für die nähere Zukunft überlegt Martin Zerrer, eine Kooperation mit der Energieagentur Rems-Murr einzugehen, deren Gesellschafter die Stadt Waiblingen und der Rems-Murr-Kreis sind. Der Korber hofft, dass Mitglieder von Haus und Grund im Rahmen einer solchen Kooperation vielleicht einen Rabatt für Beratungsleistungen bekommen können.

Dass das Thema Energie vor dem Hintergrund stark gestiegener Gaspreise viele Menschen umtreibt, merkt Martin Zerrer auch daran, dass es derzeit Menschen gibt, die wissen wollen, ob sie sich wieder eine Ölheizung einbauen lassen können. Mitgliedern empfiehlt Martin Zerrer, auf Mieter zuzugehen und diesen vorzuschlagen, wegen der gestiegenen Energiekosten einvernehmlich die Nebenkostenvorauszahlung zu erhöhen. Dies hat für die Mieter aus seiner Sicht auch einen Vorteil, nämlich dass es bei der jährlichen Abrechnung keine hohen Nachzahlungen gibt.

Martin Zerrer wurde mal gefragt, ob 14 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter in einem 50 Jahre alten Haus möglich wären

Viel Wert legt Martin Zerrer darauf, mit dem Mieterverein Waiblingen ein gutes Verhältnis zu pflegen. Beim Erstellen des Mietspiegels arbeiten beide Vereine seit vielen Jahren eng zusammen, was sich laut dem Korber bewährt hat. Ohnehin hält er nichts davon, gegeneinander zu arbeiten. Martin Zerrer erzählt, dass er einmal von einem Eigentümer gefragt wurde, ob dieser bei einem 50 Jahre alten Wohngebäude 14 Euro Kaltmiete für den Quadratmeter verlangen könne. So etwas empört Martin Zerrer – zumal solch eine Rendite auch durch den Mietspiegel in keiner Weise gedeckt ist.

Auf der anderen Seite habe er schon von Mietern gehört, die wissen wollen, mit welchen Tricks sie verhindern können, dass sie bestimmte Nebenkosten bezahlen müssen. Oder eben von Messies, die Mietwohnungen so vermüllen lassen, dass die Eigentümer danach keine Lust mehr haben, nach einem mühsamen Gerichtsprozess noch mal ihre Wohnung zu vermieten. „Schwarze Schafe gibt es auf beiden Seiten“, sagt Martin Zerrer.

„Die Leute machen kein großes Fass auf, weil sie Angst haben, sie verlieren die Wohnung“: Laut Martin Zerrer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung, melden sich gerade wesentlich weniger Mitglieder wegen Streitigkeiten mit Mietern. Ein paar Probleme mit dem Garten, etwa wegen nicht geschnittener Hecken, gibt es jetzt saisonbedingt, aber ansonsten beschreibt der Korber CDU-Gemeinderat die Lage als ruhig.

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