Waiblingen

Waiblinger Altstadtfest fällt zum zweiten Mal aus - so ergeht es Vertretern von Feuerwehr, Vereinen und Anwohnern damit

Altstadtfest
Waiblinger Musiker John Noville 2018 beim Altstadtfest mit der Band Rosa Fussel, zu welcher er einst selbst gehört hat. © Gabriel Habermann

Exakt um 18.45 Uhr werden Bläser des Städtischen Orchesters an diesem Freitag auf dem Hochwachtturm in Waiblingen stehen und ein kleines Konzert geben. Normalerweise wird damit die Eröffnung des Altstadtfests eingeleitet, doch coronabedingt fällt das Fest in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal aus. Vertreter von Städtischem Orchester, Feuerwehr oder VfL erzählen, wie es ihnen ergangen ist und was sie mit dem Altstadtfest verbinden.

„Das Altstadtfest ist eine Institution für jeden hier in Waiblingen“, sagt Alexander Braun vom Städtischen Orchester. Das Städtische Orchester sei von der ersten Stunde an stets dabei. „Wir haben das Fest aber nicht ganz begraben“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Nicht nur, dass Bläser am Freitagabend vom Hochwachtturm aus an die Eröffnung erinnern, ein Ensemble des Hauptorchesters wird am Sonntag im evangelischen Gottesdienst in der Michaelskirche spielen, wie es das Orchester sonst auch tut.

Drei Tage lang bespielen die Waiblinger Musiker zusammen mit Gastkapellen den Elsbeth-und-Hermann-Zeller-Platz und sorgen dort auch für die Bewirtung. Hierdurch erfolgt ein Austausch, „was auch schön und eine Bereicherung ist“, so Braun. Wenn er an die vielen Jahre zurückdenkt, Alexander Braun ist seit dem Alter von fünf Jahren mit von der Partie, bleiben ihm etwa der Sturm im Jahr 2012 in Erinnerung, aber auch Besucher aus den Partnerstädten, wie etwa Fahnenschwinger aus Jesi. „So etwas ist toll“, sagt er. „Wir wünschen uns, dass es im nächsten Jahr weitergeht!“

Feuerwehr Waiblingen: Online-Grillen statt Altstadtfest

„Es ist eine komische Erfahrung, dass das Altstadtfest nun schon zum zweiten Mal nicht stattfindet“, sagt der stellvertretende Abteilungskommandant der Feuerwehr Waiblingen, Marc Selzle. Er ist seit vielen Jahren rund um die Uhr dabei, wenn die Feuerwehr ihre verschiedenen Stände auf dem Rathausvorplatz aufbaut, wenn es darum geht, Musiker, die dort auftreten, gemeinsam mit dem FSV zu organisieren und die Kasse zu machen. Findet Waiblingens Straßenfest im kommenden Jahr statt, hatte man zwei Jahre keinen Kontakt – auch nicht zu den Lieferanten. „Ich hoffe, dass die uns bis dahin nicht vergessen haben“, sagt er. „Das Altstadtfest verbindet – das fehlt einfach!“

Dieses fehlende Element mache sich auch in der Abteilung der Feuerwehr bemerkbar. Hinzu kommt, dass man viele Kollegen lange Zeit nicht mehr gesehen hat, da die Waiblinger Wehr in Züge eingeteilt wurde, um Kontakte einzuschränken. Deshalb plant die Feuerwehr ein gemeinsames Online-Grillen für den Samstag, für welches jedes Mitglied ein Altstadtfestpaket mit Würsten erhält. „Die Resonanz ist groß“, freut sich Marc Selzle. „Viele machen mit!“

Einer, der regelmäßig auf dem Rathausvorplatz auftritt, ist der Waiblinger Musiker John Noville - oftmals mit der Band Rosa Fussel, welcher er viele Jahre angehörte. Mitte der Achtzigerjahre war er zum ersten Mal beim Waiblinger Straßenfest dabei. Für ihn transportierte dies ein Stück Heimat. Die Stimmung war ähnlich, wie er es von Barbados her kannte, wo er aufgewachsen ist, „nur der Strand fehlte“, sagt er und lacht. Er lernte Leute aus ganz Deutschland kennen, knüpfte Kontakte. Die ausgelassene Stimmung habe oft lange angehalten, auch als das Fest vorbei war.

Am Wochenende wird John Noville in Backnang auftreten. „Das Altstadtfest wäre mir lieber gewesen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Der VfL hätte in diesem Jahr nicht genug Helfer für den Festbetrieb gehabt

Jochen Griesmeier vom VfL Waiblingen sieht die Absage des Altstadtfests mit einem weinenden und auch mit einem lachenden Auge, wie er sagt. Natürlich finde er es genauso schade wie viele andere auch. Aber andererseits hätte er auch nicht gewusst, wie er es hätte stemmen sollen. Viele der rund 300 notwendigen Helfer hätten schon im Frühjahr signalisiert, dass sie Menschenansammlungen im Moment noch meiden wollen. Eine Prognose wäre schwierig gewesen, ob es wieder gelinge, ausreichend Helfer zu organisieren. Erfahrungsgemäß hatten in der Vergangenheit zu den entscheidenden Zeiten Leute gefehlt, weil der eine oder andere unvorhergesehen ausgefallen war. Für die Vielzahl der Stände, welche der Sportverein auf dem Marktplatz aufbaut und bewirtet, braucht es bis zu drei Abteilungen.

Wenn aber Helfer einer Schicht am Stand mitsingen oder Leute auf den Tischen tanzen, weiß man, das Programm kommt an. „Das ist ein schönes Gefühl“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Jochen Griesmeier. Schön sei auch der Seniorenstammtisch am Sonntagvormittag. Die Leute sehe man das ganze Jahr nicht.

Marco Weigel ist ebenfalls im Vorstand des VfL und springt laut Jochen Griesmeier dort ein, wo es brennt. Im Normalfall sei er von Freitag bis Sonntag im Dauereinsatz. Was er toll findet, dass so viele Leute ehrenamtlich anpacken, der Austausch und das gegenseitige Aushelfen zwischen den Vereinen auch so gut funktionierten. Das sei etwas Besonderes, so Weigel.

Unwetter von 2012 bleibt vielen in Erinnerung

Vielen ist das Unwetter von 2012 noch in Erinnerung, als ein Orkan über das Altstadtfest fegte und ein Baum auf dem Rathausplatz auf ein Zelt gekippt war, wodurch sieben Menschen verletzt wurden. Zelte wurden von Helfern krampfhaft festgehalten, damit sie nicht vom Sturm weggeweht wurden. „Das Sicherheitskonzept ist in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden“, sagt Werner Nußbaum, der bis vor kurzem Leiter des Ordnungsamts war und nun quasi im Ruhestand ist. Es wurde eine Koordinierungsstelle gegründet, so dass die Kontaktwege zwischen Einsatzkräften im Ernstfall kurz sind. Damals war das Mobilfunknetz überlastet, weshalb man sich nun über Funk kontaktiert. Außerdem wurden Fluchtorte eingerichtet wie der Schlosskeller in der Altstadt oder das Bürgerzentrum für Gäste rund ums Stauferspektakel auf der Brühlwiese. „Es ist ein großes Fest, das man mit einer großen Anspannung erwartet, und man hofft, dass es gut durchgeführt wird“, so Nußbaum. Das Altstadtfest biete viele unterschiedliche Aspekte: das Fest der Vereine in der Innenstadt, die Erleninsel mit dem Mitmachprogramm für Kinder und das Stauferspektakel mit seinem Mittelaltermarkt. Auch im Ruhestand würde er das beliebte Straßenfest besuchen, aber zu Zeiten, „wenn es etwas ruhiger ist“.

An den Orkan 2012 erinnert sich auch Tanja Arnold, Frau des Friseurmeisters Björn Arnold, der seinen Salon in der Langen Straße hat. Spontan haben sie damals die Ladentür aufgeschlossen, um sich mit Freunden in Sicherheit zu bringen. Auch fremde Leute seien dabei gewesen. „Es war eine lustige Stimmung“, sagt sie, „obwohl die Lage ernst war!“

So schön das Altstadtfest auch immer ist. Sie ist auch froh darüber, dass sie nun schon zum zweiten Mal keinen Unrat oder Hinterlassenschaften am Fenster und vor der Haustür wegräumen oder wegwischen muss. Es habe auch was für sich, wenn man am letzten Juni-Wochenende abends das Fenster öffnet und es nicht nach Grillwurst im ganzen Haus rieche, sagt sie und lächelt.

Exakt um 18.45 Uhr werden Bläser des Städtischen Orchesters an diesem Freitag auf dem Hochwachtturm in Waiblingen stehen und ein kleines Konzert geben. Normalerweise wird damit die Eröffnung des Altstadtfests eingeleitet, doch coronabedingt fällt das Fest in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal aus. Vertreter von Städtischem Orchester, Feuerwehr oder VfL erzählen, wie es ihnen ergangen ist und was sie mit dem Altstadtfest verbinden.

„Das Altstadtfest ist eine Institution für jeden

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