Waiblingen

Waiblinger Anwohner wollen Spielstraße zurück

1/2
Waiblingen Mittlerer Sack_0
In der Langen Straße war früher ein Zebrastreifen. © ZVW/Sarah Utz
2/2
_1
Prima zum Fußballspielen, wenn der Verkehr nicht wäre: Mittlere und Untere Sackgasse.

Waiblingen. Plötzlich waren die Spielstraßen-Schilder verschwunden. Seither nutzen Autofahrer rege die Sträßchen zwischen Marktgasse und Beinsteiner Tor zur Durchfahrt mit Tempo 20. Anwohner fordern zur Sicherheit von Fußgängern und spielenden Kindern die alte Regelung zurück – und die Stadt beteuert, ihr seien die Hände gebunden.

Fast nirgendwo sonst ist die Waiblinger Altstadt so eng und verwinkelt wie im Bereich der Straßen Obere, Mittlere und Untere Sackgasse. Gehwege: Fehlanzeige. Die Haustüren führen direkt auf die Fahrbahn. Jahrelang galten sie als verkehrsberuhigter Bereich, umgangssprachlich „Spielstraße“ genannt, was von Autofahrern Schritttempo verlangte. Bis vor zwei Jahren. Wegen einer Änderung der Straßenverkehrsordnung wurde der gesamte Bereich in einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ umgewandelt. Ab sofort galt Tempo 20. „Wir Bürger wurden überhaupt nicht darüber informiert“, erzählt zum Beispiel Marco Möst. Die Änderung sei „eine klare Verschlechterung der Situation und ein Risiko für Anwohner wie für alle Fußgänger“, stellt ein weiterer Anwohner fest.

Stadt und Gemeinderat haben in der Sache nicht zu entscheiden

Klaglos wollen die Nachbarn die Änderung nicht hinnehmen, die aus ihrer Sicht erhebliche Konsequenzen für die Sicherheit hat. Sie berichten von Beinahe-Unfällen und mindestens zwei lebensgefährlichen Situationen: Einmal sei ein Junge von einem Transporter überrollt worden - zum Glück, ohne dabei verletzt worden zu sein. Allerdings wurde der Vorfall nicht gemeldet, auch sonst ist polizeilich zu Unfällen im Quartier nichts dokumentiert. Unterstützung bekommen die Anwohner von der ALi-Fraktion im Gemeinderat, die sich der Sache mit zwei Anträgen angenommen hat: Zum einen soll die Straße wieder verkehrsberuhigter Bereich werden, zum anderen soll der Zebrastreifen vor dem Haushaltswarengeschäft Villinger-Zeller wieder ausgezeichnet werden – auch er war vor einigen Jahren im Zuge einer Straßen-Umgestaltung zurückgebaut worden.

Gescheitert sind die Anträge, obwohl es nicht einmal eine richtige Abstimmung gab. Denn nach der Gemeindeordnung darf das Gremium über Straßenverkehrsangelegenheiten gar nicht beschließen – sie gelten als „weisungsgebundene Pflichtaufgaben“ und entziehen sich der kommunalen Selbstverwaltung, wie Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr mit Nachdruck erklärte, da sich die ALi-Stadträte Dagmar Metzger und Alonso Fazio mit dieser Antwort nicht abfinden wollten.

Aus Sicht der Verwaltung ist die Situation im Norden der Altstadt typisch auch für andere Bereiche. Es gibt unterschiedlichste Interessen unter einen Hut zu bringen: Anwohner, Autofahrer, Geschäftsleute, Senioren mit Rollatoren. Tempo 20 gelte zwar als Maximum, doch in der Praxis sei von den Autofahrern gefordert, eher zwischen sieben und 15 Kilometer pro Stunde zu fahren, erläuterte Oliver Conradt, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste. Wie überall gelte das Prinzip „gegenseitiger Rücksichtnahme“. Nach Erfahrungen der Anlieger scheren sich viele Autofahrer jedoch genau darum wenig.

Bis zu 40 Autos zählten sie an einem Tag, die den Schleichweg durch den „Sack“ - der eben nicht aus Sackgassen besteht – nahmen, um in Richtung Beinsteiner Tor zu gelangen und sich dabei den Weg um die Altstadt herum und über den Postplatz zu sparen. Für besonders clever halten sich offenbar solche Autofahrer, die von der Ausfahrt des Parkhauses Marktgarage einige Meter gegen die Einbahnstraße fahren, um so verbotenerweise in die Obere Sackgasse zu gelangen.

Mehr Kontrollen

Die Straßenverkehrsbehörde habe ihre Richtlinien, die es zu beachten gebe, erinnerte CDU-Stadtrat Alfred Bläsing. Wenn man zu der Einschätzung gelange, dass sie ihre Arbeit nicht richtig mache, dann bleibe immer noch der Weg einer Beschwerde beim Regierungspräsidium als übergeordneter Behörde.

Aus der Marktgarage gegen die Einbahnstraße in die Obere Sackgasse einzufahren – das ist aus Sicht Ingo von Pollerns (CDU) eine „Riesensauerei“. DFB-Rat Siegfried Bubeck fordert daher verstärkte Kontrollen.