Waiblingen

Waiblinger Appell: Gegen Corona-„Spaziergänge“, Plädoyer fürs Impfen

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Montäglicher, unangemeldeter „Spaziergang“ durch die Waiblinger Innenstadt. © Kölbl

Montag für Montag laufen Corona-Verharmloser und Querdenker durch die Innenstädte. In Waiblingen sind es regelmäßig 200 Menschen und mehr, die sich an den angeblichen „Spaziergängen“ beteiligen. Jetzt regt sich Gegenwind: Ein breites Bündnis aus Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen ruft in einem „Waiblinger Appell“ zu „Solidarität, Demokratie und Rücksichtnahme“ auf – und drückt Bedauern über die montäglichen Märsche aus.

Zu den rund 100 Erstunterzeichnern gehören Landrat Richard Sigel, Oberbürgermeister Andreas Hesky und der einzige Bewerber für dessen Nachfolge: Sebastian Wolf. Vom Erfolg des Backnanger Appells und aktuell durch das Schorndorfer Beispiel ermutigt, haben Iris Förster (Stadträtin Grünt), Lars Lawan und Heidi Apel (Bündnis 90/Die Grünen) den Waiblinger Appell initiiert. Der Backnanger Appell hat in kürzester Zeit über 3400 Unterzeichnende gefunden - „ein Vielfaches der Teilnehmenden an den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen im Rems-Murr-Kreis“.

Wegen Omikron sind Masken und Abstände weiter wichtig

Getragen wird der Appell unter anderem von den Abgeordneten Christina Stumpp, Stephan Seiter, Swantje Sperling, Siegfried Lorek und Julia Goll sowie der früheren Ministerin Katrin Altpeter. Außerdem von Personen des öffentlichen Lebens und Vertretern von Organisationen wie Dekan Timmo Hertneck, Pfarrern und Pfarrerinnen, der Volkshochschule, dem Kreisdiakonieverband Rems-Murr, dem Ärzteschaftsvertreter Dr. med. Daniel Schäfer, der Diakonie- und Sozialstation, dem Sozialverband VdK, Rems-Murr-Süd, dem DGB, etlichen Stadträten und Parteien-Vertretern sowie Geschäftsleuten und Privatpersonen.

Dank an Ärzteschaft und Pflegepersonal

„Wir sind davon überzeugt, dass wir die Corona-Pandemie nur gemeinsam überwinden können“, heißt es in dem Appell. Im zweiten Jahr nach Beginn der Pandemie sei die Lage weiter schwierig: Die Infektionszahlen sind hoch. Die Ärzte und Pflegekräfte in den Kliniken und Arztpraxen, auf den Intensivstationen und in den Pflegeeinrichtungen gerieten an ihre Grenzen. „Sie verdienen unseren besonderen Dank. Wir denken auch an alle, die unter den Belastungen der Pandemie besonders zu leiden haben und persönliche wie berufliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.“

Gerade in dieser Situation und mit Blick auf die neue Omikron-Welle müsse es selbstverständlich sein, aufeinander zu achten, Abstand zu halten, Masken zu tragen und Kontakte zu reduzieren. Wichtig sei auch das Impfen und Boostern. „Nur so schützen wir uns selbst und all diejenigen, die älter oder vorerkrankt sind. Nur so sorgen wir dafür, dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Nur so sind wir auch solidarisch mit den Jüngeren, denen wir den Besuch der Schule und Freizeitangebote der Vereine und Organisationen sichern wollen.“ Nur wenn sich möglichst viele Erwachsene impfen lassen, könne sich wieder unbeschwertes öffentliches Leben für alle entfalten.

Signal gegen „kleine, aber laute Minderheit“

Vor diesem Hintergrund sei zu bedauern, dass so viele Menschen in Waiblingen und Umgebung bei sogenannten „Spaziergängen“ gegen die Corona-Maßnahmen – oft ohne Abstand und Masken – die notwendige Solidarität vermissen lassen würden. „Wir wollen deshalb mit diesem Appell ein Zeichen für mehr Solidarität und Miteinander in unserer Gesellschaft setzen“, schließt der Waiblinger Appell: „Nur gemeinsam sind wir stark gegen Corona!“

Die Initiatorinnen und Initiatoren wollen den vielen Menschen eine Stimme geben, die von Corona nach zwei Jahren „mehr oder weniger genervt sind“, aber noch immer aufeinander Rücksicht nehmen und sich einschränken, um die Omikron-Welle gut zu überstehen. Ihnen sei sehr bewusst, dass die Ärzte, das medizinische Personal in den Krankenhäusern, die ambulanten Dienste und Pflegekräfte nach zwei Jahren Corona vielfach erschöpft sind. Auch dächten sie an die vielen Menschen, welche die Pandemie nicht überlebt haben. Noch immer stürben in Deutschland täglich bis zu 200 Menschen an Corona.

OB-Kandidat Wolf für städteübergreifende Konzepte

„Ich sehe nicht ein, das wir uns den schönen Begriff des Spazierens von einer kleinen, sehr lauten Gruppe wegnehmen lassen“, sagte OB-Kandidat Sebastian Wolf im Wahlstudio der Waiblinger Kreiszeitung. Dieser Gruppe dürfe einerseits nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, andererseits dürfe sich der Staat von ihr nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Es bedürfe städteübergreifender Konzepte, wie mit dem Phänomen der unangemeldeten Versammlungen umzugehen ist.

Lars Lawan, Heidi Apel und Iris Förster wollen ein klares Signal setzen gegen die sogenannten „Spaziergänge“. Bei diesen mache eine „kleine, aber lautstarke Minderheit“ auf sich aufmerksam, während die ruhigen und besonnenen Menschen nicht sichtbar seien. Zahlreiche Zuschriften zeigten schon jetzt, dass diese Aktion auf große Resonanz stößt, berichtet Iris Förster. So bekunden einige deutlich, dass sie froh sind, auf diesem Weg ihre Meinung zum Ausdruck bringen zu können, ohne unter diesen schwierigen Umständen auf die Straße gehen zu müssen.

Von Sonntag, 6. Februar, an wird der Waiblinger Appell unter www.waiblinger-appell.de im Internet zu finden sein. Dort werden die Erstunterzeichnenden veröffentlicht und der Waiblinger Appell kann unkompliziert und digital von allen Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet werden.

Montag für Montag laufen Corona-Verharmloser und Querdenker durch die Innenstädte. In Waiblingen sind es regelmäßig 200 Menschen und mehr, die sich an den angeblichen „Spaziergängen“ beteiligen. Jetzt regt sich Gegenwind: Ein breites Bündnis aus Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen ruft in einem „Waiblinger Appell“ zu „Solidarität, Demokratie und Rücksichtnahme“ auf – und drückt Bedauern über die montäglichen Märsche aus.

Zu den rund 100 Erstunterzeichnern gehören Landrat

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