Waiblingen

Waiblinger Bahnhof: Der Frust sitzt tief

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Zu wenig Plätze für die vielen Wartenden. © Palmizi/ZVW
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Weil die Bänke fehlen, sitzen die Wartenden auf den Steinen. © Palmizi/ZVW
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Kippen auf dem Boden im offenen Wartebereich. © Palmizi/ZVW

Waiblingen. Dass der Waiblinger Bahnhof unattraktiv und schmuddelig ist, ist ein wiederkehrendes Thema im Gemeinderat. Regelmäßig endet die Debatte aber mit dem Hinweis der Verwaltung, dass Bahnhof und Vorplatz in der Verantwortung der Bahn liegen. Nun hat die SPD trotzdem einen Vorstoß gemacht. Fehlende Sitzbänke an den Bushaltestellen sollen auf Kosten der Stadt ersetzt werden, lautete der Antrag. „Wir können nicht immer alles auf die Bahn schieben“, meint Urs Abelein.

Dass Menschen an Bushaltestelle warten, ist normal angesichts von Busverbindungen, die oft wenig auf S-Bahnen, Regionalbahnen und andere Busse abgestimmt sind. Ältere Leute, Gehbehinderte, Schüler, die beim Warten lesen wollen: Für sie und viele andere ist es ein Ärgernis, wenn Sitzgelegenheiten an den Haltestellen ersatzlos abgebaut werden. „Wir machen Werbung für einen attraktiven ÖPNV“, konstatierte Urs Abelein in der Sitzung des Planungsausschusses. Da passe es nicht, wenn sich Wartende nicht einmal hinsetzen könnten. „Wir können nicht immer alles auf die Bahn schieben“, sagte Abelein. Sollte die Bahn selbst die Initiative ergreifen, könnten die Bänke später ja versetzt werden.

„Nicht die Aufgaben der Bahn übernehmen"

„Alle haben für den Vorschlag großes Verständnis“, sagte Baubürgermeisterin Birgit Priebe, warnte aber davor, die Aufgaben der Bahn zu übernehmen. „Wenn wir plötzlich die Leistungen bringen, schrauben die die nächsten Sitzbänke ab.“ Im Zuge der Gartenschau solle eine Bank mit dem Unendlichkeitssymbol der Gartenschau aufgestellt werden, sie tue sich aber schwer mit dem Gedanken, die Bänke der Bahn zu ersetzen. „Wir gehen aber auf die Bahn zu“, versprach sie.

Es müsse schnell was passieren, insistierte Sabine Wörner und schlug vor, städtische Bänke zu kaufen und sie mit dem Hinweis zu versehen, dass die Stadt damit in Vorleistung trete. Ähnlich argumentierte auch Christel Unger: „Man sollte den Leuten bewusstmachen, dass wir das für sie machen.“

Zwei Stunden Hochdruckreiniger?

Alfonso Fazio (ALi) hatte einen anderen Vorschlag: „Besser als ein weiteres Mal auf die Bahn zuzugehen, wäre, wenn mal einer von denen vorbeikommt“, sagte er. „Ein Verantwortlicher sollte unseren Frust abkriegen“, forderte er: „Er sollte darstellen, warum die das Gelände nicht reinigen.“ Zwei Stunden mit dem Hochdruckreiniger würden schon einiges verbessern. Auf einen Vor-Ort-Termin mit einem Vertreter der Bahn setzt Baubürgermeisterin Birgit Priebe. „Aber mit der Presse“, schlug CDU-Chef Siegfried Kasper vor, um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

„Wir verschließen uns nicht“, sagt der Bahnsprecher

Bei der Bahn nimmt man den Frust aus Waiblingen mit Erstaunen zur Kenntnis. Die Bänke seien beschädigt gewesen und deshalb abgebaut worden, erklärt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Die Bahn habe neue Sitzgruppen angebracht. Richtig sei, dass nicht alle Sitzgelegenheiten ersetzt wurden. Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding sei aber offen, das Problem anzupacken: „Wenn es Notwendigkeiten gibt, verschießen wir uns nicht“, teilt der Bahnsprecher mit. Im Übrigen wundere sich der Bahnhofsmanager, dass er noch nicht angesprochen worden sei. Generell sei Hebding, der für 93 Stationen zuständig ist, um einen kurzen Draht bemüht. Dass das funktioniere, habe sich auch bei der Suche nach einem geeigneten Platz für die E-Bike-Station und den Biketower auf dem Waiblinger Bahnhofsvorplatz gezeigt. „Da war man unkompliziert im Gespräch.“

Neuer Anstrich im Frühjahr

„Wir wissen um die besonderen Umstände in Waiblingen“, räumt der Bahnsprecher ein. Im Frühjahr 2018 sei der Anstrich der Fassade geplant. 2018 und 2019 sollen die Sanierungen der Bahnsteige und des Vordachs zur Bahnhofunterführung folgen. Ein großes Problem sei aber der Vandalismus auf dem Bahnhof. So sei etwa die Glasüberdachung beim Busbahnhof 2016 repariert, aber schon wieder zerstört worden: „Wir kommen mit der Sanierung einfach nicht nach.“

Zu einem Gespräch sei der Bahnmanager vor Ort oder im Gemeinderat bereit.

Fahrradturm kommt

Im März hat der Gemeinderat nach langen Diskussionen den Bau eines Biketowers am Bahnhof beschlossen. 120 Plätze groß soll der Fahrradturm werden. Der Löwenanteil der bisherigen 96 Radboxen wird an die Ausgänge des Bahnhofs versetzt.

Keine Mehrheit fand sich für den Verwaltungsvorschlag, im Zuge der Baumaßnahmen den unmodernen und unübersichtlichen Vorplatz umzubauen.