Waiblingen

Waiblinger Friseure: Zwischen drei und 30 Prozent der Kunden brauchen PCR-Test

CoronaAlarmFriseur
Nicole Kroiss, Tochter der Inhaberin, überprüft die 3G-Nachweise der Kunden im  Friseursalon Kroiss in Waiblingen. © Gaby Schneider

„Einen PCR-Test und einen Friseurbesuch zu zahlen, das wird teuer. Das können sich die Leute nicht mehr leisten“, befürchtet Heidrun Kroiss. Die Inhaberin des Friseursalons Kroiss in Waiblingen geht davon aus, dass mit Eintritt der Alarmstufe und der 3G-Regelung „die Kunden wegbleiben“.

Denn seit Mittwoch, 17. November, sind Haareschneiden wie auch andere körpernahe Dienstleistungen für Ungeimpfte nur noch mit einem negativen PCR-Test möglich. Das sieht die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vor. Geimpfte und genesene Kunden sind dagegen nicht von den Regeln der Alarmstufe betroffen. „Ungefähr 60 bis 70 Prozent der Kundschaft sind geimpft, aber ganz wenige genesen“, sagt Kroiss. Der Rest der Kundschaft, rund 30 Prozent, seien Ungeimpfte. „Kommt jemand mit einem PCR-Test, dann nur, wenn man noch woanders hingeht und dort auch einen Test benötigt.“

Heidrun Kroiss: "Ich verstehe die Maßnahmen nicht mehr"

Das Friseurhandwerk musste seit Pandemiebeginn schon viele Maßnahmen mittragen. Dennoch ist die Inhaberin über die Härte der neuen Corona-Regeln erstaunt. „Ich verstehe die Maßnahmen nicht mehr. Mehr Rücksicht kann man doch nicht mehr nehmen“, sagt Kroiss. Seit Beginn der Pandemie wurden im Friseursalon in der Mayenner Straße Luftfilter eingebaut und Hygieneartikel angeschafft. Außerdem arbeiten die drei Mitarbeiterinnen im Schichtwechsel, so dass alle Zeiträume abgedeckt, aber nicht zu viele Leute im Salon anwesend seien, so die Inhaberin. Alle Mitarbeiterinnen des Friseursalons seien geimpft und testen sich regelmäßig in der Woche. So wolle man die Kundschaft, aber auch das Personal schützen, so Kroiss. Weiterhin müssen Kunden einen Termin fürs Haareschneiden vereinbaren.

Es herrsche aktuell eine große Unsicherheit, sagt die Inhaberin des Salons, den es seit 1980 gibt. Sie blickt besorgt in die Zukunft. Und gibt zu bedenken: „Was nützen die Maßnahmen, solange gefälschte Impfnachweise und Testnachweise kursieren?“ Davon höre man immer wieder in den Medien. „Wie will man das in den Griff bekommen?“

"Pur Friseur"-Inhaberin Francesca Vitabile fordert bundesweit einheitliche Regeln 

Auch Francesca Vitabile, Inhaberin des Salons Pur in der Stuttgarter Straße, befürchtet, dass ein Teil der Kundschaft nicht mehr kommen wird. „Rund 60 Prozent sind geimpft, 20 Prozent genesen und 20 Prozent ungeimpft“, so Vitabile. „Wenn die Maßnahmen greifen, ist die Alarmstufe sinnvoll“, so die Inhaberin. „Aber als Nicht-Virologin stelle ich mir die Frage: Reicht nicht auch ein Antigen-Schnelltest?“ Unter den Kunden zeichne sich ein eindeutiges Stimmungsbild ab: „Erschöpft, verbittert, müde. Selbst Geimpfte fragen sich, wohin das alles führen wird.“

Die Friseurmeisterin ist daher gegen das Ausgrenzen von Ungeimpften und gegen eine Spaltung der Gesellschaft. Ihrer Meinung nach hätten die Schnelltests in der Vergangenheit präventiv beibehalten werden sollen. Außerdem wünscht sich Vitabile bundesweit einheitliche Regeln.

Um die Sicherheit für die Kunden zu garantieren, „wird das Personal täglich getestet“, so die Saloninhaberin. Ob und wie viele Mitarbeiter nun geimpft sind, dazu will Vitabile keine Angaben machen . Für Vitabile steht fest: Das oberste Gebot sei Sicherheit.

Die Kolleginnen arbeiten versetzt, da sich im Laden maximal fünf Personen aufhalten dürfen, Personal mit eingeschlossen.

Kunden müssen PCR-Test vorweisen, Mitarbeiter der Friseursalons nicht

Mit Eintritt der Alarmstufe habe man Kunden direkt über die neue Regelung informiert, so Friseurmeister Oliver Scholz. Seit Mittwoch erreichen seine „Scholz Haare Beauty Salons“ in Waiblingen und Weinstadt einige Kunden-Rückfragen zur neuen Corona-Verordnung. „Es herrscht viel Unsicherheit“, sagt Scholz, der Vorstandsmitglied der Friseurinnung Rems-Murr ist. Er schätzt, dass rund drei bis vier Prozent seiner Kundschaft nun einen PCR-Test benötigen. Diese Zahl führt Oliver Scholz auf die Zahl der genutzten Antigen-Schnelltests zurück, die das Unternehmen an all seine Salons ausgibt. „Die meisten Kunden sind geimpft oder genesen.“

Auch innerhalb der Belegschaft sei eine hohe Impfquote zu verzeichnen, so Scholz. Während ungeimpfte Besucher in Salons einen negativen PCR-Test vorlegen müssen, genügen bei ungeimpften Mitarbeitern mit Kundenkontakt wie bislang zwei Antigen-Schnelltests pro Woche. Bei Scholz werden sie ihm zufolge aber jeden Tag getestet. „Wir werden gefragt, wie wir denn die Sicherheit für Kunden gewährleisten können“, so Scholz. Zu Recht, befindet der Friseurmeister.

In den letzten anderthalb Jahren sei allerdings kein ihm bekannter Corona-Fall im Unternehmen vorhanden gewesen. Angesichts der Corona-Zahlen im Landkreis ist für den Friseurmeister klar: „Alle müssen mitmachen, um die Gesellschaft zu schützen. Ob wir es gut finden oder nicht.“

„Einen PCR-Test und einen Friseurbesuch zu zahlen, das wird teuer. Das können sich die Leute nicht mehr leisten“, befürchtet Heidrun Kroiss. Die Inhaberin des Friseursalons Kroiss in Waiblingen geht davon aus, dass mit Eintritt der Alarmstufe und der 3G-Regelung „die Kunden wegbleiben“.

Denn seit Mittwoch, 17. November, sind Haareschneiden wie auch andere körpernahe Dienstleistungen für Ungeimpfte nur noch mit einem negativen PCR-Test möglich. Das sieht die aktuelle Corona-Verordnung

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