Waiblingen

Waiblinger verschickt Kinderpornos über Facebook: Fall wird jetzt vorm Amtsgericht verhandelt

amtsgericht Waiblingen
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Noch nie ist Stefan D. (Name geändert) bislang mit dem Gesetz in Konflikt geraten – bis er 2018 plötzlich über sein Smartphone kinder- und jugendpornografische Dateien herunterlädt. Die Vorfälle ereignen sich alle in einem Zeitraum zwischen Ende Juli und Ende August 2018.

Herausgekommen sind sie nur, weil das US-Unternehmen Facebook von sich aus auf amerikanische Behörden zuging. Stefan D. hatte über das soziale Netzwerk an einen anderen Nutzer eine kinderpornografische Datei verschickt, die ein zehnjähriges Mädchen zeigt. Danach kam heraus, dass er auch über Whatsapp Kinderpornos verschickt hat. Der Fall wurde nun vorm Waiblinger Amtsgericht verhandelt. Wie begründet der heute 34-Jährige sein Verhalten?

Angeklagter lässt Anwalt reden

Bei der Verhandlung am Mittwoch, 2. Dezember, unter Vorsitz von Richter Johannes Weigel spricht der Angeklagte so gut wie gar nicht selbst. Das Reden überlässt er seinem Anwalt, der davon erzählt, dass das Leben des heute 34-Jährigen stets normal verlaufen sei. Er habe den Hauptschulabschluss gemacht und arbeite bis heute im selben Beruf, in dem er rund 1700 Euro netto erhält.

Kinder hat Stefan D. nicht, eine Beziehung auch nicht. Die ihm vorgeworfenen Taten, die durch die Auswertung seines Smartphones belegt sind, räumt der Waiblinger über seinen Verteidiger ein. Dieser betont, dass sein Mandant in einem kurzen Zeitraum die Dateien heruntergeladen habe – und seither nie wieder.

Neugier und Dummheit?

Auf die Frage, warum er die Dateien heruntergeladen und versendet habe, soll Stefan D. laut seinem Anwalt Folgendes gesagt haben. „Das war Neugier.“ Und dann sei schnell eine weitere Begründung hinterhergekommen: „Dummheit.“ Sein Mandat habe gesagt, dass er da in was hineingeraten sei. Der 34-Jährige sieht sich nach Angaben seines Anwalts nicht als jemand, der pädophile Neigungen hat. Der Verteidiger verweist darauf, dass sein Mandant mehrmals sexuelle Beziehungen zu gleichaltrigen Frauen gehabt habe – und die längste davon habe drei Jahre gehalten.

Anwalt: Krankenkasse würde Therapie bezahlen

Obwohl Stefan D. sich nach Darstellung seines Anwalts als nicht pädophil ansieht, hat er bei seiner Krankenkasse eine psychologische Behandlung beantragt und von dieser eine Zusage zur Kostenübernahme erhalten. Der 34-Jährige begründet die Notwendigkeit der ambulanten Therapie mit seinem nicht gesetzeskonformen Verhalten.

Allerdings ist nach Angaben seines Anwalts nicht damit zu rechnen, dass die psychologische Behandlung schnell beginnt. „Sie haben mittlerweile eine Wartezeit von einem Jahr.“ Nur bei einem Suizidversuch gebe es schneller einen Termin.

Mitarbeiter der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen sagt aus

Als einziger Zeuge ist an diesem Mittwochnachmittag ein Mitarbeiter der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen geladen. Er berichtet darüber, wie er im Dezember 2018 die Informationen von einer amerikanischen Behörde erhalten hat. Große Firmen wie Facebook sind in den USA verpflichtet, beim Fund von kinderpornografischen Dateien den Staat einzuschalten.

Stefan D. bewegte sich nicht anonym im Internet. Über seine Mobilfunknummer und seine Mailadresse konnten ihn die Behörden ausfindig machen. Das Smartphone, mit dem Stefan D. seine Taten beging, wurde deshalb zur Ermittlung eingezogen. Auf die Herausgabe verzichtete der 34-Jährige im Prozess.

Staatsanwalt: Ein Jahr und fünf Monate auf Bewährung

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung, bei einer Bewährungszeit von vier Jahren. Außerdem sollte der Angeklagte zwei Netto-Monatsgehälter, sprich insgesamt 3400 Euro für einen gemeinnützigen Zweck zahlen. Der Anwalt von Stefan D. plädierte indes dafür, von der Geldstrafe ganz abzusehen, da sein Mandant bereits durch die Freiheitsstrafe zur Bewährung und die Anwesenheit eines Zeitungsreporters genug belastet sei.

Anwalt: „Er wird so was nicht mehr machen“

Zugunsten seines Mandanten spricht für den Verteidiger neben dem bislang straffreien Leben, dass dieser mit dem Herunterladen von kinderpornografischen Dateien von selbst aufgehört habe – und nicht erst durch den Druck von polizeilichen Ermittlungen. Auch habe Stefan D., was für solche Fälle untypisch sei, nur wenige Dateien heruntergeladen und zudem ein umfassendes Geständnis abgelegt. Zudem habe sein Mandant aus Neugier und Dummheit die Taten begangen – und nicht wegen einer bestimmten sexuellen Fantasie. „Er wird so was nicht mehr machen.“

Urteil von Amtsrichter Johannes Weigel

Den Bewährungszeitraum von vier Jahren empfand der Anwalt als zu hart. Er plädierte für nur drei Jahre. Stefan D., der als Angeklagter vor Urteilsverkündung das letzte Wort hat, sagte dann noch vier Worte: „Es tut mir leid.“ Richter Weigel verurteilte den 34-Jährigen schließlich zu einem Jahr auf Bewährung. Zudem muss er 1700 Euro an die SOS-Kinderdörfer überweisen.

Den Bewährungszeitraum legte Weigel auf drei Jahre fest. Er betonte, dass er es für glaubhaft halte, dass Stefan D. keine dauerhafte pädophile Neigung habe und keine Therapie benötige. „Das kaufe ich Ihnen ab.“

Noch nie ist Stefan D. (Name geändert) bislang mit dem Gesetz in Konflikt geraten – bis er 2018 plötzlich über sein Smartphone kinder- und jugendpornografische Dateien herunterlädt. Die Vorfälle ereignen sich alle in einem Zeitraum zwischen Ende Juli und Ende August 2018.

Herausgekommen sind sie nur, weil das US-Unternehmen Facebook von sich aus auf amerikanische Behörden zuging. Stefan D. hatte über das soziale Netzwerk an einen anderen Nutzer eine kinderpornografische Datei

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