Waiblingen

Waiblinger zeigt 40 Meter lange Carrera-Bahn

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Nico Laukhuf inmitten seines Traums. Auf der Bahn können vier Autos gleichzeitig fahren. © Ramona Adolf
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Nico Laukhuf und Freunde haben eine 40 Meter lange Carrera-Bahn flott gemacht © Habermann / ZVW
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Nico Laukhuf und Freunde haben eine 40 Meter lange Carrera-Bahn flott gemacht © Habermann / ZVW

Waiblingen. In der Ära vor den Videospielen und Gameboys war sie das coolste Spielzeug für Jungs, das man sich denken konnte: An der Carrera-Bahn testete eine ganze Generation ihr Fahrgeschick. Jetzt hat der 26-jährige Waiblinger Nico Laukhuf eine wettkampftaugliche Bahn gekauft, instand gesetzt und lädt Fans zum Mitfahren ein.

Faszination Motorsport. An den Boxen stehen die Mechaniker zum Reifenwechsel bereit, auf den Tribünen schwenken Schlachtenbummler ihre Fahnen, während auf der Fahrbahn die Autos wie die Blitze vorbeischießen. Unter eingefleischten Anhängern hat die Begeisterung nie nachgelassen, andere fühlen sich nach Jahrzehnten der Carrera-Abstinenz mehr von Retro-Charme und Kindheitsnostalgie angerührt. Ohne jetzt eine Genderdebatte lostreten zu wollen, sind geschlechterspezifische Unterschiede in der Liebe zum Zwergen-Rennsport nicht zu leugnen: Das Kind im Manne bekommt schon beim Klang des berühmten Markennamens leuchtende Augen, Frauen reagieren meist emotionslos, maximal achselzuckend. Doch es gibt Ausnahmen, wie etwa Nico Laukhufs Freundin.

Zeitmessung bis auf Tausendstelsekunden

Was gut ist, denn mit zehn Jahren wurde der Waiblinger vom Carrera-Virus unheilbar infiziert. Ein Kumpel hatte ihn zur Wettfahrt eingeladen – und im Eifer des Gefechts wurde gleich mal ein Auto bei einem Kurvenunfall geschrottet. Doch der angehende Rennpilot ließ sich davon nicht aus der Bahn werfen. Bei einem informellen Carrera-Club fuhr er als Jungspund öfter mit, obwohl die Mehrheit mit Mitte 30 eher aus größeren „Kindern“ bestand. Die Waiblinger Bahn seines Kumpels Markus Kienle

ruhte zuletzt rund acht Jahre, weil sich der Besitzer aus Zeitgründen nicht mehr groß darum kümmern konnte. Ihm hat der Einzelhandelskaufmann Nico Laukhuf, der als Azubi bei E&E-Spielwaren in Remshalden über Carrera-Bahnen beriet und bei Schweikardt in Beinstein über Eisenbahnen berät, die komplette Anlage nebst Tribünen und Fuhrpark abgekauft. Er brachte die Rennstrecke auf Vordermann, indem er fachkundig die Autos als Helferlein einsetzte: Sie ziehen einen Lederlappen über die Straße, um Runde für Runde Staub und Reifenabrieb wegzuscheuern. Für die Zeitmessung sind Sensoren eingebaut, die bis auf Tausendstelsekunden genau messen können. Das ist im Carrera-Rennsport unabdingbar, wenn selbst nach zehnminütigen Rennen nur eine halbe Wagenlänge über Sieg und Niederlage entscheidet. Mit Freunden wurde die Bahn feierlich wieder eingeweiht, auch einige Kinder waren dabei, selbst ein Vierjähriger beeindruckte mit beachtlichem fahrerischen Können.

Vollgas auf der Geraden und die Angst vor dem Flug aus der Kurve

„Einen guten Fahrer zeichnet aus, dass er den Rhythmus der Bahn schnell fühlt und halten kann“, verrät der Experte. Vollgas in den Geraden und kurz vor der Kurve Tempo reduzieren. Obacht: Der Kurvenflug ist der Feind aller Siegeshoffnungen, kommt bei langen Rennen aber unausweichlich. Zu viel Hektik schadet. „Am Anfang hab’ ich immer Kaugummi gekaut, um Ruhe reinzubringen.“ Anderes Problem: eine gewisse Monotonie, denn je nach Turniermodus muss der Fahrer 50 Minuten am Drücker bleiben, ohne die Konzentration zu verlieren. Ganz verschärft ging’s zu bei einem 24-Stunden-Rennen, das er mit einem Freund in Italien bestritt. „Nachts ist das wirklich nicht ohne.“ Bei deutschen Meisterschaften und bei Weltmeisterschaften fuhr Nico Laukhuf schon mit, wenn auch bisher mit mäßigem Erfolg. Egal. „Dabei sein ist alles.“ Was im kostspieligen echten Rennsport nicht geklappt hat, das kann sich der Fan, der einen Besuch beim echten 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu seinen Highlights zählt, als Carrera-Fahrer verwirklichen – und das hat Vorteile: „Hier bin ich mein eigener Rennstall.“

Als solcher hat er sich wie die meisten in der Carrera-Szene, was das Format anbelangt, für den Klassiker 124 entschieden. Die Autos werden für die Rennen präpariert, die Lager geölt, das Getriebe gefettet, die Karosserie gelockert und die Räder mit Spezialreifen versehen. Großen Wert legt Nico Laukhuf auf seinen Regler der Spitzenklasse mit Extrafunktionen für mehr Temposchärfe und Bremse. Eine besondere Beziehung: „Für einen Fahrer ist der Regler so wie für einen Musiker seine Gitarre.“

Probefahrt

Nico Laukhufs sportliche Heimat liegt in Oeffingen beim dortigen Slotcar-Racing-Club (SRC). Slotcar ist der englische Begriff für elektrische Modellautos.

Kontakt: Wer Interesse hat, auf der Waiblinger Bahn eine Probefahrt zu machen, kann sich per Mail unter nico.laukhuf@gmail.com beim neuen Besitzer melden.