Waiblingen

Warten auf die Wärmepumpe: 6, 12 oder 15 Monate Lieferzeit? Handwerker berichten

Wärmepumpe
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Waiblingen: Mitarbeiter von Dörr Elektrotechnik und Röger Haustechnik haben zurzeit gut zu tun mit dem Austausch von Öl- oder Gasheizungen – wenn denn die neuen Geräte lieferbar sind. © Benjamin Büttner

Wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine und der Folgen für die Energieversorgung sind Alternativen zum Erdgas gefragt wie nie. Beim Heizen ruhen viele Hoffnungen auf Wärmepumpen. Waiblinger Handwerker erreichen viele Anfragen von Hauseigentümern. Kommen die Betriebe noch hinterher? Und wie lange ist die Lieferzeit für eine Luft-Wärmepumpe?

Einen großen Unterschied macht es, welche Art von Luft-Wärmepumpe gewünscht wird: So sind Luft-Luft-Wärmepumpen, die die Wärme über ein Lüftungssystem im Haus verteilen und bei denen keine Heizkörper nötig sind, durchaus schnell lieferbar, sagt Martin Jungbauer. In 14 Tagen bis vier Wochen könne der Hersteller, mit dem er zuletzt gesprochen hat, liefern, so der Chef der Waiblinger Firmen Dörr Elektrotechnik und Röger Haustechnik.

Das Problem ist: Die meisten Kunden, die jetzt schnell ihre Öl- oder Gasheizung austauschen wollen, haben bereits ein Heizsystem, inklusive Heizkörpern in den Zimmern, die sie weiter nutzen wollen. Sie brauchen daher eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, bei der die der Außenluft entzogene Wärme genutzt wird, um Wasser zu erhitzen, das dann durch die Rohre fließt. Und hier ist die Lieferzeit bei den meisten Herstellern zurzeit sehr lang, sagt Jungbauer. Gerade habe ein Hersteller ihm einen Zeitraum von zwölf bis 15 Monaten gemeldet. Ein anderer sage: Lieferzeiten können momentan gar nicht genannt werden.

Martin Jungbauer: „Die Hersteller kommen nicht hinterher“

„Die Hersteller kommen nicht hinterher, und wir Betriebe kämpfen auch furchtbar“, so Jungbauer. Er kritisiert auch „Panikmache der Politik“, durch die viele Hauseigentümer jetzt ihre Heizung austauschen wollten. Der Handwerksmeister aus Waiblingen sagt: „Es ist sonnenklar, dass wir was für die Umwelt und fürs Klima tun müssen.“ Doch es „so übers Knie zu brechen“, das hält er für falsch. Es brauche ja auch Zeit für eine fachkundige Beratung.

Diese Zeit will Jungbauer sich weiter nehmen. Wenn jetzt ein Interessent anrufe, könne er innerhalb von drei bis vier Wochen einen Vor-Ort-Termin erhalten. Dann aber seien je nach Zustand des Gebäudes und der Unterlagen noch „intensive Vorarbeiten“ nötig, etwa eine Wärmebedarfsberechnung. Sechs bis acht Wochen nach dem ersten Termin bekomme der Interessent ein Angebot. Und dann muss die Wärmepumpe natürlich erst einmal geliefert werden.

Robin Steffen: Planung ist der "eigentliche Flaschenhals"

Von einer Lieferzeit von um die sechs Monate, je nach Hersteller, spricht Robin Steffen von der Bad & Heizung Maier GmbH aus Neustadt. Er arbeite mit kleineren Herstellern zusammen, die in Deutschland produzieren, so Steffen. Den „eigentlichen Flaschenhals“ sieht er aber in der Planung, die vorher stattfinden muss. Bedarf berechnen, Angebot erstellen, Förderanträge einreichen und auf die Bescheide warten – das zieht den Prozess in die Länge.

Immerhin: Wer jetzt anfrage, hat laut Robin Steffen eine realistische Chance, dass die Wärmepumpe im nächsten Sommer eingebaut wird. Momentan erreicht ihn etwa eine Anfrage pro Tag – deutlich weniger als kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs. „Jetzt pendelt es sich wieder ein, aber die Unsicherheit ist wahnsinnig groß.“

Steffen appelliert an Interessierte, nicht abzuwinken in der Annahme, dass es ohnehin nichts wird mit der neuen Heizung. Es sei wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen und den ersten Schritt zu gehen. Die Vorplanung sei bei einer Wärmepumpe nun mal viel aufwendiger als bei einer Erdgas- oder Ölheizung.

Betrieb aus Neustadt: Preise bereits um sieben bis 15 Prozent gestiegen

Teurer geworden sind die elektrischen Alternativen außerdem auch. Für dieses Jahr nennt Steffen eine Preissteigerung von sieben bis 15 Prozent – „das ist außerordentlich viel“. Bis Frühjahr 2023 könnten noch mal 15 bis 20 Prozent draufkommen, schätzt er. Noch höhere Aufschläge eines Herstellers würde er nicht mitgehen, sagt der Waiblinger.

Problematisch sei zudem: Wer heute bestellt, wisse noch gar nicht, welchen Preis er für die Wärmepumpe tatsächlich bezahlen muss. Das wird erst bei Lieferung berechnet. Vielen Kunden sei das aber schon bewusst, sagt Robin Steffen.

Dass die Preiskalkulation für Kunden „extrem schwierig“ geworden ist, weil Preisangaben der Wärmepumpen-Hersteller und des Großhandels fehlen, bestätigt auch der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg. „Durch die aktuelle politische Entwicklung ergibt sich eine akut gestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar, inwieweit Engpässe durch Kundennachfrage, Material oder durch eine zu geringe Zahl an Fachkräften entstehen werden“, so der Fachverband auf Anfrage.

Bei einer Umfrage im Sommer hätten die Mitglieder des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) „mit Abstand“ am häufigsten von Lieferschwierigkeiten bei Wärmepumpen berichtet. Aber auch bei Heizkesseln für feste Brennstoffe oder der benötigten Steuerungstechnik gibt es demnach Probleme.

Fachverband: „Mittelfristig“ wird sich der Engpass auflösen

„Rückmeldungen von Mitgliedern deuten darauf hin, dass Kunden aufgrund der Materialverfügbarkeit derzeit zwischen sechs und zwölf Monate warten müssen, bis eine Wärmepumpe eingebaut werden kann“, so der Fachverband in Stuttgart. „Dieser Zeitraum kann kurzfristig sogar weiter ansteigen.“

Für die Zukunft sieht es demnach besser aus: Der Verband erwarte, „dass sich die Engpasssituation für Wärmepumpen mittelfristig in den nächsten Jahren auflösen wird“ – was aber von der „allgemeinen Materialverfügbarkeit“ abhängig sei, etwa von der Liefersituation in Asien.

Klar ist: Es verändert sich etwas im Heizungsbereich, die Wärmewende nimmt Fahrt auf. „Viele Hersteller haben (erst) mit Beginn des russischen Angriffskrieges ihre Strategie für Heizungssysteme von klassischen Öl- und Gasheizungen in Richtung Wärmepumpen verändert und konzentrieren Forschungs- und Produktionskapazitäten nun auf diese Technik“, so der Fachverband schriftlich gegenüber unserer Redaktion.

Selami Sen: Wärmepumpen teurer, aber weiter lieferbar

Und nicht immer muss es mit der Lieferung der Wärmepumpe ein halbes Jahr oder sogar über ein Jahr dauern. Ein bis zwei Geräte bekomme er in der Regel pro Woche geliefert, sagt Selami Sen, Geschäftsführer von Sen Haustechnik aus Hegnach. Wenn jemand jetzt anfrage „und das Haus passt“, könne in drei Monaten die Wärmepumpe in Betrieb sein, sagt der Hegnacher. Schränkt aber ein, dass die alte Heizung den kommenden Winter lieber noch durchlaufen sollte.

Er sei Fachpartner von zwei namhaften Herstellern, deshalb werde er „ein Stück weit bevorzugt“, so Sen, der die Probleme eher in der Logistik als in der Herstellung sieht. Teurer wird es aber auch hier: Wie Robin Steffen geht auch Sen von Preissteigerungen zwischen sieben und 15 Prozent in diesem Jahr aus, und von einer weiteren Erhöhung im Januar.

Aufs jeweilige Gebäude zugeschnitten werden müssen die Heizungen natürlich schon. Acht bis zehn Termine pro Woche zum Thema Wärmepumpen absolviert er zurzeit, sagt Selami Sen. Viele Kunden wüssten aus den Medien, dass es teils lange Lieferzeiten gibt. „Man kann ihnen beruhigt sagen: Machen wir es im Sommer. Das verstehen die Leute auch.“

Wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine und der Folgen für die Energieversorgung sind Alternativen zum Erdgas gefragt wie nie. Beim Heizen ruhen viele Hoffnungen auf Wärmepumpen. Waiblinger Handwerker erreichen viele Anfragen von Hauseigentümern. Kommen die Betriebe noch hinterher? Und wie lange ist die Lieferzeit für eine Luft-Wärmepumpe?

Einen großen Unterschied macht es, welche Art von Luft-Wärmepumpe gewünscht wird: So sind Luft-Luft-Wärmepumpen, die die Wärme über ein

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