Waiblingen

Warum wird dieser Vorgarten als Müllhalde genutzt?

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Kein schöner Anblick, aber bald Geschichte: Die Müllhalde in der Beinsteiner Straße. © ZVW/Sarah Utz
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In einem Vorgarten in der Beinsteiner Straße stapelt sich der Müll.

Kernen-Rommelshausen. Einen abenteuerlichen Anblick bietet derzeit der Vorgarten eines Hauses in der Beinsteiner Straße: Möbel, Kartons, Plastiktüten, Teppiche und allerlei sonstiger Müll bedecken fast den gesamten Rasen. Aus dem Rathaus heißt es: nicht mehr lange. Nächste Woche räumt der Bauhof die Müllhalde.

In der kommenden Woche soll der viele Müll weggeräumt werden, der in der Beinsteiner Straße seit Tagen für, diplomatisch ausgedrückt, große Verwunderung sorgt. Das kündigt Bürgermeister Stefan Altenberger auf Anfrage unserer Zeitung an: „Der Bauhof holt die Sachen ab“, versichert er. Doch wie kam es überhaupt zu der Müllhalde im Vorgarten?

Haus gehört der Gemeinde

In der Beinsteiner Straße hat die Kreisbaugesellschaft neue Wohnhäuser gebaut. Es ist bereits der dritte von insgesamt vier Bauabschnitten, in denen hier bezahlbarer Wohnraum entsteht. 22 neue Wohnungen befinden sich bereits in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses, vor dem sich nun der Unrat stapelt. Das betreffende Haus gehört der Gemeinde. Hier wird kostengünstiger Wohnraum angeboten. Die Bewohner ziehen dieser Tage um – in die neuen Wohnungen der Kreisbau nebenan.

Kernener gehen Aufforderung nach

Ursprünglich, erklärt der Bürgermeister, sei es der Plan der Gemeinde gewesen, alle Bewohner mit Sperrmüllschecks zu versehen – dann wären die ausrangierten Möbel nach und nach abgeholt worden. Das habe aber nicht funktioniert. „Deshalb mussten wir den Bewohnern eine Frist einräumen“, sagt Altenberger. Die Kernener verwandeln den Vorgarten also nicht auf eigene Faust in eine Müllhalde, sie tun lediglich, wozu sie aufgefordert wurden. Wenn kommende Woche alle mit Entrümpeln fertig sind, kümmert sich der Bauhof um die ausrangierten Sachen.

Bürgermeister: "Renovieren würde sich nicht rechnen"

Das Sozialwohnungsprogramm in der Beinsteiner Straße sieht vor, nach und nach die alten Häuser aus den 60er Jahren abzureißen. „Renovieren würde sich nicht rechnen“, sagt der Bürgermeister. Die jeweiligen Grundstücke gehen laut Altenberger per Erbbaupacht günstig an die Kreisbaugesellschaft. Diese errichtet neue Wohnhäuser, in denen sich wiederum die Gemeinde ein Belegungsrecht sichert – 33 Prozent unter dem Mietspiegel liege die Monatsmiete hier, sagt Altenberger.

Bis das Haus abgerissen wird, wohnen hier Flüchtlinge

Das leergeräumte Haus in der Beinsteiner Straße wird allerdings nicht sofort abgerissen. Vorübergehend werden hier Flüchtlinge untergebracht, für die Kernen bisher keinen Platz hatte. Auch in drei Gebäuden in der parallel verlaufenden Mozartstraße, die eigentlich für den Abbruch vorgesehen sind (hier plant die Kreisbau Eigentumswohnungen), ziehen zunächst Flüchtlinge ein – sie sollen dort so lange wohnen, bis die Bauprojekte am Weihergraben und in der Robert-Bosch-Straße fertiggestellt sind. Das entlastet Kernen bei der Fehlbelegerabgabe, die Kommunen an den Landkreis entrichten müssen, wenn sie die Aufnahmequote für Flüchtlinge nicht erfüllen.


Gemischt

In den neuen Wohnungen, die in der Beinsteiner Straße entstehen sollen, wünscht sich Bürgermeister Altenberger eine gemischte Belegung. Das ist wegen der Förderrichtlinien des Landes gar nicht so einfach: Entweder dürfen nur Wohnungssuchende oder nur Geflüchtete einziehen. Bei einem Termin in Stuttgart will Altenberger für sein Anliegen werben.