Waiblingen

Waschbär-City Waiblingen: Tier spaziert derzeit auf Altstadt-Dächern herum

Wäschbär
Symbolfoto. (Archiv) © ZVW/Gabriel Habermann

Und täglich grüßt der Waschbär - jedenfalls bei Familie Winkler in der Kurzen Straße in Waiblingen. Abends schaltet Werner Winkler den Fernseher gar nicht erst an, er guckt lieber Waschbär - aus dem Fenster kann er seit über einer Woche täglich beobachten, wie ein Exemplar an Dächern gegenüber herumspaziert. Gerne liegt der Waschbär auch in einer Dachrinne. Was sagen die Ämter zu solchen Sichtungen?

„Es ist zum Schreien“, findet Werner Winkler. Er meint das positiv, schließlich sehe es einfach sehr lustig aus, wie das Pelztier - vermutlich ein Weibchen, da es auch mit fünf bis sechs Jungtieren unterwegs ist - aus der Rinne lugt und den Leuten auf der Straße zuguckt, berichtet der Anwohner. 

Allesfresser Waschbär: "Die Vögel machen ein Gezeter"

Seitdem das Tier in der Nachbarschaft aufgetaucht ist, heißt es für Werner Winkler und andere Anwohner abends: „Wir gucken wieder die Waschbär-Show.“ An dem älteren Haus in der Kurzen Straße, an dem er die tierischen Neubewohner täglich beobachten kann, vermutet der Waiblinger eine Art abgetrennten Hohlraum unter dem Dach. Dort könnte sich die Waschbärfamilie eingerichtet haben. „Er guckt immer unter der Dachrinne vor in den Himmel und liegt da noch kurz“, berichtet Werner Winkler über die abendlichen Ausflüge des Waschbären. „Dann wird er mutiger und spaziert herum.“

Das bekommen auch andere Tiere mit, vor allem Vögel. „Die Vögel machen ein Gezeter und verrückte Flüge, wenn der Waschbär draußen ist. Die gehen oben die Dachrinne entlang und schimpfen und warnen.“ Aus gutem Grund: Waschbären fressen Vogeleier und auch Jungtiere, wenn sie die Nester finden. Laut Umweltbundesamt sind Waschbären Allesfresser. Sie „bevorzugen aber Weich- und Wirbeltiere und zu etwa 40 Prozent pflanzliche Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen z. B. Würmer, Insekten, Weichtiere, Krebse und Fische, junge Bisamratten, Kleinsäuger, Vögel und deren Gelege, Eicheln, Mais, im Herbst besonders auch Obst und Beeren und sogar Aas“.

Stadt: Kein Katzenfutter stehen lassen

Auch aus der Mülltonne oder an Katzenfutternäpfen bedienen sich die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere gern. Werner Winkler hat schon bemerkt, dass Biomüll-Tonnen an einigen Morgen offen standen - auch, nachdem ein Nachbar zur Absicherung schwere Steine daraufgelegt hatte.

„Um Waschbären auf Nahrungssuche nicht anzulocken, sollte Katzenfutter nie draußen stehen bleiben“, empfiehlt daher die Stadt Waiblingen. „Waschbären sind Allesfresser und räumen sogar Mülltonnen aus, wenn diese nicht richtig verschlossen sind“, so Oliver Conradt, Abteilungsleiter Ordnungswesen. Wenn ein Waschbär zum Problem wird, wenden sich Bürger Conradt zufolge in der Regel direkt an das Kreisjagdamt. Dort rufen „regelmäßig“ Rems-Murr-Bürger an, „die sich in ihren Gärten durch Waschbären gestört fühlen“, so Kreis-Pressesprecherin Leonie Graf. „Nach Einschätzung einer zuständigen Kollegin sind die Anfragen in den letzten Jahren deutlich mehr geworden, wir dokumentieren die Zahl aber nicht.“

Auch das Landratsamt empfiehlt, „Katzen im Haus zu füttern, damit die Waschbären nicht mehr an deren Futter herankommen, und keine Essensreste auf den Kompost zu werfen und die Mülltonnen für Waschbären unzugänglich aufzubewahren. Haben die Waschbären es sich in einer Gartenhütte gemütlich eingerichtet, raten wir dazu, es ihnen durch Lärm ungemütlich zu machen und danach den Zugang zu verschließen. Als letzte Möglichkeit kann ab Juli eine Fallenfanggenehmigung beantragt werden.“

Klettern können die Tiere auch. Werner Winkler hat „sein“ Nachbarschaftsexemplar mal „Kopf voran abtauchen“ sehen, an einer Dachseite, an der das Regenrohr befestigt ist. „Da muss er runtergeklettert sein.“ Selbst einsehen kann Winkler diese Seite von seiner Wohnung im dritten Stock aus nicht. Das Umweltbundesamt weiß auf seiner Internetseite über Waschbären zu berichten: „Sie können gut klettern und gehören zu den intelligentesten Tieren.“

Vorsicht vor dem Kot der Tiere

So putzig sie auch aussehen - unproblematisch ist das Waschbär-Vorkommen in unmittelbarer Nähe zum Menschen für keine Seite. „Waschbären können durch Flöhe, Läuse und Zecken verschiedene Krankheitserreger auf Mensch und Haustier übertragen. Außerdem können sie Tollwut und andere infektiöse Krankheiten (Staupe, Panleukopenie, Hasenpest u. a.) verbreiten“, so das Umweltbundesamt.

„Auf Dachböden nutzen oft mehrere Tiere eine Stelle als Toilette, wobei die im Kot möglicherweise enthaltenen Spulwurm-Eier gefährlich sind. Kinder und Haustiere sollten davon ferngehalten werden. Der Kot sollte unbedingt entfernt (verbrannt) werden, wobei bei der Beseitigung unbedingt Handschuhe getragen werden sollten.“ Wenn Waschbären einen Dachboden nutzen, sei der Schaden durch Verschmutzung und Lärm groß, so die Behörde. Ihre Anmerkung: „Es ist schwer, sie wieder loszuwerden.“

Und täglich grüßt der Waschbär - jedenfalls bei Familie Winkler in der Kurzen Straße in Waiblingen. Abends schaltet Werner Winkler den Fernseher gar nicht erst an, er guckt lieber Waschbär - aus dem Fenster kann er seit über einer Woche täglich beobachten, wie ein Exemplar an Dächern gegenüber herumspaziert. Gerne liegt der Waschbär auch in einer Dachrinne. Was sagen die Ämter zu solchen Sichtungen?

„Es ist zum Schreien“, findet Werner Winkler. Er meint das positiv, schließlich sehe

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