Waiblingen

Weihnachtsferien werden doch nicht verlängert: Waiblinger Elternvertreter und Schulleiter ärgern sich über Zickzack-Kurs des Landes

Schule hat begonnen Tag 2
Unterricht mit Maske an der Kaufmännischen Schule in Waiblingen. © Benjamin Büttner

Freitag, 18. Dezember, sollte eigentlich der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien sein – und berufstätige Eltern standen deshalb vor einem großen Problem: Wer kümmert sich um die Kinder? Baden-Württemberg wollte sich nämlich an eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern halten und am Montag, 21. Dezember, sowie am Dienstag, 22. Dezember, keinen Präsenzunterricht anbieten. Die Idee dahinter: Familien sollen so vor Weihnachten ihre Kontakte reduzieren. Wer sechs Tage zu Hause war, kann Oma und Opa an Heiligabend mit einem sichereren Gefühl besuchen.

Nun kam am Dienstag die Rolle rückwärts: Die Weihnachtsferien in Baden-Württemberg starten nun doch erst am 23. Dezember. In Waiblingen kommt das nicht gut an: Sowohl der geschäftsführende Schulleiter Axel Rybak als auch der Vorsitzende des Waiblinger Gesamtelternbeirats, Andreas Reichenauer, kritisieren die Entscheidung. Sie fragen sich: Wie ist da noch eine verlässliche Planbarkeit für Schule und Eltern möglich?

Hat die Politik einen klugen Kompromiss getroffen?

Für die erste bis siebte Klasse ist am 21. und 22. Dezember regulärer Präsenzunterricht vorgesehen. Jetzt kommt das große Aber: Eltern dürfen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause lassen oder zur Schule schicken. Und Schüler ab der achten Klasse sollen Fernunterricht bekommen. Schulen, die an den letzten beiden Schultagen vor Weihnachten sowieso bewegliche Ferientage eingesetzt hätten, sind von all dem nicht betroffen. Hat die Politik hier einen klugen Kompromiss gefunden?

Schulen sind keine Corona-Hotspots

Einerseits zeigen die Zahlen vor Ort einmal mehr, dass Schulen keine Hotspots sind: Von 5415 Schülern in Waiblingen sind bisher 92 mit dem Coronavirus nachweislich infiziert gewesen (Stand 30. November 2020). Das sind nur 1,7 Prozent. Darüber hinaus gibt es Verdachtsfälle respektive Schüler, die als Kontaktpersonen zu Infizierten gelten.

Die Infektionsfälle stammen aber fast immer aus dem privaten Umfeld. „Der Stadt Waiblingen sind keine konkreten Fälle bekannt, in denen eine Ansteckung von Schüler zu Schüler direkt in der Schule erfolgt ist. Aufgrund des diffusen Fallgeschehens ist dies allerdings auch nicht nachweisbar“, betont Erika Schwiertz, die bei der Stadt Waiblingen den Fachbereich Bildung und Erziehung leitet.

Schulleiter: „Das ist das, was mich am meisten aufregt in dieser Zeit“

Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule und geschäftsführender Waiblinger Schulleiter, geht ebenfalls davon aus, dass die Schulen für Kinder ein relativ sicherer Ort sind. Bis Dienstag ging Rybak noch davon aus, durch die verlängerten Ferien die gewonnene Zeit zu nutzen, um an seiner Schule jene Aufgaben anzupacken, die wegen Corona liegenbleiben mussten – zum Beispiel die Organisation von Schwangerschaftsvertretungen. Auch die Klassenlehrer hätten die Zeit gut brauchen können. Die Nachricht über die neue Regelung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann ärgert den Rektor – weil er mal wieder alle Planungen über den Haufen werfen muss. „Das ist das, was mich am meisten aufregt in dieser Zeit.“

Bewegliche Ferientage vor Weihnachten bei Eltern nicht beliebt

Dass in Waiblingen nun die beweglichen Ferientage vor Weihnachten eingesetzt werden, ist laut Axel Rybak keine Option. Das hätten die Eltern in der Vergangenheit nie gewollt, was auch an der Lage in den Unternehmen liegt. Hier wird schließlich bis zum 23. Dezember voll gearbeitet. Was den geschäftsführenden Schulleiter an der nun getroffenen Regelung stört, ist das Thema Freiwilligkeit. Wenn Eltern an jenem 21. und 22. Dezember ihre Kinder nicht in die Schule schicken, könne er für diese Mädchen und Jungs ja kein Streaming des Unterrichts per Video anbieten.

Dass der Fernlernunterricht ab der achten Klasse an sich gut funktioniert, davon geht Rybak aus. Aus seiner Sicht läuft das auch schon ab der fünften Klasse. Darum hätte er es gut verstanden, wenn an den weiterführenden Schulen in diesen zwei Tagen grundsätzlich alle Fernlernunterricht bekommen.

Gesamtelternbeirat: „Jetzt macht man die Eltern alle schalu“

Andreas Reichenauer, Vorsitzender des Waiblinger Gesamtelternbeirats der Schulen, sieht es ähnlich wie Axel Rybak. Aus seiner Sicht sollten entweder alle Schulen geöffnet oder alle geschlossen werden. Von der nun vereinbarten Mischform hält er nicht viel. „Da sind die Schulen doch alle nicht darauf vorbereitet.“ Auch für die Mütter und Väter sei es ärgerlich, wenn nicht verlässlich geplant werden könne. „Jetzt macht man die Eltern alle schalu.“ Reichenauer fragt sich auch, wie mit dieser Lösung noch das Ziel erreicht werden soll, vor Weihnachten mit Blick auf Corona die Zahl der Kontakte zu reduzieren.

Was sagt die Stadt Waiblingen zur Rolle rückwärts?

Bei der jetzigen Regelung muss immerhin die Stadt Waiblingen nun keine Notbetreuung für die Eltern organisieren. Anfragen von Eltern dazu gab es aber auch bislang nicht. Erika Schwiertz, die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Erziehung, sieht jetzt eine zusätzliche organisatorische Herausforderung für die Schulen, da für die erste bis siebte Klasse sowohl Präsenz- als auch Fernunterricht angeboten werden müsse.

Vorteile erkennt sie aber auch: „Für Eltern von jüngeren Kindern kann der nun doch spätere Ferienbeginn mit der Möglichkeit, die Kinder am 21. und 22. Dezember in den Präsenzunterricht zu schicken, eine Entlastung im Hinblick auf die Betreuung bedeuten.“ Ob das Ziel des Landes, bis Weihnachten die Kontakte zu minimieren, so noch erreicht wird, ist eine andere Frage.

Freitag, 18. Dezember, sollte eigentlich der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien sein – und berufstätige Eltern standen deshalb vor einem großen Problem: Wer kümmert sich um die Kinder? Baden-Württemberg wollte sich nämlich an eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern halten und am Montag, 21. Dezember, sowie am Dienstag, 22. Dezember, keinen Präsenzunterricht anbieten. Die Idee dahinter: Familien sollen so vor Weihnachten ihre Kontakte reduzieren. Wer sechs Tage zu Hause war, kann

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