Waiblingen

Weik & Friedrich: So wird Wohlstand vernichtet

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Marc Friedrich (links) und Matthias Weik. © Privat
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Marc Friedrich (links) und Matthias Weik. © ZVW

Waiblingen. Ökonomie ist nicht sexy. Ökonomie muss deshalb aber nicht öde sein. Marc Friedrich und Matthias Weik wagen den Versuch, sich den komplexen Zusammenhängen der Wirtschaft auf unterhaltsame Art, im lockeren Ton und in einer verständlichen Sprache zu nähern. „Kapitalfehler“ heißt das neue Buch der Waiblinger Bestseller-Autoren, das an diesem Freitag erscheint.

Schon im Untertitel erfahren wir, worauf Weik und Friedrich hinauswollen: „Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen.“ Bereits im Klappentext wird uns gesagt, wer an der Misere schuld ist: der Finanzkapitalismus. „Denn er verteilt vorhandenen Wohlstand total ineffizient.“

Die beiden ersten Bücher wurden zu Bestsellern

Es ist das dritte Buch von Matthias Weik und Marc Friedrich. Die beiden ersten sind Bestseller. Mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ hat das Waiblinger Autorenduo 2012 den Zeitgeist getroffen und die Unzufriedenheit der Bürger mit dem außer Rand und Band geratenen Wirtschafts- und Finanzsystem aufgegriffen. 2014 folgte „Der Crash ist die Lösung“. Weik und Friedrich erreichen mit ihren Büchern ein Publikum, das mit Volkswirtschaftslehre und Nationalökonomie sonst herzlich wenig bis nichts am Hut hat. Und sie dürften mit ihrem Erfolg den Neid vieler Ökonomen erregen, die im Elfenbeinturm der Wissenschaft verharren oder sich als willfährige Berater für Wirtschaftsverbände verdingen. Mit einer Startauflage von 50 000 Exemplaren sind die Erwartungen des Eichborn-Verlages an „Kapitalfehler“ hoch.

Reichtum und Erfolg, Karriere und Glück, aber auch Gier und Untergang. Das sind die Themen, die bei den Wirtschaftsbestsellern ganz oben stehen. Unter den Autoren der fünf meistverkauften Bücher im Mai befindet sich nur eine gelernte Ökonomin: Sahra Wagenknecht. „Reichtum ohne Gier“ führt die Liste an, gefolgt von „Die Millionärsformel“ des halbseidenen Finanzjongleurs Carsten Maschmeyer. Auf Platz fünf kommt bereits „Das Endspiel“, von Florian Homm, in dem ausgerechnet ein verurteilter Finanzbetrüger vor dem Crash warnt und Tipps gibt, wie Millionäre ihre Millionen „vor raffgierigen Regierungen in Sicherheit bringen“ und „welche Strategien sie von den Superreichen übernehmen“ können.

Gier, Reichtum, Untergang. Das sind die Themen, mit denen sich Weik und Friedrich in ihrem dritten Buch beschäftigen. An der Analyse der beiden ersten Bücher hat sich nichts verändert. „Die Politik traut sich an dringend nötige Regulierungen der Finanzmärkte bis heute nicht heran – nicht zuletzt, weil viele Staaten bis an die Halskrause verschuldet und damit abhängig von den Dealern ihrer Anleihen sind.“ Sie hätten sich aber auch die Argumente von Kritikern zu Herzen genommen, die ihnen einen Hang zu tagesaktueller Faktensammelwut und oberflächiger Krisenanalyse vorgeworfen hätten. Deshalb wollten sie der Frage auf den Grund gehen, weshalb der Kapitalismus regelmäßig „zu einem System mutiert, in dem nur noch die Interessen von ein paar Dutzend globalen Konzernen, einer immer kleineren Zahl von Superreichen und einer von der Realwirtschaft fast vollständig abgeschotteten Finanzelite zählen“.

Warum sind die rohstoffreichsten Länder auch die korruptesten?

Weik und Friedrich beschäftigen sich mit der aktuellen Eurokrise ebenso wie mit dem Begriff Krise. Sie betrachten die langen Zyklen, die den Kapitalismus vorangetrieben haben, und sehen die Welt aktuell in einem Übergang vom Zyklus der Mobilität hin zum Zyklus, der von knappen Ressourcen bestimmt wird. Weik und Friedrich betrachten Investition und Spekulation, denken darüber nach, was ein gutes Unternehmen ausmacht, und fragen sich, warum die rohstoffreichsten Länder auch die korruptesten Länder auf der Erde sind. Bis auf Norwegen. Und sie räumen mit den gängigen Irrtümern über das Wesen des Geldes auf. „Kapitalfehler“ taugt durchaus als eine kleine, wenn auch nicht umfassende Einführung in die Volkswirtschaftslehre.

Im siebten Kapitel wird es bitter für die Anhänger der real existierenden sozialen Marktwirtschaft. In „Schuldknechtschaft für alle“ erklären sie, wie sich die Welt in Schulden verstrickt hat und es nur einen Gewinner gibt, nämlich die Superreichen auf dieser Erde. Weik und Friedrich räumen auf mit dem kindlichen, ja fast kindischen Glauben, dass der Markt irgendetwas mit Gerechtigkeit zu tun haben könnte. Schon gar nicht, wenn es sich um Reichtum und Vermögen dreht.

Der polemische Ton erleichtert die Lesbarkeit

Ja, „Kapitalfehler“ ist für einen an Ökonomie interessierten Leser eine gute Lektüre. Und ja, gerade der polemische Ton, den Weik und Friedrich auch in ihren Erklärstücken pflegen, erleichtert die Lesbarkeit. Und nochmals ja, „Kapitalfehler“ könnte für manch einen Leser den Einstieg in das oft spröde Sujet der Wirtschaft werden. Denn das abstrakte Wirtschaften hat durchaus mit mir zu tun, zeigen die Autoren bei ihrem kleinen Ausflug in den Billigwahn auf, der viele arm und ganz wenige reich mache. Ihr Fazit lautet: „Es liegt durchaus in unserer Macht, Großkonzerne zu boykottieren und ihnen zu demonstrieren, dass wir gegen Profitmaximierung um jeden Preis und auf unsere Kosten sind.“

Ein Vorwurf, dem Weik und Friedrich immer wieder begegnen, ist, dass sie Schwarzmaler seien und den Untergang herbeischreiben wollten. Der ist ausgeblieben. Bisher. Es werde auf Zeit gespielt, erwidert Marc Friedrich routiniert. Ein teurer Zeitplan, um den Crash als Lösung hinauszuzögern. In „Kapitalfehler“ machen die Autoren konkrete Vorschläge, was sich in diesem Wirtschaftssystem ändern muss und wie die Finanzmärkte reguliert werden sollten. „Denn eine nochmalige Rettung der Finanzwelt kann sich die Welt schlichtweg nicht mehr leisten – weder finanziell noch gesellschaftlich“, lautet der Schluss des Buches. „Packen wir’s an!“

Genau dies ist jedoch ein Schwachpunkt der beiden Ökonomen. Sie argumentieren oft moralisch: „Wir brauchen Regeln für ein Miteinander, wer dagegen verstößt und dem Gemeinwohl schadet, muss bestraft werden.“ Sie zeigen aber keine politische Strategie auf, wie die neue Moral umgesetzt werden könnte.

Auch Basisdemokratie, auf die sie setzen, benötigt politische Strukturen – und letztendlich fach- und sachkundige Politiker. Nicht nur knackig formulierende Ökonomen, die die Misere hervorragend beschreiben und erklären können.

Ausgebucht

„Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ von Marc Friedrich und Matthias Weik erscheint am Freitag, 13. Mai, im Eichborn-Verlag. Das Buch, 349 Seiten, kostet 19,99 Euro; das Hörbuch umfasst sechs CDs (450 Minuten).

Die Buchpräsentation am Dienstag, 17. Mai, im Zeitungshaus Waiblingen ist ausgebucht. Am Donnerstag, 9. Juni, um 19.30 Uhr sind Weik und Friedrich im Bürgerzentrum Waiblingen zu Gast.