Waiblingen

Weik und Friedrich: Roboter sind besser und billiger

Buchvorstellung Weik und Friedrich Crash
Buch "Der Crash ist die Lösung" von Weik und Friedrich - Foto ??????? © Ramona Adolf

Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien“, sagte bereits Oscar Wilde. Was uns heute noch utopisch erscheint, kann in Kürze bereits Realität sein. Ob wir es möchten oder nicht, der Fortschritt war niemals und ist auch heute nicht aufzuhalten. Die Erde „dreht“ sich immer schneller. Früher erlebte man in seinem Leben eine Welt – heute sind es drei, vier vielleicht sogar fünf Welten.

Uns allen sollte bewusst sein, dass die nächste große Industrialisierung – die digitale Industrialisierung – gerade stattfindet. Eine Industrialisierung, welche ebenso extreme Auswirkungen auf unser Leben haben wird wie die Industrialisierung vor knapp 250 Jahren. Google, Paypal, Amazon, Facebook, Whatsapp, Uber, Car-Sharing sind erst der Anfang und selbstlernende Computer das nächste ganz große Ding.

Welle der Digitalisierung rollt wie ein Tsunami auf uns zu

Während wir uns insbesondere in Deutschland auf unserem Exportweltmeistertitel ausruhen und die Politik Steuergelder aus Rekordsteuereinnahmen verprasst, welche wir in Kürze bitter benötigen werden, während Arbeitnehmer sich der Work-Life-Balance, der 35-Stundenwoche, der Rente mit 65 und der Elternzeit erfreuen, rollt ein gigantischer – für die meisten noch vollkommen unsichtbarer – Tsunami auf uns zu: die Welle der Digitalisierung, das Ersetzen menschlicher Arbeit durch Maschinen und Computerprogramme. Die Industrialisierung 4.0 wird die Welt komplett aus den Angeln heben und damit grundlegend verändern.

Bis vor kurzem haben wir dem Computer alles beigebracht. Dies ist äußerst mühsam und zeitintensiv. Wesentlich schneller geht es, wenn Computer selber lernen. Selbstlernende Systeme sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität, und sie werden unsere Welt massiv verändern.

Humankapital ist im Überfluss vorhanden

Das IBM-Computersystem Watson – ein Computerprogramm aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz – versteht die menschliche Sprache, lernt durch Interaktion, analysiert die Daten und liefert Antworten für bessere Ergebnisse.

In unserer heutigen globalisierten Welt ist Humankapital (Arbeitskräfte) im Überfluss vorhanden. Es herrscht ein massives Überangebot insbesondere an ungelernten, niedrig- und mittelqualifizierten Arbeitskräften – eigentlich ein Traum für jeden Unternehmer. Glaubt man den blumigen Aussagen à la „Meine Arbeiter sind mein Kapital“ einiger großer Konzernlenker, müsste sich ein einigermaßen qualifizierter Angestellter in der Produktion, im Handel und in der Verwaltung von Unternehmen und Behörden eigentlich – insbesondere in Deutschland – keinerlei Sorgen machen. Diese gegenwärtige Sicherheit ist jedoch ein Trugschluss, denn die Welt ist längst eine andere. Entgegen aller Behauptungen sind die meisten Mitarbeiter im digitalen Zeitalter für Unternehmen längst nicht mehr so wichtig wie Software. Dies ist nicht nur die Meinung einiger Neoliberalisten, sondern so denkt die Mehrheit der Chefs global.

Hoher Lebensstanddard danke der sogenannten Industrialisierung

Die sogenannte Industrialisierung hat uns in der westlichen Welt einen sehr hohen Lebensstandard gebracht: Wohnraum mit Strom, fließend Wasser, Heizung, ein voller Kühlschrank und unzählige sonstige technische Geräte sind für uns heute genauso selbstverständlich wie das Reisen mit dem Schiff, der Bahn, dem Auto oder dem Flugzeug und die tägliche Kommunikation mit dem Laptop und dem Smartphone.

In den letzten 250 Jahren sind bei der Transformation vom Agrar- zum Industriestaat einerseits laufend Arbeitsplätze durch Maschinen vernichtet worden und andererseits neue entstanden. Kontinuierlich steigen jedoch die Anforderungen und somit auch der Grad der Qualifikation der Mitarbeiter. Viele einfache Hilfsarbeiterjobs, welche vor 50 Jahren in der Produktion Usus waren, sind heute schon verschwunden beziehungsweise werden in Kürze verschwinden. In Fabrikhallen, in denen vor 40 Jahren noch 100 Menschen gearbeitet haben, sind es heute noch 20. Bald werden es nur noch fünf hochqualifizierte Experten sein, und in maximal 15 Jahren nur noch einer.


Die Digitalisierung stellt auch das klassische Bankgeschäft vollkommen auf den Kopf. Egal ob Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken – keiner wird verschont. Filialen werden bereits heute nach und nach geschlossen, digitalisiert und Stellen massiv abgebaut. Ob Sie einen Kredit aufnehmen, Geld überweisen oder anlegen, im Netz oder in der realen Welt einkaufen gehen, für all das benötigen Sie eine Bank im klassischen Sinne schon lange nicht mehr.

Erst seit zehn Jahren ist das Smartphone auf dem Markt. Innerhalb dieser kurzen Zeit hat es unsere, aber auch die Welt der Banken tiefgreifend verändert. Es hat und wird das Banking weiter atemberaubend schnell und knallhart revolutionieren und einige Big Player werden diese Revolution nicht überleben. Längst kann man mit dem Smartphone-Konto Geld überweisen, Sofortkredite abschließen. . . Konzerne wie Apple oder Google könnten ohne Probleme die eine oder andere Bank aus der Portokasse erwerben. Beide haben seit Jahren eine Banklizenz. Sie machen es aber nicht.

Digitalisierung ist in der Dienstleistungsindustrie angekommen

Car-Sharing, Uber, Mytaxi, selbstfahrende Bahnen, Autos und Lkw, Check-in und Security-Checks am Flughafen ohne Personal – alles bereits Realität oder in der Erprobung. Auch Flugzeuge steuern sich bereits selbst und das selbsttätige Landen stellt für die großen Maschinen kein Problem mehr dar. Flugzeuge ohne Piloten nur Science Fiction? Nein, nicht nur Airbus-Chef Tom Enders glaubt an das autonome Flugzeug.

Die Digitalisierung ist voll in der Dienstleistungsindustrie angekommen. Selbstverständliche Jobs wie Taxi-, Bus-, Lkw-Fahrer, aber auch Piloten werden in Zukunft genauso selten vorzufinden sein wie heute Schriftsetzer, Harzer, Hufschmied, Köhler, Wagner. Ob insbesondere Menschen, deren höchste Qualifikation ein Führerschein ist, in einer hoch technologisierten Welt wieder Anschluss an das Berufsleben finden, sei einmal dahingestellt.

Auch die Gastronomie ist betroffen

Jetzt ist der Handel mit Lebensmitteln dran. Dieser durchläuft nach Jahrzehnten des mehr oder weniger gleichen Geschäftsmodells momentan technisch wie gesellschaftlich einen radikalen Wandel. Da sind vollautomatische Brotbackautomaten erst der Anfang. Den klassischen Supermarkt wird es in Kürze nicht mehr geben. Amazon hat in Seattle (USA) bereits einen Lebensmittelladen ohne Kasse (Amazon Go) als Testladen für Mitarbeiter eröffnet. Bezahlt wird automatisch per App.

Auch in weiteren Bereichen sind Maschinen auf dem Vormarsch. In Shoppingmalls, Innenstädten, Bahnhöfen und Flughäfen werden bald Coffee-Shops ohne jegliches Personal wie beispielsweise Cafe X genauso selbstverständlich sein wie heute Starbucks und McDonalds. In Bars werden Cocktails allein von Robotern gemixt, wie heute bereits in der „Bionic Bar“ auf dem Kreuzfahrtschiff Royal Caribbean.

Texte werden nicht mehr von Menschenhand geschrieben

Die Texte für den Wetterbericht werden genauso wie die Analyse des letzten Fußballspiels nicht mehr von Menschenhand geschrieben. Fast überall werden Roboter den Job von Menschen besser, schneller und vor allem billiger machen als der ungebildete und schlecht qualifizierte Homo sapiens. Selbst bei Tätowierungen hat der Roboter den Menschen in puncto Genauigkeit bereits überholt.

Branchenübergreifend werden einerseits Abermillionen Jobs in der Produktion, in der Verwaltung, bei Banken und Versicherungen, und nicht zuletzt im Einzelhandel verschwinden, andererseits werden zahlreiche neue entstehen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese neuen Jobs von eben diesen besetzt werden, welche ihren Job aufgrund der Digitalisierung verloren haben. Die kommenden Jobs sind in der IT: Suchmaschinenoptimierer, Mechatroniker oder Datenanalysten sind heute gefragt.


Im November 2016 gab es in Deutschland 51 000 offene Stellen für IT-Spezialisten, das entspricht einem Plus von fast 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Menschen ohne Technologie-Affinität werden es auf dem Jobmarkt der Zukunft immer schwerer haben. Menschen ohne Qualifikation oder gar mit mangelnden oder ungenügenden Sprachkenntnissen werden zumeist keinerlei Chance mehr auf einen Job haben. Selbst Jobs für „Ungelernte“ erfordern heute häufig Zusatzqualifikationen und technisches Know-how. Ein Lagerarbeiter ohne PC-Kenntnisse wird es bald nicht mehr geben.

Wir sind weder Sozialromantiker noch Fantasten. Jedoch sind wir mittlerweile nicht nur Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), sondern vollkommen überzeugt, dass das BGE kommt. Im Zuge der Industrie 4.0 werden so viele Jobs wegfallen und verhältnismäßig wenige neue Jobs für absolut hochqualifizierte Fachkräfte entstehen, dass wir überhaupt gar keine andere Möglichkeit haben, als das BGE einzuführen. Es ist durchaus vorstellbar, dass genau aus diesem Grunde Menschen wie Siemens-Chef Joe Kaeser, Telekom-Boss Timotheus Höttges, Ebay-Gründer Pierre Omidyar, SAP-Vorstand Bernd Leukert. . . für ein BGE sind. Entweder setzt sich Erkenntnis eines Grundeinkommens bei den Eliten in Wirtschaft und Politik durch oder „sonst knallt’s.“

Info

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte - warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Nach ihrem zweiten Buch („Der Crash ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“) folgte 2016 „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Am 24. April erscheint ihr viertes Buch „Sonst knallt’s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“, das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) schreiben.

Auf Einladung des Zeitungsverlages Waiblingen stellen die Autoren das Buch am Mittwoch, 26. April, um 19.30 Uhr in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf vor. Abonnenten erhalten Karten zum Abo-Plus-Preis (11 Euro) über den ZVW-Shop im Internet ww.zvw-shop.de oder telefonisch, 0 71 51/5 66-5 66