Waiblingen

Weingut Kuhnle: Einreiseverbot für Kosovo-Musiker

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Wengerter Werner Kuhnle und sein Sohn Daniel Kuhnle haben alles versucht, um die Musikgruppe „Skofiaret“ aus dem Kosovo für ihre Weinserenade nach Strümpfelbach zu holen. Sie reichten Anfang April alle Unterlagen bei der dortigen deutschen Botschaft ein, allerdings ohne Erfolg. © Habermann/ZVW

Weinstadt-Strümpfelbach. „Da waren wir schon bitter enttäuscht“: Werner Kuhnle hat alles versucht, damit die Gruppe „Skofiaret“ aus dem Kosovo bei seiner Weinserenade spielen kann. Er schickte bereits Anfang April alle Unterlagen an die dortige deutsche Botschaft – erhielt aber nie eine Zusage. Auf den Kosten für die gebuchten Flugtickets bleibt er sitzen.

Zehn Tage vor seinem Fest hat Werner Kuhnle alles noch mal umorganisiert. Bis dahin hatte er noch gehofft, von der deutschen Botschaft in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, eine Zusage für den Auftritt der Musiker von „Skofiaret“ zu erhalten – doch keiner meldete sich. Über einen befreundeten Weinbauern aus Ungarn engagierte er deshalb ganz spontan die Gruppe „Csicso“ aus der südungarischen Stadt Szeged, schließlich ist es Tradition, dass bei seiner jährlichen Weinserenade eine Band aus dem Ausland für Unterhaltung sorgt. „Wir alle sind happy gewesen, dass die gekommen sind“, sagt Werner Kuhnle. Zugleich ist er enttäuscht über das Verhalten der deutschen Botschaft in Pristina: Obwohl er Anfang April alle Unterlagen einreichte, konnten „Skofiaret“ nicht einreisen. Die Botschaft hat den Kuhnles nach eigenen Angaben noch nicht mal eine Rückmeldung gegeben, ob der Antrag überhaupt geprüft und abgelehnt wurde.

Werner Kuhnle und seine Familie wollten die Gruppe nicht ohne Grund verpflichten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeiten Kosovo-Albaner für die Strümpfelbacher. Alles fing 1993 mit Sami Mehmeti an, der heute noch für Werner Kuhnle arbeitet, danach folgten dessen Neffen Shani und Hazer Berisha. Als Letzterem die Abschiebung drohte, setzte sich der 60-jährige Wengerter für ihn bei der Härtefallkommission des Landes Baden-Württemberg ein – mit Erfolg. Und auch für Hazer Berishas Sohn Besijan kämpfte Kuhnle. Wer um die bürokratischen Hürden weiß, die solch ein Einsatz mit sich bringt, ahnt, wie sehr Werner Kuhnle der Kosovo am Herzen liegt. Das muss man wissen, um zu verstehen, warum es dem Wengerter so wichtig war, für seine Weinserenade die Gruppe „Skofiaret“ zu engagieren: Er tat es „zu Ehren von den vielen Kosovaren, die hier im Ort leben“.

Ersatzband aus Südungarn

Sie sprangen sehr kurzfristig für die Musiker aus dem Kosovo ein – und sorgten am vergangenen Wochenende bei der Weinserenade für Unterhaltung: Die Gruppe „Csicso“ aus der südungarischen Stadt Szeged:

Früher Antrag bei der Botschaft

Bereits im November 2017 nahmen Kuhnles Kontakt zur Deutschen Botschaft in Pristina auf und fragten nach, was sie tun müssten, damit die Musiker von „Skofiaret“ für einen Auftritt bei der Weinserenade einreisen dürfen. Es war eine ganze Menge, was die Botschaft haben wollte – und Kuhnles reichten laut eigenen Angaben alles bis Anfang April ein. Die Unterlagen liegen unserer Zeitung alle in Kopie vor. Da wäre einmal die unterschriebene Verpflichtungserklärung gegenüber dem deutschen Staat, für alle aufgrund des Aufenthaltes in Deutschland entstehenden Ausgaben, einschließlich der Kosten für eventuelle Krankenbehandlung und Rückführung in das Heimatland, aufzukommen. Auch eine Einkommensbescheinigung über sein eigenes monatliches Nettoeinkommen legte Kuhnle vor, dazu Kopien der bereits bezahlten Flugtickets für die Musiker (natürlich Hin- und Rückflug), eine Kopie der gebuchten Unterkunft und ein Empfehlungsschreiben der Stadt Fellbach, die eine Jugend- und Bildungseinrichtung in Suharekë im Kosovo finanziert. All das nützte jedoch nichts.

Abgeordneter Joachim Pfeiffer: „Das ist nicht der einzige Fall“

Joachim Pfeiffer, Bundestagsabgeordneter der CDU für den Wahlkreis Waiblingen, hat sich auf Kuhnles Bitte bereits im Frühjahr für den Auftritt der Kosovaren eingesetzt – ohne Erfolg. „Das ist nicht der einzige Fall“, sagt Pfeiffer und verweist auf den Pflegebereich, in dem in Deutschland seit langem Fachkräftemangel herrscht. Wenn Menschen aus dem Kosovo als Pfleger nach Deutschland wollen, haben sie es genauso schwer: Laut Pfeiffer beträgt die Wartezeit allein auf einen Termin beim Botschafter ein Jahr – und das bedeutet noch lange nicht, dass dann über den Antrag entschieden wurde. Bei solch einer langen Vorlaufzeit wird der Auftritt von kosovarischen Künstlern in Deutschland fast unmöglich.

Engpässe bei Visavergabe - Mafia aktiv

Gründe gibt es dafür laut Pfeiffer, der im Mai selbst mit dem dortigen Botschafter sprach, einige. „Es liegt nicht nur am Personal.“ Beim jetzigen System der Visavergabe sei die Missbrauchsgefahr hoch, wegen der Engpässe in diesem Bereich sei auch die Mafia aktiv – und das nicht nur im Kosovo, sondern auch in Serbien oder Mazedonien. Daher muss aus Pfeiffers Sicht die Abwicklung der Visavergabe grundsätzlich geändert werden – und das geht aus seiner Sicht nur auf EU-Ebene.

Dass Werner Kuhnles Einsatz umsonst war, bedauert Joachim Pfeiffer. „Er hat nichts Falsches gemacht.“

Keine Reaktion

Unsere Zeitung hat auch beim Auswärtigen Amt in Berlin angerufen, das für die Botschaften zuständig ist. Wir baten um eine Stellungnahme, haben diese aber bislang nicht erhalten. Wir werden indes nicht lockerlassen und beim Auswärtigen Amt erneut nachhaken.