Waiblingen

Weinstädter Familie bei ZDF 37 Grad

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Eine Szene aus dem Film: Der zweijährige Tom findet es offensichtlich toll, dass Katrin Kübler-Herrmann Zeit für ihn und ein großes Buch hat. © Thorsten Poppe
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Wie war das so mit dem Fernsehen? Anita Glass, Geschäftsführerin der katholischen Familienpflege, zusammen mit Katrin Kübler-Herrmann. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen/Weinstadt. Das Fernsehen daheim? Das ist ganz schön aufregend. Für die Kinder aufregend-spannend, für die Mama eher nervenzehrend. Vor allem, weil’s ihr nicht so ganz gut geht. Und deshalb ist das Fernsehen nämlich da. Denn drei Wochen lang wird die Familie von einer Familienpflegerin unterstützt. Und diese Hilfe wird am Dienstag in der ZDF-Reportagereihe 37 Grad vorgestellt.

So ist’s halt beim Film: Die eine oder andere Szene muss mehrmals gedreht werden. Also wieder hoch die Treppe und noch mal runterkommen. Jetzt besser? Nein, hier hatten nicht Schauspieler ihren Auftritt vergeigt. Kinder waren die Treppe runtergestürmt, so fröhlich-schwungvoll, wie Kinder das halt machen. Das war eigentlich perfekt. Nur das Licht, das blöde, wichtige, flüchtige Licht passte nicht. Thorsten Poppe, freier Fernseh-Journalist und bei Lukas, Lasse, Tom und Mama Claudia für die ZDF-Reportagereihe 37 Grad zugange, bat die Kinder wieder nach oben. Noch mal! Und genauso lebendig!

„Wir gehen zu Familien, die eine Krise durchleben“, sagt Anita Glass, die Geschäftsführerin der katholischen Familienpflege Rems-Murr. Solche Familien wollen ihre Probleme, ihre Verzweiflung und Hilfsbedürftigkeit üblicherweise nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten haben. „Es war nicht einfach“, sagt Anita Glass.

Familienpflege kennt kaum jemand: „Ich muss in die Öffentlichkeit“

Die Familienpflege leistet unschätzbar wertvolle Hilfe, wenn Familien in Not sind. Wenn die Mutter krank oder zu schwach oder zur Kur oder warum auch sonst immer nicht in der Lage dazu ist, sich um die Kinder, den Haushalt, das Leben zu kümmern. Die Familienpflege kennt kaum jemand. „Ich muss in die Öffentlichkeit“, sagt Anita Glass.

Thorsten Poppe hatte bei der Diözese angefragt: Er finde den Beruf so interessant, wer würde denn für ihn vor die Kamera? Anita Glass rief laut „Hier“. Alle anderen waren ziemlich still. Anita Glass weiß, warum: Rund 20 Familien hat sie fragen müssen, bis endlich eine „Ja“ gesagt hat. Die Familie kommt aus Weinstadt und kannte die Familienpflege schon: Nach der Geburt des zweiten Kindes war schon mal Unterstützung notwendig gewesen. Jetzt, inzwischen machen drei Jungs Rabatz, wobei der Kleinste noch gewickelt werden muss, bremste eine Operation die Mama aus. Aber sie wusste: Mir wird geholfen. Und vertrauen kann ich auch.

Im privatesten Bereich des Lebens

Einfach war das nicht. Eher zum Verzweifeln schwer. Da geht’s einem nicht gut und dann kommt da erstens jemand, der alles das erledigt, was eigentlich die eigene Aufgabe ist. Der Eintritt in den privatesten Bereich des Lebens. Und dann ist da zweitens noch mal jemand dabei, der jeden Schritt, jedes Wort, jedes Weinen mit der Kamera festhält. „Ganz komisch“, sagt Claudia, sei das erst gewesen.

Thorsten Poppe kam nicht mit einem großen Team. Nur er allein und seine kleine Handkamera standen für das Fernsehen. „Gerade in einem normalen Haushalt, in der Enge eines Hauses, zeigte sich schnell, wie gut wir damit fahren“, sagt Poppe. Diese Zurückhaltung war es, die es ihm ermöglichte, „vor Ort die vielen Situationen und Herausforderungen der Helfer ungefiltert einzufangen“, sagt er. Na ja, sagt Claudia, manchmal, wenn die Emotionen bei den Kindern oder auch bei ihr eigentlich am Überbrodeln gewesen wären, hätten sie sich halt doch ein bisschen zurückgenommen. Man haut halt nicht auf den Tisch, wenn im Hinterstübchen immer die Warnung präsent ist: Das alles kommt demnächst im Fernsehen.

„Frau Hermann macht das“

Dem Mann vom Fernsehen war die ganze Familie schon fast ein bisschen langweilig, fürchtet Claudia. Es lief nämlich alles wirklich gut. Katrin Kübler-Herrmann ist halt ein echter Profi. Seit 20 Jahren ist sie Familienpflegerin. Kein Wunder, dass ihre Chefin Anita Glass bei der ganzen Fernseh-Frage einfach beschloss: „Frau Hermann macht das.“ Die schluckte zwar ein bisschen – aber gut. „Total ungewohnt“, sagt sie, war das natürlich. Poppe stand oft „ganz nah“ mit höchstens einem Meter Abstand. Vergessen oder ignorieren ging nicht. Aber er sei freundlich und humorvoll gewesen. Es war okay. Sie war trotz Kamera mit sich selbst einig.

„Ich hab’ gemerkt, dass ich langsamer gesprochen hab’“, sagt sie. Aber sonst – in dem kurzen Ausschnitt, den sie vorab zu sehen bekam, sei sie ganz natürlich. Das sagen auch alle Kolleginnen. Poppe hatte allerdings ein Problem: der Dialekt! Sie sollte nicht so sehr schwäbisch reden. 37 Grad wird schließlich auch in Hamburg geguckt. Sie hat sich Mühe gegeben – und ist jetzt im Film doch untertitelt. Tja, mr kaa net älles könna.

„Dich schickt der Himmel“...

...heißt die 37- Grad-Reportage rund um die Familienpflege, die am Dienstag, 23. Januar, ab 22.15 Uhr im ZDF läuft. 37 Grad ist eine Doku-Reihe des ZDF, die seit November 1994 wöchentlich ausgestrahlt wird. Die Reihe wurde schon mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Bayrischen Fernsehpreis. Einmal gab’s allerdings auch schon den Trostpreis der „Sauren Gurke“, einen Negativpreis, der im Rahmen des Medienfrauentreffens für besonders frauenfeindlichen Fernsehjournalismus verliehen wird.

Die Katholische Familienpflege Rems-Murr hat ihren Sitz in Waiblingen, Talstraße 12. Sie gehört zur Caritas. Die Familienpflege springt ein, wenn die Mutter – oder der Vater - plötzlich ausfällt. Die Familienpflegerinnen helfen, dass der Alltag trotz Notsituation weiterläuft. Sie führen den Haushalt, helfen bei der Versorgung, Pflege und Betreuung der Kinder sowie kranker, alter oder behinderter Haushaltsangehöriger.

Familienpflege wird von den Krankenkassen übernommen. Mehr Infos auf http://caritas-rems-murr.zukunft-familie.info.