Waiblingen

Weinstadt investiert Millionen

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OB Michael Scharmann (links) und Baubürgermeister Thomas Deißler (Mitte) bei der Baustelle am Haldenbach. Wenn alles gut läuft, ist die Verdolung in sechs Wochen geschafft. © ZVW/Danny Galm
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OB Scharmann ist zuversichtlich, mit all diesen Maßnahmen das Birkelareal für Arbeitgeber attraktiv zu machen.

Weinstadt-Endersbach. Das Birkelareal soll zum Vorzeige-Gewerbegebiet werden – und das lässt sich Weinstadt einiges kosten. Für 1,8 Millionen Euro wird ein Teil der Birkelstraße verlegt, damit die Grundstücke einen besseren Zuschnitt erhalten. Zudem gibt es künftig eine zweite Zufahrt. Mit den Gartenschauprojekten investiert die Stadt insgesamt vier Millionen – und es gibt dafür dicke Zuschüsse.

„Das ist ein Meilenstein, den wir hier hinkriegen“: Oberbürgermeister Michael Scharmann ist stolz auf das, was Weinstadt mit Blick aufs Birkelareal anpackt. Lange lag das Gelände brach, doch jetzt ist endlich für alle zu sehen, wie es vorwärtsgeht. Klar, noch ist alles eine Baustelle und Weinstadt kann noch keine renommierte Firma präsentieren, die sich hier ansiedelt, aber die Chancen bei der Vermarktung haben sich jetzt schon verbessert.

Ein wichtiger Punkt ist hier die Verlegung der Birkelstraße. Sie wird im Osten künftig direkt, also in gerader Linie, an die Werkstraße andocken. Im Westen des Geländes wird es einen Durchstich zur Kalkofenstraße geben – und damit haben die Lastwagen, die ins Gewerbegebiet wollen, eine zweite Zufahrt neben der Zufahrt bei der Palmer-Tankstelle in der Schorndorfer Straße.

Darüber hinaus sollen im Birkelareal ein Gehweg und Längsparkplätze entstehen, eine neue Wasser- und Gasversorgung sowie ein neuer Regenwasser- und ein neuer Mischwasserkanal. Kosten wird all das 1,8 Millionen Euro. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend einstimmig und ohne große Diskussion dafür votiert. Insgesamt investiert die Stadt jetzt aber viel mehr ins Birkelareal – nämlich stolze vier Millionen Euro.

Haldenbach wird teilweise neu verdolt und teilweise renaturiert

Beim Vor-Ort-Termin mit unserer Zeitung zählte Baubürgermeister Thomas Deißler all die Projekte auf, mit denen das Birkelareal aufgewertet wird. Da wäre zum einen der Haldenbach, dessen bestehende Verdolung um 40 Meter verlängert wird, um eben eine Zufahrt zum Kalkofen zu schaffen.

Es handelt sich um eines der Projekte für die interkommunale Remstal-Gartenschau 2019, die Kosten liegen laut Deißler bei 730 000 Euro. Wenn alles gut läuft und es keinen Starkregen gibt, werden die Bauarbeiter mit der Verdolung in rund sechs Wochen fertig sein.

Für 580 000 Euro wird eine Holzbrücke über die Rems errichtet, mit der das Wohngebiet Trappeler ans Birkelareal angebunden wird. Fußgänger und Radfahrer haben dann eine kürzere Verbindung in die Endersbacher Ortsmitte. Genau die gleichen Holzbrücken entstehen auch in Schorndorf, Urbach sowie in Wangen im Allgäu, wodurch die Stadt Weinstadt einen besseren Preis bekommt, als wenn sie der alleinige Auftraggeber gewesen wäre.

Wackelkandidat: Das weiße Kaminhaus

Für rund 700 000 Euro soll ein Uferpark an der Birkelspitze entstehen, inklusive eines weißen Kaminhauses und der Renaturierung eines Abschnitts des Haldenbachs bis zur Remsmündung. Während Letzteres im Gemeinderat nicht umstritten ist, gibt es gegen das weiße Haus Bedenken.

Nach der ersten Ausschreibung gab es nur ein Angebot, das mit 201 000 Euro stark über dem Kostenlimit der Verwaltung lag. Eigentlich wollte Weinstadt nur 80 000 Euro ausgeben. Auch in einer zweiten Runde kam nur ein weiteres Angebot einer Firma herein, die das weiße Haus für 196 000 Euro errichten wollte. Die Stadt verhandelt nun aktuell mit einer Firma über einen abgespeckten Entwurf. CDU-Stadtrat Friedrich Dippon schlug in der jüngsten Gemeinderatssitzung erneut vor, doch auf den teuren weißen Beton zu verzichten und doch einfach Beton weiß streichen zu lassen. Für ihn ist weißer Beton bei einem Kaminhaus sowieso keine glückliche Wahl. „Nach dem ersten Mal Anzünden ist der schwarz.“

Baubeginn für die neue Straße durchs Birkelareal soll übrigens Ende August sein. Fertig sein soll dann alles bis zum Beginn der Gartenschau, also sprich vor Mitte Mai 2019. Einen neuen Namen wird der Abschnitt im Birkelareal auch bekommen: Statt Birkelstraße heißt die Straße künftig „An der Rems“. Für all das gibt es richtig viel Fördergeld aus ganz unterschiedlichen Töpfen, etwa vom Verband Region Stuttgart oder der Europäischen Union. Im Schnitt liegt die Förderung laut Baubürgermeister Deißler bei 60 Prozent. Das heißt: 2,4 der investierten vier Millionen Euro stammen nicht aus der Weinstädter Kasse.

OB Scharmann ist zuversichtlich, mit all diesen Maßnahmen das Birkelareal für Arbeitgeber attraktiv zu machen. „Die müssen das Gefühl haben, dass sie in ein echt gutes Gewerbegebiet kommen.“


Die Geschichte des Areals

Vom Nudelhersteller Birkel hat das Areal im Norden von Endersbach seinen Namen. Die Firma wurde 1874 in Schorndorf gegründet und zog 1909 nach Endersbach – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Birkel wurde Deutschlands bekanntester Nudelproduzent, Mitte der 80er stammten rund die Hälfte der in der Republik hergestellten Eierteigwaren von Birkel. Erst nach dem Vorwurf des Regierungspräsidiums, verunreinigtes Flüssigei verwendet zu haben, ging es abwärts. 1990 wurde Birkel an die Danone-Gruppe verkauft, Ende 1998 wurde der Standort Endersbach dichtgemacht.

Danach war auch mal ein Kultur- und Freizeitcenter mit Disco, Kino und Theater im Gespräch, doch der Plan scheiterte. Später kam die Idee auf, an der Birkelspitze einen Biergarten zu errichten. Konkreter wurde das Ganze aber nie.

2010 ersteigerte die Stadt Weinstadt für 2,8 Millionen Euro ein rund 1,5 Hektar großes Teilstück des 5,19-Hektar-Geländes, 2013 kaufte sie bei einer öffentlichen Zwangsversteigerung für 940 000 Euro zwei weitere Grundstücke.

2014 gab die Stadt bekannt, sich für die Sanierung des Birkelareals um hohe Zuschüsse zu bemühen.

Von Herbst 2015 bis Ende Mai 2016 lebten Flüchtlinge im sogenannten Technikum, wo sich einst die Verwaltung und eine Versuchsküche von Birkel befanden.