Waiblingen

Wie Cacau Schüler motiviert

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Der Ex-VfB-Profi sprach mit den Schülern über Vielfalt, Selbstreflexion und Motivation. © Palmizi/ZVW

Waiblingen. Über seine Kindheit in einem brasilianischen Slum, die Alkoholsucht seines Vaters und den vermeintlich geplatzten Traum vom Profifußball sprach Ex-Nationalspieler Cacau mit den Schülern der Ludwig-Schlaich-Akademie. Der 36-Jährige erzählte ihnen auch, was ihn dennoch immer weitermachen ließ: sein Glaube.

Er sei immer ein Außenseiter gewesen. Selbst in der brasilianischen Armensiedlung, in der er aufgewachsen ist: dunkelhäutig, der Vater alkoholkrank, ständig auf Entzug und gewalttätig gegenüber der Mutter. Die Familie hatte gerade genügend Geld, um die nötigsten Nahrungsmittel zu kaufen. Die größte Freude seiner Kindheit sei das Fußballspielen gewesen, Fußballprofi werden sein größter Traum, erzählt Cacau, mit bürgerlichem Namen Claudemir Jerônimo Barreto, den Schülern der Ludwig-Schlaich-Akademie (LSAK).

Die Idee zu dem Vortrag sei aus einer Diskussion im Unterricht entstanden, wie die Leiterin der Fachschule für Sozialpädagogik der LSAK, Silke Groß-Kochendörfer, berichtet. In dem Lernfeld „Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben“ habe eine Schülerin vorgeschlagen, Cacau einzuladen. Aus Sicht der Schulleiterin sehr passend: „Wir haben hier eine große Vielfalt, Schüler etwa zwischen 17 und 40 Jahren in den Klassen, teils mit sprachlichen Schwierigkeiten.“ Da komme so ein Vortrag über Integration, Motivation und Selbstreflexion gelegen.

Fußball als Weg aus der Armut

Seine Motivation sei es immer gewesen, seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, berichtet Cacau. Diese Chance habe er im Fußball gesehen. Er habe daher alles für seinen Sport getan: Als Jugendlicher pendelte er nach der Schule zweieinhalb Stunden lang mit dem Zug nach Sao Paolo zum Training und dieselbe Strecke wieder zurück, oft ohne etwas im Magen zu haben. Um jeden Preis habe er es schaffen wollen.

Doch er musste auch früh lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Auf einen Trainerwechsel bei seinem Verein folgte der Rauswurf, weil der Neue ihn nicht für talentiert genug hielt. Der Traum vom Profifußball schien geplatzt: „Wenn man in Brasilien mit 16, 17 Jahren nicht bei einem großen Verein spielt, dann ist es vorbei“, erklärt der Fußballer.

Über seinen Bruder kam er dann zum Glauben: Cacau begann, die Bibel zu lesen. „Ich habe erfahren, dass es einen Gott gibt, der mich liebt, egal ob ich arm bin oder ausgegrenzt werde“, erinnert er sich. Aus dieser Gewissheit heraus habe er später alle Hindernisse in seinem Leben überwinden können und aus einem ängstlichen, schüchternen Jungen wurde ein selbstbewusster, eloquenter Mann.

Cacau wollte nicht Samba tanzen

Mit 18 Jahren kam er über einen Bekannten nach Deutschland. „Aber nicht, um Samba zu tanzen, wie manchmal behauptet wird“, sagt er und lacht, denn sein Bekannter hatte eine Sambaband. Sondern, um Fußball zu spielen. Und das tat Cacau: Zunächst bei einem türkischen Fünftligisten in München, nach dessen Insolvenz beim 1. FC Nürnberg und seit 2003 beim VfB Stuttgart, mit dem er 2007 Deutscher Meister wurde, später als Nationalspieler. Inzwischen hatte er gutes Geld verdient und seiner Mutter ein Haus gekauft.

An ein Tor erinnere er sich noch heute ganz genau, erzählt Cacau: sein erstes WM-Tor. „Da kamen Gedanken auf, an meine Kindheit, meinen Vater, die Armut, meinen Anfang in Deutschland“, zählt er auf. Und ihm sei klar geworden, dass der kleine brasilianische Junge es geschafft habe, dass er den Weg aus dem Armenviertel in den Weltfußball gegangen sei.