Waiblingen

Wie sich die Feuerwehr Waiblingen vor Corona-Infektionen im Einsatz und Training schützt

Feuerwehr
Ulrich Aldinger überprüft die Atemschutzmasken der Feuerwehr auf ihre Dichtigkeit. © ZVW/ALEXANDRA PALMIZI

Zu den heikelsten Einsätzen der Waiblinger Feuerwehr in der Corona-Pandemie zählen Einsätze, bei denen eine Tür geöffnet werden muss. „Man weiß nicht, was sich dahinter verbirgt“, sagt Nick Bley, der sich um die Mitgliederbetreuung, Kommunikation und Pressearbeit kümmert. Normalerweise ist dies eine Kleinigkeit, seit gut einem Jahr muss sich die Feuerwehr aber besonders schützen: Die feuerfeste Brandschutzhose wird bei einem Corona-Verdachtsfall gegen einen weißen Schutzanzug eingetauscht. Statt Helm tragen Einsatzkräfte Kapuze, Brille und Maske.

„Der Eigenschutz hat oberste Priorität“, so Bley. Besonders auch, wenn die Feuerwehr als sogenannte Tragehilfe vom Rettungsdienst angefordert wird, es darum geht, einen Corona-Patienten aus einem Gebäude zu schaffen. Mittlerweile kann die Wehr einen Desinfektor über die Leitstelle anfordern, der kommt und einen aus der möglicherweise infizierten Schutzkleidung befreit, ohne dass man selber damit in Kontakt kommt.

Praxis leidet: Übungen nur online 

Routine ist bei den Einsätzen die Grundvoraussetzung. Seit Wochen sind aber Übungen aufgrund der Pandemie nur online möglich. Seit Anfang Februar gibt es kleinere praktische Übungen für Fahrer und Maschinisten in Zweierteams am Löschfahrzeug oder mit Geräten wie Schere und Spreizer, die zum Aufschneiden von Fahrzeugen bei Unfällen gebraucht werden. Außerdem wird das Bedienen der Drehleiter geprobt. Von Mitte März an wird wieder in Kleingruppen geübt.

Mit zugeklebtem Visier meistern Atemschutzträger Übungsparcours

Wer im Einsatz mit Atemschutzgerät in ein brennendes Haus geht, muss einmal im Jahr einen Parcours bestehen. Auch hier gibt es ein Problem. Normalerweise nutzen die Waiblinger Gegebenheiten der Wehr in Fellbach. Durch die Kontaktbeschränkung geht auch das nicht. Die Waiblinger Wehr hat mit Paletten und Seilen einen eigenen Parcours in einer Garage aufgebaut. Das Visier der Atemschutzmaske wird zugeklebt, so dass es einem Milchglas gleicht. Am Ende müssen die Feuerwehrleute mit ruhiger Hand ein Memory-Spiel lösen.

Apropos Kontaktbeschränkung: Natürlich tragen alle Masken im Auto, so Bley. Immerhin sitzen bis zu neun Mitglieder beim Einsatz im Fahrzeug. Nicht auszudenken, was wäre, wenn sich bei der Feuerwehr das Coronavirus ausbreiten würde. Es habe schon Infizierte beim Einsatz gegeben, aber die Maßnahmen hätten zum Glück gegriffen. „Es gab keine weiteren Ansteckungen“, sagt der Kommandant der Gesamtwehr Waiblingen, Jochen Wolf.

Kontaktbeschränkung: Einsatzkräfte in festen Teams

Der Aufwand, dies alles zu organisieren, sei nicht wenig gewesen, bemerkt Jochen Wolf dabei. Alles unter der Anforderung: Die Einsatzbereitschaft muss erhalten bleiben – unter allen Umständen. Beim Thema Kontaktminimierung ist die dezentrale Struktur der Waiblinger Wehr von Vorteil. Brennt es etwa in der Rinnenäckersiedlung, rückt neben der Kernstadt auch die Abteilung Beinstein aus. Die Stadtabteilung, die rund 90 aktive Ehrenamtliche zählt, wurde in zwei Einheiten geteilt. Dadurch gehören Einsatzkräfte der Feuerwehr immer demselben Team an.

Home-Office sei dabei von Vorteil, so Wolf. Mitglieder sind besser verfügbar, haben tagsüber keinen langen Anfahrtsweg zum Feuerwehrhaus in der Winnender Straße. Das Gleiche trifft auch auf die Abteilungen in den Stadtteilen zu.

Kameradschaft und Gespräche bleiben auf der Strecke

Der Nachteil ist: Die Kameradschaft leidet. Die Mitglieder haben weniger Kontakt untereinander. Immerhin ist es nicht selten der Fall, dass das Erlebte verarbeitet werden muss. Dafür helfen die Gespräche mit den Kameraden. Diese können derzeit nur online und am Telefon stattfinden, so Bley.

Das Vertrauen untereinander ist dabei sehr wichtig und wird unter den insgesamt 390 Aktiven im Stadtgebiet großgeschrieben. Der leiseste Verdacht einer möglichen Erkrankung wird den anderen gemeldet, und ein Test wird gemacht.

Nach dem Einsatz oder der Übung: Maskencheck

Nach einem Einsatz oder einer Übung müssen Masken und Lungenautomaten gereinigt und auf ihre Dichtigkeit geprüft werden. Das erledigt Ulrich Aldinger. Nachdem er alles in einer Spülmaschine, wie man sie aus Restaurants oder Großküchen her kennt, gewaschen hat, werden die Sachen im Trockenschrank getrocknet. Dann zieht Aldinger Masken auf einen Dummie-Kopf. Per Computer wird Unterdruck erzeugt. Zehn Millibar muss die Maske eine Minute lang halten. Nur ein Millibar darf der Wert abweichen, sonst wird sie aussortiert. „Da reicht manchmal ein Haar aus, dass die Maske nimmer dicht ist“, so Aldinger. „Ich hab' da eine große Verantwortung für meine Leute“, weiß er. „Da kann viel passieren!“ Als Nächstes testet er die Lungenautomaten.

Fahrzeuge werden bis auf den Motor geprüft

Ulrich Aldinger ist einer von neun Hauptamtlichen, die es mittlerweile auf der Wache gibt. Einige Aufgaben sind zum Fulltime-Job geworden. Dazu zählen auch die Aufgaben von Elektriker Florian Götz. Sein Arbeitsplatz befindet sich in der eigenen Feuerwehr-Werkstatt. Dort prüft er alles, was sich auf einem Einsatzfahrzeug befindet. „Wir nehmen das Auto bis auf den Motor komplett auseinander“, sagt er. Dafür hat er sich einen eigenen Prüfstand gebaut. Im Moment testet er Tauchpumpen auf ihre Funktionalität. Sie werden benützt, um vollgelaufene Kellerräume leer zu pumpen. Zwei Tage benötigt er, um ein Löschfahrzeug komplett zu überprüfen. Eine wichtige Aufgabe, damit im Einsatz alles wie am Schnürchen läuft.

Zu den heikelsten Einsätzen der Waiblinger Feuerwehr in der Corona-Pandemie zählen Einsätze, bei denen eine Tür geöffnet werden muss. „Man weiß nicht, was sich dahinter verbirgt“, sagt Nick Bley, der sich um die Mitgliederbetreuung, Kommunikation und Pressearbeit kümmert. Normalerweise ist dies eine Kleinigkeit, seit gut einem Jahr muss sich die Feuerwehr aber besonders schützen: Die feuerfeste Brandschutzhose wird bei einem Corona-Verdachtsfall gegen einen weißen Schutzanzug eingetauscht.

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