Waiblingen

Wie willkommen sind Lesben und Schwule in der Evangelischen Kirche?

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Regenbogen
Regenbogen Waiblingen Jakob-Andreä-Haus Gemeindeabend zur Regebogeninitiative: Die Initiative ist ein Signal, dass Schwule und Lesben willkommen sind Foto: Buettner © Benjamin Büttner
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Regenbogen Waiblingen Jakob-Andreä-Haus Gemeindeabend zur Regebogeninitiative: Die Initiative ist ein Signal, dass Schwule und Lesben willkommen sind Foto: Buettner © Benjamin Büttner
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Regenbogen Waiblingen Jakob-Andreä-Haus Gemeindeabend zur Regebogeninitiative: Die Initiative ist ein Signal, dass Schwule und Lesben willkommen sind Foto: Buettner © Benjamin Büttner

Waiblingen. Wie willkommen sind Lesben und Schwule in der Evangelischen Kirche? Es gibt wenige Themen, die Menschen so umzutreiben scheinen wie diese Frage. Ein starkes Signal will dazu die „Initiative Regenbogen“ innerhalb der Landeskirche setzen. Noch unklar ist der Beitritt der Michaelskirche, die deshalb einen Diskussionsprozess in Gang gesetzt hat. Auch beim großen Gemeindeabend im Jakob-Andreä-Haus fiel keine Entscheidung.

„Wir werden heute nichts entscheiden, denn wir werden uns zum Schluss nicht einig sein“, hatte Pfarrerin und Moderatorin Irmgard Kaschler schon zu Anfang des fünften Diskussionsabends angekündigt. In Unterschiedlichkeit zusammenleben könne aber ein großer Schatz sein. Und so war es denn auch keine wirkliche Überraschung, dass sich die beiden Diskussionsteilnehmer auf dem Podium kaum annäherten, ihre unterschiedlichen Positionen letztlich stehenblieben. Ein Bild machen konnten sich die Zuhörer allerdings durchaus. Vom Schmerz der lesbischen Pfarrerin und Kirchenrätin Gisela Dehlinger, die sich in ihrer Kirche nie so recht angenommen fühlt und gegen Ausgrenzung und Ungerechtigkeit kämpft. Und vom Hadern des Hegnacher Gemeindepfarrers Bernhard Elser, der sich bisher mit seiner Kirche und deren Regeln bestens im Einklang wusste und nun um die Einheit der Gemeindeglieder fürchtet. Und Angst davor hat, die Konservativen könnten verprellt werden.

Elser: Gegen die geltende Ordnung

Vorgestellt hatte sich Elser als ein Mann, der seine Kirche liebt. „Mein Vater war leidenschaftlicher Pfarrer und ist für mich Vorbild bis heute.“ Während seiner Ausbildungszeit bei Pfarrerin Heidi Essig-Hinz in Neustadt habe er neue Perspektiven und wirklich liberale Menschen kennengelernt, die ihn in seinen Ansichten nie überfahren hätten. Deshalb irritiere ihn das Vorhaben der Michaelskirchengemeinde, der Regenbogen-Initiative beizutreten: Für Elser „ein Beschluss, der sich gegen die geltende Ordnung stellt“ und umstritten sei. „Die sogenannte Regenbogen-Initiative grenzt viele aus. Wird nicht gerade mit dem Beitritt etwas übergestülpt?“ Dies sei nicht die Liberalität, die er kennengelernt habe. Mit einem Beitritt werde man manche gewinnen, andere aber verlieren, warnte er unter dem Beifall einiger Zuhörer. Die Einheit der Kirche werde leichtfertig aufs Spiel gesetzt. „Sie überspannen den Bogen“, sagte er. Wer den Bogen überspanne, verfehle das Ziel.

Partnerin lebte als "Untermieterin" bei ihr

Zuvor hatte Gisela Dehlinger sehr persönlich aus ihrem Leben berichtet. Anfangs habe sie mit ihrer Partnerin im Pfarrhaus noch im Verborgenen zusammengelebt, „sie als Untermieterin“. Irgendwann habe sie eine Frau auf das Gerücht angesprochen, dass sie lesbisch sei: die Initialzündung für Dehlinger, um sich beim Dekan und in ihrem Kirchengemeinderat zu outen, um das Heft des Handelns zurückzubekommen. „Die meisten sagten, sie wussten es schon“, berichtete sie. In ihrer Gemeinde sei diese Offenheit aber nicht möglich gewesen. Auf Dauer habe sie diese Heimlichtuerei nicht gewollt. „Seither sage ich bei Bewerbungsgesprächen gleich, wie es ist.“ Nach einem Vorstellungsgespräch sei der Satz gefallen: „Wenn Sie Frau Dehlinger wählen, kommen lauter Lesben und Schwule in den Gottesdienst“ – die Stelle bekam sie nicht. Mit ihrer Partnerin lebt sie seit 21 Jahren zusammen, inzwischen offiziell verpartnert – aber der Segnungsgottesdienst sei ihnen viel wichtiger gewesen. Erst beim Leiter der Herrenberger Schwesterschaft hätten sie einen Pfarrer gefunden, der sich bereiterklärte. „Er sagte, Sie sind willkommen bei uns. Das war überwältigend.“ Wie viele Lesben und Schwule enttäuscht ausgetreten sind, weiß niemand: „Denn es macht was mit einem, wenn man keinen Segen bekommt und gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Grundsatz im Pfarrhaus nicht möglich ist.“ Lesben und Schwulen litten unter der Situation: „Wir brauchen eine Lösung, die die Breite der Landeskirche abdeckt.“

 

Die Initiative Regenbogen in der Landeskirche

Die „Initiative Regenbogen“ tritt für die Rechte gleichgeschlechtlich liebender Menschen in der Landeskirche ein.

In einer Erklärung an den Landesbischof und die Synodenpräsidentin heißt es: „Wir sind offen für Lesben und Schwule in unserer Gemeinde, für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, für Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen. Für uns ist es selbstverständlich, dass Lesben und Schwule zur Kirchengemeinde gehören. Menschen unterschiedlicher Lebensformen und sexueller Identitäten sind willkommen!“

Der Plan, der Initiative beizutreten, war in der Gemeinde auf großen Widerstand gestoßen und hatte den Diskussionsprozess ausgelöst. Die Entscheidung fällt der Kirchengemeinderat am 25. September.