Waiblingen

Wiedersehen mit Abstand: Wie Besuche im Pflegeheim "Haus Miriam" in Waiblingen ablaufen

Besucherzone
Mundschutz und Plexiglasscheibe sind in der Besuchszone Pflicht. © Gabriel Habermann

Einander endlich wieder von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen. Auf diesen Tag haben die Bewohner des Hauses Miriam und ihre Angehörigen lange gewartet. Seit gut einer Woche ist das wieder möglich. In der Begegnungsstätte hat das Seniorenzentrum eine sogenannte Besuchszone eingerichtet. Um den Hals fallen dürfen sich Familienmitglieder freilich nicht. Es gelten nach wie vor strenge Hygienevorschriften für den Besuch im Pflegeheim.

Das beginnt schon vor dem Besuch, denn der ist nur nach vorheriger Anmeldung per Telefon oder Mail möglich. Bei der Ankunft müssen Besucher sich registrieren. Nur wer keinerlei Symptome einer Atemwegsinfektion hat und keinen Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall hatte, darf rein. Handdesinfektion und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind Pflicht, ebenso das Einhalten des Sicherheitsabstands. An dem Tisch, an dem Bewohner und Besucher sich treffen, sorgt zusätzlich eine Plexiglasscheibe für Gesundheitsschutz. „Insgesamt gibt es drei solcher Doppeltische sowie einen zusätzlichen Tisch im Freien“, erzählt Thomas Sixt-Rummel, Regionalleiter der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung, die das Seniorenzentrum betreibt.

Zusätzlicher Mitarbeiter für die neue Besuchszone

Um die hohen Hygienestandards einhalten zu können, wurde extra ein zusätzlicher Mitarbeiter eingestellt, der die Besucher begrüßt, die Registrierung vornimmt und nach jedem Besuch Tische, Stühle und Plexiglasscheiben desinfiziert und den Raum gründlich lüftet. Auch für das Pflegepersonal gibt es zusätzliche Arbeit: Mitarbeiter helfen den Bewohnern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, in die Besuchszone und „dolmetschen“ bei Bedarf, wenn die Verständigung wegen Gesichtsmaske oder leiser Stimme schwierig ist.

Doch dieser Aufwand sei es wert, sagt Sixt-Rummel: „Es ist extrem wichtig für unsere Bewohner, dass sie Kontakte haben und ihre Beziehungen bestehen bleiben. Wir haben deshalb von Anfang an alles dafür getan, diese so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.“ Trotz der Corona-Schutzmaßnahmen soll das Haus Miriam ein Ort des Lebens sein. Und es führen ja noch andere Wege ins und aus dem Haus als nur die Türen. Als das Betretungsverbot verhängt wurde, wurden umgehend Telefonzeiten für alle Bewohner eingerichtet, die kein eigenes Telefon haben. So konnten die Bewohner wahlweise selbst Verwandte und Freunde anrufen oder selbst angerufen werden. „Schnell sind wir auch das Thema Skype angegangen“, erzählt Sixt-Rummel. Das sei nicht für alle Bewohner das passende Medium, aber einige hätten nach wie vor richtig Spaß daran. Ihnen hilft auch heute noch das Personal, die Verbindungen herzustellen. Sinnvoll sei diese Form der Kontaktaufnahme nach wie vor zum Beispiel dann, wenn die Besucher selbst zur Risikogruppe gehörten und Kontakte vermeiden müssten. Und sogar Familienzusammenführungen hat es über Videotelefonie schon gegeben: „Eine Bewohnerin hat ihr Enkelkind zum ersten Mal über Skype gesehen“, erzählt Thomas Sixt-Rummel.

Kreative Wege der Kontaktaufnahme

Weil Telefonate aber Treffen nicht ersetzen können, gibt es im Haus Miriam seit einigen Wochen ein sogenanntes Besuchsfenster. „In einen Besprechungsraum mit großem Fenster haben wir einen Tisch für den Bewohner gestellt, draußen einen Gartentisch und Stühle für Besucher“, beschriebt Sixt-Rummel. Auch wenn eine Plexiglasscheibe zwischen Bewohnern und Besuchern am Fenster Pflicht ist, werde das Fenster nach wie vor gerne genutzt.

Allen Bemühungen zum Trotz leiden einige Bewohner unter der Situation, sagt Sixt-Rummel. Besonders schwer sei es unter anderem für Demenzerkrankte, denen die Gefahren des Coronavirus schwer zu vermitteln seien. Die meisten kämen aber mit der Situation gut zurecht und hätten Verständnis für die Einschränkungen und Schutzmaßnahmen. Denn auch manche Bewohner haben Angst, sich zu infizieren, und deshalb den Wunsch, sich bestmöglich zu schützen. Dafür seien die Menschen auch bereit, vorübergehend auf Umarmungen zu verzichten. Dennoch hofft Thomas Sixt-Rummel, dass bald Medikamente oder ein Impfstoff gefunden werden, damit dann auch körperliche Nähe wieder möglich ist. Doch die Corona-Krise hat aus seiner Sicht nicht nur Schwierigkeiten hervorgebracht: „Ich beobachte zurzeit, dass die Menschen mehr aufeinander achten, Mitarbeiter gestalten zum Beispiel freiwillig ihr Privatleben sehr risikoarm. Es wäre schön, wenn diese Sensibilität erhalten bleibt.“

Einander endlich wieder von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen. Auf diesen Tag haben die Bewohner des Hauses Miriam und ihre Angehörigen lange gewartet. Seit gut einer Woche ist das wieder möglich. In der Begegnungsstätte hat das Seniorenzentrum eine sogenannte Besuchszone eingerichtet. Um den Hals fallen dürfen sich Familienmitglieder freilich nicht. Es gelten nach wie vor strenge Hygienevorschriften für den Besuch im Pflegeheim.

Das beginnt schon vor dem Besuch, denn der ist nur

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