Waiblingen

Wieso sperrt der Pferdehof die Zufahrt zum P+R-Parkplatz auf dem Hess-Areal?

Pferdehof Western Joyride
Judith (links) und Marie führen Pferd Nola aus. Hinter ihnen ist der Metallzaun zu sehen. © Benjamin Büttner

Seit das Parkhaus Innerer Weidach abgerissen wird, können Pendler und andere Bahnfahrer auf einem Ersatzparkplatz auf dem Hess-Areal parken. Vom Ameisenbühl verlief die Zufahrt seit Monaten über die Dieselstraße. Doch nun versperrt ein Metallzaun den Weg.

Durch den Verkehr gestört und gefährdet

Der Grund: Der Pferdehof „Western Joyride“ sah seine Tiere und Besucher durch den Verkehr gestört, auch gefährdet. Schon während der Bauarbeiten für den Daimler-Dienstleistungspark seien Baustellen-Fahrzeuge, darunter Lkw, häufig und teilweise sehr schnell durchgefahren, dazu kamen die Autos, die zum P+R-Parkplatz fuhren, erklärt Isabel Hess. Sie ist eine von drei Geschäftsführern der Hess-Ziegelei, der das Gelände gehört und die einen Teil an die Pferderanch verpachtet hat. „Wir haben hier sehr viele Kinder, Pferde, Hunde, und ständig diesen Querverkehr“, sagt die 63-Jährige. Deshalb habe man der Ranch versprochen, den Weg von der Dieselstraße zum Parkplatz zu sperren, sobald die neue Maybachstraße fertig ist. „Das Kriterium war die Abnahme der Maybachstraße. Und die ist auch erfolgt, am 25. Mai“, sagt Isabel Hess.

Auch die Stadt Waiblingen hat am Montag in einer kurzen Pressemitteilung erklärt: Die Zufahrt zum Ersatzparkplatz für Bahnfahrer verläuft jetzt ausschließlich über die Maybachstraße.

Höchstgeschwindigkeit wird von vielen missachtet

Isabel Hess begründet den Schritt auch damit, dass viele Fahrer die auf dem Privatweg geltende Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde missachtet hätten. Der ständige Durchgangsverkehr habe auch schon zu gefährlichen Situationen geführt – auch wegen des Auto- oder Lasterlärms: Die Tiere hätten sich des Öfteren erschrocken. „Es sind Fluchttiere, das bedeutet, im ersten Moment springen sie einfach weg“, sagt Nico. Seinen Nachnamen möchte er nicht in der Zeitung lesen.

Gefährliche Situationen erlebt

Gemeinsam mit seiner Frau betreibt der 38-Jährige die Pferderanch. „Und wenn da ein Reiter draufsitzt, der das noch nicht abfangen kann, dann liegt er auf dem Boden. Diese Gefahr war uns einfach zu groß.“ Denn tatsächlich sei es vorgekommen, dass auch Kinder sich verletzt haben. Einmal musste sogar der Rettungswagen anrücken, so Nico. Jeden Tag habe es ähnliche Vorfälle gegeben. Etwa, „dass ein Pferd, das geführt worden ist, zur Seite gesprungen ist und die Person, die geführt hat, in den Zaun gedrückt hat.“ Gefährlich sei es auch für behinderte Kinder gewesen, die dort eine Reittherapie besuchen.

Nicht nur Lkw, auch Pkw sind gerast

Sie hätten auch versucht, etwas gegen die Raser zu unternehmen, besonders nach Beginn der Bauarbeiten. „Am Anfang waren die gar nicht so schnell“, sagt Nico. Doch kurze Zeit später musste eine Lösung her: „Wir haben angefangen, hier Steine hinzulegen, und haben Schikanen eingebaut.“ Er zeigt auf die großen Steine, die teilweise noch im Weg liegen. „Auf Dauer waren es dann auch gar nicht mehr die Lkw, sondern die Pkw, die hier die Schikanen als Herausforderung genommen haben“, sagt er. „Sie sind zweimal hier gefahren und haben dann gesehen, ok, ist ja gar nicht so schlimm, wie es aussieht, kann man ja doch schneller fahren.“ Unter ihnen seien auch viele ältere Schüler der nahe liegenden Schulen gewesen, sagt Nico.

Mit Messer bedroht

Einen besonders krassen Vorfall habe es vor zweieinhalb Jahren gegeben: Nico habe einen Autofahrer angehalten und auf seine Geschwindigkeit angesprochen – und sei von diesem bedroht worden. Die herbeigerufene Polizei habe bei dem jungen Mann dann noch ein Messer sichergestellt. „Dem habe ich dann einfach Hausverbot erteilt. Der durfte nicht mal sein Auto vom Hof fahren, das hat die Polizei gemacht.“

Doch auch mit Fußgängern habe es Auseinandersetzungen gegeben, berichtet der Ranch-Betreiber. „Gerade die Schüler, die dann damit angefangen haben, mit Getränkepäckchen auf die Pferde zu spritzen.“ Und: „Um Silvester herum hatten wir auch Böller in den Ställen.“

"Jetzt ist hier kein Durchgangsverkehr"

Unter anderem solche Vorkommnisse hätten dazu geführt, „dass wir irgendwann gesagt haben: Und jetzt ist gut. Jetzt ist hier kein Durchgangsverkehr“, sagt Nico. Dass Passanten noch durchlaufen dürfen, ist sowohl für den Ranch-Betreiber als auch für die Verpächterin Isabel Hess in Ordnung. „Wir bringen da noch Schilder an“, sagt sie. Damit eindeutig zu erkennen sei, dass Fußgänger weiterhin den Spalt zwischen dem Gebüsch und dem Zaun nutzen können. Allerdings: Mit Fahrrad, Kinderwagen oder auch einem Rollstuhl kommt man an dem Zaun nicht vorbei.

„Wir tragen die Verantwortung“

Dass der Privatweg nicht komplett gesperrt wird, erklärt Isabel Hess so: „Ich möchte damit einfach auch ein Signal setzen, dass wir jetzt nicht sagen: 'Das ist hier mein Privatgrundstück und da darf niemand durch.' Auch die Leute, die nicht hier auf den Reiterhof kommen, sollen die Möglichkeit haben, den Weg zu nutzen.“

Doch Vorsicht sei in jeder Hinsicht geboten. „Es ist ein offenes Gelände, aber kein öffentliches“, sagt die Geschäftsführerin der Ziegelei. „Wir tragen die Verantwortung, und als Privatleute sind wir hier haftbar.“ Die Stadt Waiblingen hat bei der Frage der Sperrung jedenfalls kein Mitspracherecht: Auf Anfrage teilt die Verwaltung mit, dass der gesperrte Durchgang im Privatbereich liege und somit nicht in die Zuständigkeit der Stadt fällt.

Seit das Parkhaus Innerer Weidach abgerissen wird, können Pendler und andere Bahnfahrer auf einem Ersatzparkplatz auf dem Hess-Areal parken. Vom Ameisenbühl verlief die Zufahrt seit Monaten über die Dieselstraße. Doch nun versperrt ein Metallzaun den Weg.

Durch den Verkehr gestört und gefährdet

Der Grund: Der Pferdehof „Western Joyride“ sah seine Tiere und Besucher durch den Verkehr gestört, auch gefährdet. Schon während der Bauarbeiten für den Daimler-Dienstleistungspark

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