Waiblingen

Wildunfall: So verhalten Sie sich richtig

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Im Herbst kommt es häufiger als sonst zu Unfällen, weil Rehe oder andere Tiere unvermittelt auf die Straße laufen. Höchste Vorsicht ist geboten: Wer dem Tier ausweicht, gerät womöglich in den Gegenverkehr oder setzt das Auto an den nächsten Baum. Deshalb raten Fachleute: lieber nicht ausweichen. Auch wenn das den sicheren Tod des Tieres bedeutet.

Jochen Klima warnt vor Ausweichversuchen bei hoher Geschwindigkeit. Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg rät Autofahrern, die sich plötzlich mit einem Wildtier konfrontiert sehen, „so schnell wie möglich so stark wie möglich zu bremsen“, damit ein Zusammenstoß – sofern es zu einem solchen kommt – bei möglichst geringer Geschwindigkeit passiert.

Das klingt zynisch, ist aber Tatsache: Aus versicherungstechnischer Sicht ist es ebenfalls besser, mit dem Tier zusammenzustoßen, als nach einem Ausweichmanöver am Baum zu landen. Denn die Versicherungen erkennen einen Wildschaden in der Regel nur dann an, wenn Auto und Tier sich berührt haben. Weicht der Autofahrer aus und beschädigt dabei sein Auto, muss er sogar beweisen, dass ein Tier an allem schuld war. Ihm steht dann auch nur ein erweiterter Aufwendungsersatz zu, erläutert ein Sprecher des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft.

Ist die Sache noch mal gutgegangen und rennt das Tier unbeschadet in den Wald – dann erst recht gut aufpassen, warnt Jochen Klima: Rehe sind Rudeltiere, weshalb dem ersten weitere folgen könnten.

In der Dämmerung gilt es, jetzt besonders vorsichtig zu fahren

Erhöhte Vorsicht ist an Straßenabschnitten geboten, an welchen Wild-Warnschilder aufgestellt sind. „Besonders am Rand von Wiesen, Feldern und Wäldern sollten Autofahrer vor allem in der Dämmerung die Geschwindigkeit verringern und vorausschauend fahren“, appelliert Jan-Lennart Löffler an die Umsicht der Verkehrsteilnehmer. Laut dem Sprecher der Kreisjägervereinigung Waiblingen sollten Autofahrer zudem das Fernlicht abblenden, weil Tiere sonst die Orientierung verlieren könnten und womöglich instinktiv direkt auf die Lichtquelle zulaufen.

Polizei muss verständigt werden

Ist das Malheur passiert und das Auto mit dem Tier kollidiert, gilt: Ruhe bewahren, Warnblinklicht einschalten, Warndreieck aufstellen und die Polizei verständigen. Jan-Lennart Löffler warnt davor, ein verletztes oder totes Tier anzufassen. Es könnte krank sein. Lebt das Tier noch, wehrt es sich vielleicht unerwartet heftig und verletzt den Autofahrer.

Letztlich bleibt dem Autofahrer nichts übrig, als auf die Polizei zu warten. Einfach weiterfahren oder ein totes Wildtier eben mal in den Kofferraum packen – das ist der ganz falsche Weg. Wer das tut, macht sich der Wilderei schuldig.

Ein Jagdpächter ist für das Tier zuständig

Sich um das tote oder verletzte Tier zu kümmern, das ist Aufgabe des Försters oder Jagdpächters. Seit kurzem haben es die Verantwortlichen leichter, herauszufinden, welcher Jagdpächter für den jeweiligen Unfallort zuständig ist. Musste die Polizei früher mühsam in Listen und Jagdbereichskarten nach Zuständigen fahnden, kann sie seit kurzem auf eine EDV-gestützte Lösung zurückgreifen. Als erster Landkreis in Baden-Württemberg hat der Rems-Murr-Kreis nach Angaben des Landratsamts die Daten in das Einsatzleitsystem der Polizei eingepflegt. Mitarbeiter der Notrufzentrale können nun sofort sehen, welcher Jagdpächter zuständig ist, und die Beamten vor Ort entsprechend informieren.

Fotos am Unfallort machen

Hat der Autofahrer den ersten Schrecken überwunden und ist er hoffentlich körperlich unversehrt geblieben, wird er sich seinem Auto zuwenden und den Schaden checken. Ein Fall für die Haftpflichtversicherung liegt vor, sofern zum Beispiel eine Leitplanke oder ein Pfosten beschädigt ist.

In vielen Teilkaskoversicherungen ist festgelegt, dass die Versicherung nur bei Wildunfällen zahlt, an denen Haarwild beteiligt war. Zu dieser Gruppe zählen Rehe, Wildschweine, Füchse, Hasen, Luchse – eben Wildtiere mit Haaren. Streunende Katzen, verwilderte Hunde oder landwirtschaftliche Nutztiere gehören nicht dazu.

Wie in jedem Versicherungsfall bietet es sich an, Fotos am Unfallort zu machen und die Schäden am Auto zu dokumentieren. Ist es nicht zum Zusammenstoß mit dem Tier gekommen, rät der Sprecher des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft: den Jagdpächter informieren, nach Wildspuren fragen und diese fotografieren.

Gefahr abends und nachts größer

Abends und nachts ist die Gefahr, einen Wildunfall zu erleiden, größer als am Tag. Laut Jan-Lennart Löffler, Sprecher der Kreisjägervereinigung Waiblingen, kommt es in der Zeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr zu den meisten Unfällen im Verhältnis zur geringen Verkehrsdichte.

Im mehrjährigen Durchschnitt betrachtet gibt es laut Jan-Lennart Löffler, was die Zahl der Wildunfälle angeht, Spitzen im Mai, im Oktober und im November.

In den allermeisten Fällen ist Rehwild betroffen. Unfälle mit Wildschweinen kommen weitaus seltener vor.