Waiblingen

Wirren um die SPD-Kandidatur

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Alexander Bauer als Wahlkämpfer bei den Bundestagswahlen 2013 in Korb. Vier Jahre später hat ihn die SPD-Spitze im Kreis nicht einmal gefragt, ob er für den Bundestags kandidieren wolle, beklagt Bauer nun. © Christine Tantschinez

Waiblingen. Alexander Bauer werde 2017 nicht als Bundestagskandidat der SPD im Wahlkreis Waiblingen antreten, haben wir in unserer Freitagsausgabe vermeldet. Was folgte, waren heftige Wirren ... Chronik eines Sturms im Wasserglas.

Vergangene Woche riefen wir den SPD-Kreisvorsitzenden an: Herr Hestler, was macht eigentlich Ihre Kandidatensuche mit Blick auf die Bundestagswahl 2017, Wahlkreis Waiblingen? Die Antwort klang eindeutig: Alexander Bauer, der sich 2013 versucht hatte, werde diesmal nicht wieder antreten. Die Auskunft erschien uns unmissverständlich und einleuchtend. Denn Bauer hatte 2013 verloren und auch 2016 im Kampf um den OB-Sessel von Weinstadt eine Niederlage einstecken müssen – kein Wunder, folgerten wir im Artikel etwas flapsig, dass er sich einen weiteren „Schmerz“ nicht würde antun wollen.

Umso verblüffter waren wir über die Pressemitteilung Bauers, die am Wochenende per Mail bei uns einging und auch in SPD-Kreisen kursierte – sie ließ sich deuten, als liebäugle Bauer womöglich doch mit Ambitionen für 2017.

„Zur Bundestagswahl 2013 bin ich angetreten, um damit einen Grundstein zu legen für eventuelle Kandidaturen in der Zukunft“, schrieb Bauer. Für 2017 habe er „bisher“ nicht „den Finger gehoben, weil ich aus Respekt vor ihrer Leistung Katrin Altpeter den Vortritt lassen wollte“ – die aber hat schon im Sommer abgewinkt. Bauer weiter: Die SPD müsse „wieder glaubhaft werden für eine soziale Politik, den wichtigsten Pfeiler zur Sicherung der Demokratie. Dabei werde ich nach Kräften helfen. Als Sozialdemokrat weiche ich für diese Ziele keinen Schmerzen aus.“

Ist das Thema nicht durch?

Der Kreisvorsitzende Jürgen Hestler aber habe „bisher mit mir nicht gesprochen. Das gibt zu denken. Im Rückblick muss das nicht verwundern. Wegen meiner Position gegen eine Große Koalition im Jahr 2013 wurde ich hart angegangen. Ich hatte unseren Wählerinnen und Wählern im Wahlkampf zugesagt, danach nicht zu vergessen, was wir im Wahlkampf vertreten haben. An meiner Haltung hat sich nichts geändert. Ich stehe für einen Politikwechsel: für die Verabschiedung vom Neoliberalismus – von einer Politik der radikalen Marktwirtschaft. Die Folgen des Neoliberalismus sind der Nährboden für den wachsenden Rechtspopulismus. Zurzeit sehe ich die Chance für eine neue Politik am ehesten durch Rot-Rot-Grün.“

So weit Bauers Beschwerde – die nun wiederum Jürgen Hestler „überraschend“ findet, „um’s deutlich zu sagen“: Denn über die Personalie Bauer „haben wir gar nicht mehr nachgedacht“ bei der Kandidatensuche, das Thema sei doch eigentlich seit Monaten durch ... Alexander Bauer nämlich habe im Sommer am Rande des Landrats-Empfangs in Welzheim in kleiner informeller Runde durchblicken lassen, er werde „nicht kandidieren“. Kurz darauf, im August, erklärte Bauer obendrein, er bewerbe sich um den OB-Posten in Weinstadt.

Bauer habe sein Weinstädter Vorpreschen nicht mit der SPD abgestimmt, sagt Hestler. Und im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Bauer im August: Er werde in Weinstadt als „unabhängiger Kandidat“ antreten. Danach, erinnert sich Hestler, „war für uns alles klar“: Bauer orientiere sich neu; weg von der parteipolitischen Arbeit, hin zu einem kommunalen Amt. Und damit käme er für eine Bundestagskandidatur „nicht mehr infrage“: Man könne nicht einerseits „als OB kandidieren“ und dabei Distanz wahren zur Partei – und sich andererseits „eine Option“ Richtung Berlin offenhalten. „Du kannst nicht beides machen“, das wäre ja „völlig unglaubwürdig“.

Die SPD verkündigt ihre Kandidatin nach Weihnachten

Und deshalb, folgert Hestler, sei für ihn „das Signal völlig klar“ gewesen: nicht Altpeter, nicht Bauer. Weiteren Nachfragebedarf habe er da schlicht nicht mehr gesehen.

Also „haben wir uns auf die Suche gemacht“ nach einer Alternative – und „wir sind inzwischen fündig geworden“: Es gibt eine Kandidatin, die allerdings nicht wolle, dass ihr Name „vor Weihnachten“ öffentlich wird (siehe „Und nun?“).

So. Eine Frage aber harrt immer noch der Klärung: Will Bauer nun doch auch? Erwägt er womöglich gar eine parteiinterne Kampfkandidatur? Rufen wir mal an.

„Nein, habe ich nicht vor“, antwortet Alexander Bauer bündig. Zwar missfalle ihm, dass nur ein „ganz kleiner Zirkel“ im SPD-Kreisverband die Kandidaturfrage auskartle, „das wird nicht offen diskutiert, man weiß nicht Bescheid“ – aber „ich will auch ganz klar sagen, es geht nicht darum, mich in den Vordergrund zu schieben und zu kandidieren“. Er habe mit seiner Pressemitteilung nur eines klarstellen wollen: Er verzichte nicht deshalb, weil er einem „Schmerz“ aus dem Wege gehen, kneifen oder eine absehbare Niederlage vermeiden wolle. „Ich habe oft für unsere Partei die Fahne hochgehalten.“ Er werde auch künftig für eine profiliert linke, sozial gerechte Politik eintreten.

Tja, ziehen wir Bilanz: Der Halbsatz mit dem „Schmerz“ ist auf unserem Zeitungsmist gewachsen – in diesem Sinne bekennen wir uns schuldig, dass wir bei der SPD einen Sturm im Wasserglas ausgelöst haben. In der Sache aber gilt, was wir schon am Freitag schrieben: Alexander Bauer wird nicht Bundestagskandidat 2017 der SPD im Wahlkreis Waiblingen.

Und nun?

Dass es bei der SPD im Wahlkreis Waiblingen auf eine Kandidatin rauslaufen werde, kursiert gerüchteweise schon länger. Eine Frau? Das will auch Kreis-Chef Jürgen Hestler auf Nachfrage „nicht dementieren“.

Spekulieren wir: Anna Bayerlein, Sprecherin der Jusos Rems-Murr? Sybille Ernst, stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende? Maria Mauch-Felekidou, Pressesprecherin der Kreis-Jusos und Beisitzerin im SPD-Kreisvorstand? Am profiliertesten wäre wohl Maria Mauch-Felekidou: Sie sitzt nicht nur für die SPD im Gemeinderat Sulzbach/Murr, sondern auch im Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Baden-Württemberg. Im Januar wird Hestler das Geheimnis lüften.