Waiblingen

Wollen jetzt wegen Corona mehr Menschen ein Haustier?

Tierschutzverein
Wer sich eine Katze anschafft, muss sich im Klaren sein, welcher Aufwand und welche Kosten damit verbunden sind – sonst leidet am Ende das Tier. © Benjamin Büttner

Seit dem harten Lockdown ist das Leben noch stärker eingeschränkt – und genau das kann das Gefühl von Einsamkeit noch verstärken. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hat Annemarie Werner, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, noch keinen Anstieg der Nachfrage nach Haustieren bemerkt – nun aber schon. Möchten die Menschen jetzt in der kalten Jahreszeit verstärkt ein Tier, mit dem sie kuscheln können?

Annemarie Werner muss diese Frage mit Blick auf die vergangenen Wochen klar mit einem Ja beantworten. Nach Hunden, Hamstern oder Hasen wird indes kaum gefragt – es ist vor allem eine Tierart, nach der sich die Leute sehnen: „Ich habe in letzter Zeit verstärkt gemerkt, dass viele Katzen wollen – vor allem kleine Katzen.“

Nicht jeder ist für ein Haustier geeignet 

Nur weil jemand eine Katze will, heißt das natürlich noch lange nicht, dass die Person dafür auch geeignet ist. Annemarie Werner prüft laut eigenem Bekunden genau, wem sie über den Tierschutzverein eine Katze vermittelt – so wie jüngst bei Erich und Sophie. Die Katzenkinder kamen am 3. September 2020 auf die Welt, einen Tag später zog sie die Vereinsvorsitzende bereits groß. „Die Mama hat die zwei Jungen nicht angenommen.“

Also musste Annemarie Werner alle zwei Stunden aufstehen und den Katzenbabys die Flasche geben – natürlich auch nachts. „Sie sind gerade im Tiefschlaf – und dann werden Sie geweckt durch den Wecker.“

Wer Katzenbabys haben will, darf nicht berufstätig sein

Schaffen konnte Annemarie Werner das nur, weil sie längst im Ruhestand ist. Wer berufstätig ist, hat gar nicht die Kapazität, zwei Katzenbabys aufzuziehen. Wenn Leute bei ihr anrufen, die einfach eine kleine Katze haben wollen, dann klärt die Tierschutzvereinsvorsitzende erst mal darüber auf, dass gerade kleine Tiere mehr Zeit brauchen – und auch nicht alleine aufwachsen sollten. Erich und Sophie hat Annemarie Werner am 16. Dezember 2020 einer Familie gegeben – aber erst nach einem langen Telefonat und einer Überprüfung der Verhältnisse vor Ort.

Immer mit der Maske unterwegs

Jetzt in der Corona-Zeit ist Annemarie Werner laut eigener Aussage bei Besuchen von neuen Herrchen und Frauchen immer mit einer Maske unterwegs, um sich zu schützen. Auch auf den Abstand achte sie, erzählt die Vereinsvorsitzende. Ansonsten macht sie all das, was sie vor Corona getan hat. Auch ein Übereignungsvertrag wird weiter unterschrieben, mit dem das neue Tier in die Hände der neuen Besitzer übergeht. Im Fall von Erich und Sophie hat Annemarie Werner ein sehr gutes Gefühl, weil sie den Eindruck gewonnen hat, dass sich die ganze Familie bemüht.

Die ganze Familie muss ein Haustier wollen - nicht nur die Kinder

Genau das ist für Annemarie Werner der Knackpunkt. Wenn sich nur Kinder ein Haustier wünschen, ist dies zu wenig. „Da muss die ganze Familie an einem Strang ziehen.“ Die Verantwortung hätten dabei letztlich die Eltern. Das zeige sich spätestens dann, wenn das Tier krank werde und ein Tierarztbesuch unumgänglich wird.

Niemand sollte die Kosten unterschätzen

Wer jetzt wegen Corona im Home-Office arbeitet und sich beispielsweise eine Katze zulegen will, der sollte überlegen, ob er sich auch dann noch um sein Haustier kümmern kann, wenn er wieder in die Firma fahren muss. Ein weiterer wichtiger Faktor ist neben der Zeit das eigene Finanzbudget. Annemarie Werner weiß, dass viele die Kosten für ein Tier unterschätzen. Spätestens dann, wenn etwa eine Katze krank wird oder in einen Unfall verwickelt wird, kommen hohe Tierarztrechnungen auf den Besitzer zu. Dann können schnell mal einige Tausend Euro fällig sein.

„Das Tier leidet genauso wie Sie auch“

Katzen können übrigens wie Menschen auch Zahnschmerzen bekommen. Auch diese Behandlung kostet einiges. „Das Tier leidet genauso wie Sie auch“, sagt Annemarie Werner. Sie rät deshalb dazu, für das Tier eine Versicherung abzuschließen – aber auch die kostet natürlich Geld. Und wer einen Hund will, der muss noch Hundesteuer an seine Kommune bezahlen.

Welches Tier passt zu mir?

Letztlich gilt es, einige Fragen zu klären, bevor sich ein Mensch ein Tier anschafft. Wer sich wegen der Corona-Auflagen einsam fühlt und sich nach einem Tier zum Kuscheln sehnt, sollte sich trotzdem einige Fragen ehrlich beantworten – zum Beispiel folgende: Welches Tier passt zu mir? Oder: Kann ich das Tier artgerecht halten?

Habe ich wirklich immer Zeit, mit dem Hund Gassi zu gehen?

Wer keinen Garten hat, sollte sich nach Annemarie Werners Auffassung etwa fragen, ob er sich wirklich einen Hasen anschaffen sollte. Das Leben in einem Außenstall sei für einen Hasen grundsätzlich schöner. Und wer etwa gebrechlich sei, sollte sich aus Sicht der Tierschutzvereinsvorsitzenden überlegen, ob er es wirklich dauerhaft schafft, mit einem Hund immer Gassi zu gehen.

Auch die Lebensplanung spielt eine Rolle. Wer vorhat, mit seinem Partner ein Kind zu kriegen, muss überlegen, ob das Tier mit einem Baby zusammenleben kann. Und auch die Frage, wer während des Urlaubs das Tier betreut, wird nach Corona wieder wichtig werden.

Notfalltelefon des Tierschutzvereins

Jeder, der wegen eines Tiers Hilfe braucht, kann sich natürlich auch jetzt in der Zeit zwischen den Jahren an den Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung wenden. Unter 01 74/8 06 47 48 gibt es ein Notfalltelefon. Annemarie Werner und ihre Mitstreiter machen das alles ehrenamtlich, einfach aus Liebe zu den Tieren. „Wir beraten die Leute gerne.“

Seit dem harten Lockdown ist das Leben noch stärker eingeschränkt – und genau das kann das Gefühl von Einsamkeit noch verstärken. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hat Annemarie Werner, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen und Umgebung, noch keinen Anstieg der Nachfrage nach Haustieren bemerkt – nun aber schon. Möchten die Menschen jetzt in der kalten Jahreszeit verstärkt ein Tier, mit dem sie kuscheln können?

Annemarie Werner muss diese Frage mit Blick auf

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