Waiblingen

Yoga „für Mollige“ in Waiblingen: Andrea Hohl will Hemmschwellen abbauen

Andrea Hohl Yoga
Andrea Hohl hat zunächst geglaubt, Yoga sei nichts für sie. © privat

Yoga boomt seit Jahren. Die Übungen mit philosophisch-spirituellem Überbau aus Indien sollen entspannen, fit und achtsam machen. Werbebilder dazu zeigen oft blendend aussehende und vor allem schlanke Menschen auf der Yoga-Matte. In Waiblingen gibt es nun einen Kurs in „Curvy Yoga“, auch „XXL Yoga“ oder „Yoga für Mollige“ genannt - was macht diese Angebote aus? Kursleiterin Andrea Hohl erklärt, worauf es ankommt. Sie spricht auch über Hemmschwellen und eigene, negative Erfahrungen mit Yoga unter „Normalgewichtigen“.

Frau Hohl, für wen ist Curvy Yoga geeignet? Gibt es eine Gewichtsunter- oder -obergrenze?

Das Curvy Yoga ist primär für mehrgewichtige Personen gedacht. Eine Gewichtsunter- oder -obergrenze gibt es aber nicht.

Was müssen die Interessierten wissen und beachten? Wie anstrengend ist Curvy Yoga und gibt es Übungen, die aus Gesundheitsgründen für manche nicht geeignet sind?

Je nach körperlicher Konstitution werden hier verschiedene Varianten der einzelnen Asanas (Körperstellungen im Yoga, Anm. d. Red.) angeboten, egal ob im Liegen, Stehen oder Sitzen. Hilfsmittel wie Yogablöcke, Gurte, Decken, Handtuch werden hier zur Unterstützung eingesetzt. Daher ist das Curvy Yoga für jeden geeignet, aber im persönlichen Rahmen auch fordernd, um sich weiterzuentwickeln, eigene Grenzen kennenzulernen und damit positive Erfahrungen zu spüren.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht: Trauen sich viele Menschen, die nicht den vermeintlichen „Idealmaßen“ entsprechen, eher nicht, an so einem Trendsport wie Yoga teilzunehmen?

Meine Erfahrungen zum Thema Yoga als Teilnehmer waren zunächst eher negativ. Unter den „Normalgewichtigen“ sind manche Asanas als übergewichtige Person einfach nicht machbar. Varianten für einen selbst wurden nie aufgezeigt und dann hieß es immer nur: „Pausiere und mach einfach die nächste Übung wieder mit.“ In diesem Moment ist der Sinn des Yogas nicht mehr gegeben. Man fühlt eine gewisse Hilflosigkeit sowie Wut über sich selbst, dass man es nicht kann, sowie die Enttäuschung, nicht mithalten zu können. Das erzeugt Frust. Man denkt: „Dann ist Yoga wohl doch nichts für mich.“ Leider habe ich mittlerweile schon mehrere solche Berichte selbst auch durch Erzählungen anderer Mehrgewichtiger hören müssen und dann war Yoga für die meisten gestorben. Dabei heißt es immer, „Yoga ist für den Menschen und nicht der Mensch ist für Yoga da“. Dieser Satz hat mich noch sehr lange beschäftigt.

Was kann da helfen?

In der Pandemie-Zeit habe ich durch Online-Yogakurse für Mollige die wertvolle Erfahrung machen dürfen, dass sich Gleichgesinnte im Bereich von Yoga wohler und freier fühlen. Dass sie dankbar sind für das Angebot, Varianten wählen zu dürfen, die den eigenen körperlichen Bedürfnissen entsprechen.

Wie sind Sie selbst zum Thema gekommen?

Durch die eigene Erfahrung, mit meinem Körper nicht alles so machen zu können wie Normalgewichtige, was aber vollkommen in Ordnung ist. Ich suchte nach Kursen, die speziell für diese Zielgruppe ausgelegt sind, und habe nichts gefunden. Und weil ich schon Kurserfahrungen habe als Kursleiterin in verschiedenen Bereichen wie Nordic Walking, Aqua-Fitness und Zumba, nahm ich die Gelegenheit selbst in die Hand und wollte erst mal nur für mich Yoga lernen. Der Wunsch, die positiven Wirkungen des Yogas weiterzugeben, entstand dann relativ schnell.

Gibt es aus Ihrer Sicht zu wenige Vorbilder für übergewichtige Menschen, auch in den Medien? Sind Bilder, Filme, Werbung zu sehr auf vermeintliche Ideale ausgerichtet?

Ja, es gibt zu wenig Vorbilder. Oft ist im Kopf verankert: „Wenn ich einmal schlank bin, dann mache ich Yoga, gehe schwimmen, etc.“ Die Hemmschwelle ist bei vielen zu hoch. Sie trauen sich nicht, Dinge zu tun, die sie schon lange angehen wollen.

Yoga boomt seit Jahren. Die Übungen mit philosophisch-spirituellem Überbau aus Indien sollen entspannen, fit und achtsam machen. Werbebilder dazu zeigen oft blendend aussehende und vor allem schlanke Menschen auf der Yoga-Matte. In Waiblingen gibt es nun einen Kurs in „Curvy Yoga“, auch „XXL Yoga“ oder „Yoga für Mollige“ genannt - was macht diese Angebote aus? Kursleiterin Andrea Hohl erklärt, worauf es ankommt. Sie spricht auch über Hemmschwellen und eigene, negative

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