Waiblingen

Zu faul, Kartons zu zerkleinern: Ärger über vermüllte Container-Plätze in Waiblingen

Müll
Leser Klaus Wangerin hat dieses Foto vom Altpapier-Container am Schärisweg in Neustadt am 2. Juni gegen 10 Uhr gemacht. © Klaus Wangerin

Berge von unzerkleinerten Pappkartons hat Klaus Wangerin am 2. Juni vor den Altpapier-Containern am Schärisweg in Neustadt fotografiert. Über die Vermüllung hat er sich geärgert – schließlich geht es nicht um einen Einzelfall: Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) bestätigt, dass solche Müllhalden vor Altpapier-Containern seit Beginn der Corona-Pandemie häufiger vorkommen. Schließlich hat der Umfang an Bestellungen bei Amazon und anderen Online-Händlern seither noch rasanter zugenommen. Das Karton-Problem gibt es längst nicht mehr nur an Weihnachten. Die große Frage ist: Was tun die Stadt Waiblingen und die Abfallwirtschaft Rems-Murr gegen die Vermüllung? Und kann das Problem überhaupt gelöst werden?

Der Leiter der Abteilung Ordnungswesen bei der Stadt Waiblingen, Oliver Conradt, und der Leiter der Abteilung Betriebshof, Achim Wieler, betonen, dass zwischen der AWRM und der Stadt Waiblingen ein Vertrag über die regelmäßige Reinigung der Container-Plätze im Stadtgebiet besteht. An generell stark genutzten Standorten erfolge an Werktagen die Reinigung im ein- bis zweitägigen Turnus, alle anderen Container-Plätze werden bis zu zweimal die Woche durch den städtischen Betriebshof angefahren. Wegen des Feiertags wurde der Standort am Schärisweg erst nach zwei Tagen, also am 4. Juni, gereinigt.

Stadtverwaltung: Die Polizei erwischt ab und an die Verursacher

Immer wieder gelingt es laut Oliver Conradt und Achim Wieler der Polizei, die Verursacher von solchen Verunreinigungen zu ermitteln. Die Verfolgung dieser Ordnungswidrigkeiten erfolgt nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz – und die städtische Bußgeldstelle gibt dann Anzeigen über die widerrechtliche Beseitigung von Abfällen an die Bußgeldstelle des Landkreises ab. „Zuletzt wurden zwei Polizeianzeigen über die Entsorgung mehrerer Säcke Restmüll im Altpapier-Container und eines neben einem Altkleider-Container abgelegten Teppichs an den Landkreis weitergeleitet.“

Unerlaubtes Müll-Entsorgen kann sogar strafrechtlich verfolgt werden

Wer Müll illegal am Straßenrand, auf Parkflächen oder im Wald entsorgt, begeht in der Regel eine Ordnungswidrigkeit, für die laut Oliver Conradt und Achim Wieler ein Bußgeld bis zu 100 000 Euro fällig werden kann. „Privatpersonen müssen bei Anwendung des landesweiten Bußgeldkatalogs mit einem Bußgeld in dreistelliger Höhe rechnen.“ Das unerlaubte Entsorgen von Müll könne aber sogar eine strafrechtliche Verfolgung nach dem Umweltstrafrecht nach sich ziehen (Strafgesetzbuch, Paragraf 326: Unerlaubter Umgang mit Abfällen). Dies wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.

Stadt kann bei Kleinmüll ein Verwarnungsgeld von mindestens 75 Euro verlangen

Bei Kleinmüll ist weniger fällig. Wer beispielsweise Zigarettenstummel, Kaugummis, Kaffeebecher oder Ähnliches in der Fußgängerzone, in Parkanlagen oder auf Spielplätzen wegwirft, muss mit einem Verwarnungsgeld von mindestens 75 Euro rechnen. Bei groben Verstößen kann die Stadtverwaltung die Summe auf bis zu 250 Euro erhöhen. Beobachtet der städtische Vollzugsdienst ein solches Verhalten, erfolgt in der Regel ein belehrendes Gespräch. Es bleibt aber nur dann bei einer mündlichen Verwarnung, wenn der Verursacher einsichtig ist und den Kleinmüll in einem Papierkorb entsorgt.

Der Schärisweg ist nicht der einzige Container-Standort in Waiblingen und den Ortschaften, über den es Beschwerden wegen Vermüllung gibt. Weitere „Hotspots“ befinden sich laut der Stadtverwaltung in der Kernstadt in der Emil-Münz-Straße, der Badstraße und der Heerstraße. In Beinstein ist der Container-Standort in der Waiblinger Straße betroffen, in Bittenfeld am Rathaus, in Hohenacker im Immenhäldle und in Neustadt an der Friedensschule.

Vorstand der Abfallwirtschaft: Manche Bürger sind einfach zu faul

Mehr Papier-Container für Problem-Standorte helfen nach Erfahrung von Marcus Siegel, Vorstandsmitglied für Finanzen bei der Abfallwirtschaft Rems-Murr, nicht. Vermüllt seien die Container nicht deshalb, weil sie überfüllt seien, sondern weil manche Bürger schlicht zu faul seien, die Kartonagen zu zerkleinern und in den Schlitz zu stecken. Dazu komme, dass die Container eigentlich für Altpapier gedacht seien – und nicht für Kartons. Wer diese in großer Zahl entsorgen wolle, sollte eigentlich zu den Deponien und Recyclinghöfen fahren.

Sind Öffnungsschlitze zu groß, landen Staubsauger in den Containern

Eine Möglichkeit wäre natürlich, an den Standorten für Altpapier größere Container mit größeren Öffnungen aufzustellen – in der Hoffnung, dass dann die Kartonagen im Container landen. Was in der Theorie pragmatisch klingt, führt laut Marcus Siegel aber zu einem neuen Problem: Wenn es mehr gibt als nur einen Öffnungsschlitz, dann landen im Papier-Container automatisch Dinge, die dort nicht reingehören – wie zum Beispiel alte Staubsauger und Restmüll-Tüten. Wenn alle Altpapier-Container öfter geleert werden, würde dies zwar eine Entlastung bedeuten, aber natürlich auch zu Mehrkosten führen. Marcus Siegel spricht hier von 250.000 bis 500.000 Euro Mehrausgaben pro Jahr. Folge davon wären steigende Abfallgebühren. „Dann müsste jeder die Zeche zahlen.“

Videoüberwachung wäre nur auf privaten Flächen möglich

Auch eine Videoüberwachung ist laut Marcus Siegel keine Lösung. Denn diese wäre höchstens auf privaten Flächen erlaubt, nicht jedoch an Container-Standorten auf öffentlichen Flächen. Selbst die Schließung von Container-Standorten ist für die Abfallwirtschaft Rems-Murr keine Lösung – weil dann die Wahrscheinlichkeit steigt, dass mehr Bürger ihren Papiermüll in der Restmülltonne entsorgen. Dazu ist das Aufkommen an Altpapier, das über die Container gesammelt wird, für die AWRM immer noch so hoch, dass es sich insgesamt finanziell lohnt.

Abfall-App soll helfen

Für das Grundproblem vermüllter Altpapier-Container-Standorte gibt es im Moment noch keine wirkliche Lösung. Doch für Bürger, die so etwas vorfinden, gibt es eine Möglichkeit, das Problem schnell an die zuständige Stelle zu melden: Sie können die Abfall-App der AWRM auf ihrem Handy installieren. Es gibt sie sowohl im Google Playstore als auch bei Apple. Wenn Marcus Siegel die Nutzerzahlen dafür betrachtet, ist er bislang zufrieden. „Es läuft.“

Berge von unzerkleinerten Pappkartons hat Klaus Wangerin am 2. Juni vor den Altpapier-Containern am Schärisweg in Neustadt fotografiert. Über die Vermüllung hat er sich geärgert – schließlich geht es nicht um einen Einzelfall: Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) bestätigt, dass solche Müllhalden vor Altpapier-Containern seit Beginn der Corona-Pandemie häufiger vorkommen. Schließlich hat der Umfang an Bestellungen bei Amazon und anderen Online-Händlern seither noch rasanter zugenommen. Das

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